Tinka und Minki
Türkei – Deutschland: nur Hinflug

 

Dies ist die Geschichte, wie unsere zwei Kobolde Tinka (geb. ca. April 2002) türkisch Kurzhaar/Anatoli und Minki (geb. ca. Mai 2002) türkisch Kurzhaar/Anatoli zu uns kamen.

 

Wir verbrachten im August 2002 eine Woche Urlaub in Bodrum an der türkischen Ägäis. Während eines Restaurantbesuchs – wir saßen draußen, um die Straßenkatzen füttern zu können – ist uns eine kleine, abgemagerte, weiße Katze aufgefallen, die vielleicht 3 Monate alt gewesen sein mag. Wir bestellten bei dem Kellner eine extra Portion Fleisch für die Straßenkatzen. Die weiße Katze schlang die Fleischbröckchen runter und ließ sich dann ausgiebig streicheln. Mit einem Mal sprang sie auf den Schoß von meinem Freund, machte es sich dort gemütlich, schnurrte wie verrückt, tretelte ausgiebig und schlief dann dort ein. Wir waren beide hin und weg. Mein Freund hätte die Katze am liebsten sofort mitgenommen. Aber natürlich konnten wir keine Katze mit ins Hotel nehmen und schon gar nicht von jetzt auf gleich nach Deutschland. Wir wussten ja auch nicht, welche bürokratischen Hindernisse bewältigt werden müssten. Außerdem, wenn man einmal anfängt eine Katze aus Mitleid mitzunehmen, wo soll das dann denn aufhören? Diese Gedanken ließen uns „vernünftig“ sein und wir verließen ohne Katze das Restaurant. In den folgenden Tagen sprachen wir öfters über die weiße Katze und wollten diese dann doch noch einmal vor unserer Abreise sehen. Am Abend vor unserem Abflug gingen wir also noch einmal dort essen und „unsere“ Katze war wieder dort und genauso verschmust wie zuvor. Es brach uns dann fast das Herz „unsere“ Katze dort lassen zu müssen.

 

In den Wochen nach unserem Urlaub ging uns die Katze nicht aus dem Sinn. Ich fing an, meinen Freund zu bearbeiten, die Katze doch zu sich zu nehmen. Zu der Zeit konnte ich keine Katze halten, da ich noch zu Hause wohnte, und meine Mutter eine schlimme Allergie gegen fast alles hatte, woran sie beinah auch gestorben wäre. Mein Freund war hin- und hergerissen. Zum einen hatte er sich in die Katze verguckt, zum anderen bezweifelte er aber ihr ein gutes Zuhause bieten zu können, weil er relativ beengt wohnte. Wir entschlossen uns, noch einmal hinzufliegen. Dieses mal zu seinen Eltern, die ein kleines Häuschen in der Nähe unseres Urlaubsortes haben. Zuvor hatte ich mich beim ADAC über die Einreisebestimmungen für Katzen aus der Türkei nach Deutschland informiert, seine Eltern wussten, dass wir vielleicht eine Katze zu uns nehmen würden und mein Freund kaufte eine Transportbox. Aber, dass wir die Katze dann letztendlich auch mit nach Deutschland nehmen würden, darüber waren wir uns noch nicht sicher.

 

Mit Flohhalsband, Wurmtabletten, Zeckenzange und einer leeren Transportbox im Gepäck ließen wir uns an einem Donnerstagabend im Oktober von seinen Eltern abholen. Schon auf der Fahrt zu ihrem Haus, sagten sie uns, dass „unsere“ Katze vor 8 Tagen 3 Junge bekommen hätte. Na super, damit war natürlich alles hinfällig. Aber mir kam das „spanisch“ vor, da die Katze doch noch so klein zu sein schien, als wir sie im August gesehen hatten. Direkt am nächsten Tag – allerdings erst am Abend, da es vorher nicht ging – fuhren wir zu diesem Restaurant. Schon vom Auto aus sah ich „unsere“ Katze. Es stellte sich heraus, dass „unsere“ Katze ein kleines Katerchen war (im August hatten wir auf solche „Details“ nicht geachtet ;-)). Er war genauso verschmust wie immer und unser Entschluss stand fest: Er kommt mit.

 

Noch während des Abends an dem wir den Kater mitnehmen wollten, fiel mir eine weitere Katze auf, die sich mit einem kleinen weißen Hund um das Essen stritt, welches die Restaurantbesucher auf die Strasse schmissen. Der kleine Hund zog stets den Kürzeren. Die Kleine war ein richtiger Hundeschreck, dabei aber so unglaublich süß. Weil mir auch der Straßenhund leid tat, bestellte ich eine Portion Fleisch für die Katze. So hatte jeder sein eigenes Essen. Die Kleine kam dann auch zu uns und ließ sich bereitwillig streicheln. Mit einem Satz saß sie auf dem Schoß von meinem Freund und ließ laut schnurrend und tretelnd die Streicheleinheiten über sich ergehen. (Irgendwie scheint mein Freund für Katzen besonders anziehend zu sein ;-)) Schließlich kam sie zu mir rüber und ließ sich von mir durchkuscheln. Irgendwann war die Kleine von der ganzen Streichelei so im Delirium (ihre Augen waren die ganze Zeit geschlossen), dass sie auf einmal das Gleichgewicht verlor und von meinem Schoß fiel. Ich fing sie auf und mein Herz war erneut verloren. Jetzt gab es ein Problem: eine Transportbox, zwei Katzen, ... welche nehmen wir mit? Wir entschlossen uns das Katerchen mitzunehmen, da wir uns für seine „Rettung“ schon vorher entschlossen hatten. Gesagt – aber nicht getan. Als wir an diesem Abend nach Hause fahren wollten, war die weiße Katze verschwunden. Ich suchte die Strasse, in der das Restaurant lag, von oben bis unten, die Seitenstrassen und auch den Marktplatz ab. Die Katze blieb verschwunden. Als ich schon aufgeben wollte, habe ich sie schließlich doch noch in einer Seitenstrasse gefunden. Sie trank gerade an einem Schlagloch im Asphalt, in dem sich Wasser gesammelt hatte.

 

Das kommende Wochenende verlief sehr harmonisch. Man brauchte Minki – so nannte mein Freund den kleinen Kater – nur angucken und schon bekam er sich vor lauter Schnurren und Treteln nicht mehr ein. Nachdem ich ihm einmal das Katzenklo (die untere Hälfte der Transportbox mit Sand gefüllt) gezeigt habe, benutzte er es auch immer. Das Wetter entwickelte sich als sehr wechselhaft. Nachts gab es Gewitterstürme und sintflutartigen Regen. In Gedanken an die kleine Bunte, die bei diesem Wetter da draußen sein musste, fing ich an meinen Freund zu bearbeiten, dass er zwei Katzen zu sich nehmen sollte. Am Montag war es dann soweit: Tinka zog bei uns ein.

 

Nach einer Nacht Toberei, Faucherei und Knurrerei zwischen den beiden (was mich absolut fertig gemacht hat) und zwei Tagen aus-Protest-Nicht-Schnurren von Minki, der Suche nach einem „guten“ Tierarzt, der Tollwutimpfung und vielen Einkäufen von Katzenstreu und –futter ging es dann nach Deutschland. Wir durften die Katzen während des Fluges in ihren Transportboxen bei uns auf dem Schoß haben. Das erwartete „Theater“ von den Katzen während des Fluges blieb aus. Beide waren schon von der Autofahrt zum Flughafen und dem Einchecken so fertig gewesen, dass sie während des gesamten Fluges geschlafen haben und erst aufgewacht sind, als wir in Köln gelandet sind. Den ersten Tag nach unserer Ankunft gingen wir erst einmal zum Tierarzt. Beide hatten die schlimmsten Würmer und Parasiten, die man sich vorstellen kann und Minki litt sogar an Lungenwürmern, die ohne Behandlung tödlich für ihn gewesen wären.

 

Tinka und Minki sind nun reine Hauskatzen, die auch keine Anzeichen zeigen nach draußen zu wollen. Wenn es dunkel wird, oder es regnet, kuscheln sie sich ins Bett. Wir sind sehr glücklich mit unseren zwei Hühnerdieben, aber zwei Katzen sind genug. Vorsichtshalber sind wir trotzdem dieses Jahr nicht in die Türkei zum Urlaub gefahren; vielleicht aber wieder im nächsten Jahr? ;-)

 

Nani mit Tinka (und Minki)

 

Wer uns näher kennen lernen möchte oder Fragen hat, wie man Katzen aus dem Ausland nach Deutschland bringen kann, erreicht uns unter a2867443@smail.uni-koeln.de
 

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