Den Verlust einer geliebten Katze zu verwinden, dauert Wochen
und Monate, manchmal auch Jahre. Der Journalist Neil Lyndon schrieb in „The
Times“:
Das Schlimme an unseren Haustieren ist ja nicht, dass sie uns zum Narren machen,
solange sie leben, sondern dass wir am Boden zerstört sind, wenn sie sterben.
Katzen sterben in Würde, aber ihre Besitzer geraten völlig aus der Fasson.
Und das wird nicht etwa mit den Jahren besser. Als ich ein Kind war, hat mich
der Tod unserer Hunde nicht mehr mitgenommen als der Tod einer Katze, den ich
mit Vierzig erlebte: Die Lieblingskatze meiner Frau wurde vor unserem Haus überfahren
und wir waren drei Tage lang in Trauer.
Für viele Menschen geht mit dem Tod ihres Haustieres ein Kapitel ihres Lebens
zu Ende und Erinnerungen an frühere schmerzliche Verluste nahestehender Menschen
oder geliebter Tiere werden wach. Manche sind tatsächlich nicht in der Lage,
zur Arbeit zu gehen – was sicher von Arbeitgebern nicht gern gesehen wird,
zumal wenn diese selbst eine solche Erfahrung nicht gemacht haben. Und manche
suchen ihren Hausarzt auf, weil sie depressiv werden und vielleicht auch niemanden
haben, mit dem sie über ihren Kummer sprechen können.
Jeder empfindet seinen Gram als einzigartig und ist überzeugt, dass niemand
ihn wirklich verstehen könne. Doch in Wirklichkeit gibt es verschiedene Stadien
des Schmerzes und der Trauer, die von allen durchgemacht werden, wenn auch
nicht in der gleichen Intensität oder Reihenfolge. Mitunter überlagern sich
diese fünf Stadien der Trauerarbeit; oder man kommt über eines von ihnen einfach
nicht hinaus und fällt in ein bereits überwunden geglaubtes zurück. Sie alle
zu bewältigen, kann eine lange Zeitspanne in Anspruch nehmen.
Es einfach nicht glauben wollen
Selbst wenn der Tod nicht überraschend kam, kann er doch Erschütterung und
Ungläubigkeit mit sich bringen. Wir kennen das von der Diagnose einer tödlichen
Krankheit: Man glaubt einen Alptraum zu haben und möchte aufwachen und sehen,
dass alles gar nicht wahr ist. Sich mit dem Geschehenen abzufinden, ist bei
einem plötzlichen, unvermuteten Tod besonders schwer – man meint, die Katze
müsse jeden Moment durch die Katzeklappe hereinkommen und ihre Mahlzeit verlangen.
Manche Leute holen, wenn ihr Tierarzt ihnen keine Hoffnung mehr machen kann,
das Urteil eines weiteren Fachmanns ein in der Hoffnung, er würde zu einer
anderen Diagnose gelangen. Viele von uns können ihre Tränen nicht zurückhalten
und oft genügen nichtige Anlässe, die vielleicht gar nichts mit unserer Katze
zu tun haben, uns aus der Fassung zu bringen. Die Psychologen sagen uns, dass
es besser ist, über den Tod zu sprechen und zu weinen, als unsere Gefühle in
uns zu begraben. Wickeln Sie Ihre tote Katze, wenn Sie sie noch daheim haben,
in ihre Decke, setzten Sie sich nieder und halten Sie sie eine Weile auf dem
Schoß, bis sie wirklich fassen können, was geschehen ist. Es mag sein, dass
Sie die Worte „tot“ oder „gestorben“ nicht über die Lippen bringen, weil Sie
noch nicht akzeptieren können, dass Ihre Katze Sie verlassen hat. Die Zeit
wird Ihren Schmerz lindern.
Zorn und Schuldgefühle
Wenn Sie den ersten Schock überwunden haben, steigt vielleicht Zorn in Ihnen
auf. Dieser Zorn kann dem Tierarzt gelten, weil Sie finden, er habe nicht genug
für Ihr geliebtes Tier getan (obwohl Sie wissen, dass nichts mehr getan werden
konnte) oder sich gegen Sie selbst richten, weil Sie die Gefahr nicht eher
erkannt haben (obwohl es keinerlei Anzeichen für eine Krankheit gab). Sogar
auf Ihre Katze können Sie wütend sein, weil sie gestorben ist und auf andere
Tiere, weil die noch leben (obwohl Sie niemand anderem einen solchen Verlust
wünschen, wie Sie ihn gerade erlitten haben. Sie sehen, Wut hat nicht viel
mit Logik zu tun; man darf sie deshalb auch auf niemanden persönlich beziehen,
sondern muss sie als Reaktion auf die Situation ansehen.
Wenn Ihr Tier durch einen Unfall ums Leben gekommen ist, werden Sie starke
Schuldgefühle bekommen. Die Schuld ist ein Ausdruck des Wünschens, die Ereignisse
ungeschehen zu machen – wir wünschen, wir könnten, wie Supermann, die Zeit
zurückdrehen und alles noch einmal erleben, damit es einen anderen Ausgang
nähme. Sie vergegenwärtigen sich, wann Sie Ihre Katze zum letzten Mal sahen,
was Sie gerade taten, als der Unfall geschah, wie Sie ihn hätten verhindern
können. Sie vergessen, das man stets und ständig auf Unfälle gefasst sein müsste
und seine Katze am besten gleich in einen rundum gepolsterten Raum einschließen
müsste, damit ja nichts passiert.
Mit dem Schicksal handeln
Wenn die Katze schwer krank ist und der Tierarzt keine Möglichkeit einer Heilung
mehr sieht, versuchen wir es vielleicht noch mit einem Handel. Wir wenden uns
an die höheren Mächte und bitten Gott, das Tier am Leben zu lassen; dafür versprechen
wir etwas zu tun, was uns sehr schwer fällt oder was und eine Menge Geld kostet.
Manche Leute führen auch noch kostspielige Behandlungen weiter, obwohl ihnen
klar ist, dass das nichts hilft.
Tiefe Trauer
Trauer äußert sich oft in tiefer Niedergeschlagenheit, es ist als läge uns
ein schweres Gewicht auf der Brust. Manchmal sind wir abgelenkt und vergessen
den Tod unserer Katze für kurze Zeit, doch plötzlich ist dieses dumpfe, bedrückende
Gefühl wieder da. Wir spüren es physisch.
Wie lange diese Niedergeschlagenheit anhält, hängt davon ab, wie end unsere
Bindung an das Tier war und wie lange es mit uns zusammengelebt hat. Man geht
davon aus, dass sie einige Stunden nach dem Tod des Tieres einsetzt und nach
etwa zwei Wochen ihren Höhepunkt erreicht. Es ist ja verständlich, dass eine
Katze, die lange Jahre um uns war, eine große Lücke hinterlässt, wenn sie nicht
mehr da ist.
Eine große Hilfe ist es, mit jemandem sprechen zu können, der uns versteht,
vielleicht weil er selbst schon eine Katze verloren hat und sich jemandem anvertrauen
zu können, der weiß, wie uns zumute ist. Menschen die keine Haustiere haben,
verletzen uns leicht durch Worte, die tröstlich gemeint sind: „ Es war ja nur
ein Tier, kein Mensch. Das wird schon wieder!“ Sie wissen nichts von unseren
Gefühlen, die genauso tief gehen und manchmal tiefer, als hätten wir nicht
„nur“ ein Tier, sondern einen Menschen verloren.
Ergebung
Nach einer ganzen Weile – es gibt keine Regel, wie lange sie dauert – haben
wir die Stadien des Schocks, des Zorns, der Schuldgefühle und der tiefen Niedergeschlagenheit
hinter und gelassen. Zeit heilt Wunden, so sagt das Sprichwort, auch wenn man
das in den Tagen und Wochen nach dem Tod der Katze nicht glauben kann. Allmählich
können wir uns wieder zutrauen, die Photos unserer Katze anzuschauen, ihr Halsband
oder ihr Spielzeug in die Hand zu nehmen und ihren Namen auszusprechen, ohne
dass die dumpfe Qual der Trauer uns wieder erfasst. Und langsam können wir
auch überlegen, wie es wäre, wieder eine Katze zu haben und in Ruhe die Pros
und Contras abwägen. Wir müssen uns aber klarmachen, dass wir die neue Katze
als eigene Persönlichkeit sehen müssen; wir dürfen sie nicht als Ersatz für
die vorherige betrachten.
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