Muss die Katze Eingeschläfert werden?
In vielen Fällen erledigt sich die Frage, wann es Zeit ist,
die Katze einschläfern zu lassen von selbst. Doch wenn die Katze an einer chronischen
Krankheit leidet und ihr Zustand sich nach und nach verschlechtert, ist es
oft sehr schwierig, den Zeitpunkt zu bestimmen. Die Feststellung einer tödlichen
Krankheit, wie eines Tumors oder eines fortgeschrittenen Nierenleidens bedeutet
noch nicht, dass man das Tier sofort einschläfern müsste. Wir sind heute in
der Lage, ihm auch bei ungünstigen Diagnosen noch einige schmerzfreie und sorglose
Monate oder sogar Jahre zu ermöglichen. Wir wissen selbstverständlich nicht
genau, was in unseren Tieren vor sich geht, doch immerhin leben wir so viele
Jahre mit ihnen zusammen, dass uns ihr Verhalten sehr vertraut geworden ist.
Die Lebensvorgänge bei einer alternden Katze verlangsamen sich ganz allmählich
und die Krankheit wird ein übriges tun, sie in ihren Gewohnheiten einzuschränken.
Doch ausschlaggebend für eine Entscheidung ist die Frage, ob Ihre Katze, alles
in allem noch gerne lebt oder nicht. Die folgenden Fragen können vielleicht
helfen, sich ein Urteil zu bilden:
- Hat die Katze den Appetit verloren?
- Reagiert sie noch auf Zuwendung?
- Erbricht sie häufig?
- Ist sie inkontinent?
- Hat sie Schwierigkeiten, sich im Haus zu bewegen?
- Lässt sie Schmerzen oder Unbehagen erkennen, wenn man sie berührt? Jault oder faucht sie dann?
- Hat sie häufig Krämpfe?
- Hat sie neuerdings die Sehkraft eingebüßt?
Lautet die Antwort auf eine oder mehrere dieser Fragen "Ja" und kann
der Tierarzt nicht mehr für eine Besserung des Befindens Ihrer Katze tun, so
ist es wohl an der Zeit, sich mit dem Gedanken an den Abschied vertraut zu
machen. Ihr Tierarzt hat die nötige Erfahrung, um die Lebenserwartung Ihrer
Katze beurteilen zu können und wird Ihnen sicher mit seinem Rat zur Seite stehen,
wenngleich letzten Endes Sie derjenige sind, der mit der Katze zusammenlebt
und die endgültige Entscheidung zu treffen hat.
Was ist zu bedenken?
Dieser betrüblichen Frage gehen die Besitzer älterer Katzen am liebsten aus
dem Weg, doch oft ist es weniger quälend, sich ihr zu stellen, als sie vor
sich herzuschieben. Da es für Sie sicher ein schwerer Schritt sein wird, die
Katze einschläfern zu lassen, sollten Sie mit der Praxis Ihres Tierarztes einen
Termin außerhalb der unruhigen Sprechstundenzeiten vereinbaren. Vielleicht
wäre es Ihnen lieber, der Tierarzt käme ins Haus; dagegen spricht allerdings,
dass er in seiner Praxis alles verfügbar hat, was er braucht und seine Helferinnen
ihm zur Hand gehen können. Wenn Sie möchten, können sie dabeibleiben; das wird
von vielen Tierärzten befürwortet, weil es die Katze beruhigt und umgekehrt
auch Sie erleichtert sein werden zu sehen, wie schnell und schmerzlos alles
vorüber sein wird.
Wenn Sie sich unvorbereitet und plötzlich vor die Notwendigkeit gestellt sehen,
Ihre Katze einschläfern zu lassen, möchten Sie vielleicht noch etwas Bedenkzeit
haben und Ihre Familie vorbereiten können. Falls die Katze leidet, wäre es
sehr selbstsüchtig, ihren Todeskampf hinauszuzögern. Doch in vielen Fällen
hat der Tierarzt die Möglichkeit, sie mit Hilfe von Medikamenten noch ein oder
zwei Tage beschwerdefrei zu halten.
Wie geschieht es?
Haben Sie sich schließlich für die Einschläferung entschieden, so müssen Sie
wahrscheinlich Ihre Einwilligung noch einmal in schriftlicher Form geben. Die
Katze bekommt eine Überdosis eines Barbiturates eingespritzt, das in niedrigen
Dosen auch als Anästhetikum verwendet wird und es besteht aller Grund zu der
Annahme, dass sie auf ähnliche Weise einschläft, als hätte sie eine Narkose
bekommen. Das Mittel kann intravenös in eines der beiden Vorderbeine gespritzt
werden, an dem man vorher eine kleine Stelle kahlgeschoren hat; die Katze wird
dabei von einer Helferin festgehalten. Manche alte Katzen sind so dünn, dass
man ihre inneren Organe fühlen kann und die Injektion direkt z. B. in die Niere
geben kann. In beiden Fällen hat die Katze nicht mehr zu leiden als einen kleinen
Nadelstich und die Wirkung der Spritze tritt sehr schnell ein.
Das Bewusstsein schwindet meist sofort und auch das Herz hört bald auf zu schlagen.
Oft tut die Katze dann noch ein, zwei schnappende Atemzüge; vielleicht bemerken
Sie auch noch ein Muskelzucken oder es kommt zur Entleerung von Blase und Darm.
All das hat nichts zu bedeuten und besagt nicht, dass die Katze noch lebt;
es sind reine Reflexe. Wenn sie tot ist, sind ihre Pupillen stark erweitet
und sie reagiert nicht mehr auf eine Berührung der Augenoberfläche. Bei sehr
unruhigen Tieren kann es nötig sein, zunächst ein Beruhigungsmittel zu spritzen
und die endgültige Injektion erst vorzunehmen, wenn dies gewirkt hat.
Der Natur ihren Lauf lassen?
Die Entscheidung für eine Einschläferung ist schwer zu treffen und viele Katzenhalter
werden nachträglich von Zweifeln geplagt, ob ihre Entscheidung richtig war
oder nicht. Ein natürlicher Tod, ein friedliches Verlöschen im Schlaf, erscheint
dann als die einfachere Alternative. Doch leider ist das Ende nicht immer so.
Katzen quälen sich oft sehr in ihren letzten Stunden, sie erbrechen, ringen
nach Atem oder werden von Krämpfen geschüttelt. Wenn zweifelsfrei feststeht,
dass Ihre Katze keine Freude mehr am Leben hat und die tierärztliche Kunst
am Ende ist, ist die Entscheidung, sie einzuschläfern und ihr Leiden zu ersparen,
die humanste Lösung.
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