Kimba bekommt eine Freundin

Ich bin jetzt seit acht Monaten in meinem neuen zu Hause und wie Ihr seht zu einem stattlichen Burschen herangewachsen. Natürlich habe ich auch meinen festen Tagesablauf – und der sieht in etwa so aus:

Morgens, wenn Frauchens Wecker klingelt, springe ich zu ihr ins Bett, um eine Runde mit ihr zu schmusen. Danach stehen wir gemeinsam auf, ich frühstücke erst einmal und warte dann bis sie Dorina in den Kindergarten gebracht hat und wieder nach Hause kommt. Vormittags sitzt mein Frauchen immer vor dem komischen bunten Kasten und klappert mit den Fingern wild auf einem Brett herum. Manchmal rolle ich mich dann auf ihrem Schoß für ein Nickerchen zusammen. Aber meistens platziere ich mich direkt vor diesen „Fernseher“ und versuche den kleinen Pfeil zu fangen. Oder ich lege mich lang gestreckt auf das „Klapperbrett“ und mache ihr ganz viele Zeichen in den geschriebenen Brief. Das findet mein Frauchen nicht so lustig, dabei ist das sooo gemütlich! Wenn mittags dann das kleine Mädchen und mein Herrchen nach Hause kommen, wird's lebhaft in der Bude. Es wird gespielt, getobt, gestreichelt und geschmust. Zwischendrin lege ich mich dann auch mal auf die schleudernde Waschmaschine und lass mich so richtig durchschütteln – oder ich springe in die Badewanne. Bis jetzt hatte ich immer Glück, sie war noch nie mit Wasser gefüllt. Abends kehrt dann langsam wieder Ruhe ein, und wenn alle in den Betten verschwunden sind, trete ich noch eine Weile auf meinem Frauchen und gehe dann selbst in mein Bettchen auf der Couch zum Schlafen.

Eines Tages war aber alles anders. Ich bekam plötzlich kein Abendessen mehr und am nächsten Morgen steckte mich Alexandra in meinen Kennel und erzählte mir, dass ich nun kastriert werde. Beim Tierarzt angekommen ging alles ganz schnell und ich habe wohl die ganze Zeit geschlafen, bis ich wieder abgeholt wurde. Die nächsten Stunden war ich sehr benommen und ich torkelte wie betrunken durch die Wohnung. Dafür wurde ich in dieser Zeit besonders verwöhnt und ganz viel gestreichelt. Sie erzählten mir auch, dass ich dafür bald eine Freundin bekommen sollte. So verging die Zeit, ich erholte mich schnell und schon stand der besagte Tag vor der Tür. Alle waren irgendwie ganz aufgeregt und auf der Couch stand nun noch ein zweites Kuschelbett. Was sollte das alles bedeuten? Mein Frauchen fuhr mit meinem leeren Kennel davon und kam erst ein paar Stunden später wieder zurück. Doch, was war das? In meinem Korb war nun ein freches Katzenmädchen, das kurze Zeit später auch schon die ganze Wohnung durchwanderte. Zuerst wusste ich gar nicht wie ich mich verhalten sollte, aber dann wurde ich immer wütender. Ich zeigte der kleinen (die von meiner Familie Gipsy genannt wurde) erst einmal wer der Boss hier im Hause ist. Ich habe sie mehrere Tage lang kreuz und quer durch die Wohnung gejagt. Das komische war nur, dass sie sich davon wenig beeindruckt zeigte und auch keine Anstalten machte, wieder dort hinzugehen wo sie hergekommen war. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben. Eigentlich ist das auch gar nicht so schlecht, einen Spielkameraden zu haben. Mit ihr kann ich den ganzen Tag (manchmal auch die ganze Nacht) durch die Wohnung fetzen. Sie ist ein ziemlicher Wirbelwind, und wenn Herrchen morgens um fünf aufsteht, veranstalten wir unsere Ringkämpfe und die Anschleich- und Anspringspiele auf unserem Frauchen im Bett. Wir verstehen gar nicht, warum sie das nicht genauso aufregend findet wie wir.

Jetzt ist Gipsy bereits einen Monat bei uns und keiner von uns könnte sie sich je wieder wegdenken. Mittlerweile haben wir uns so gut angefreundet, dass wir im gleichen Bett schlafen. Sie darf sogar aus meinem Napf fressen und mein Katzenklo benutzen. Da sagt Ihr nichts mehr, gell? Wenn wir dann doch irgendwann mal müde werden, benutzen wir uns gegenseitig als Kopfkissen. Ach, es ist herrlich eine kleine Halbschwester zu haben!

Bis zum nächsten Mal!

Euer Kimba
 

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