Türkisch Van Katzen und Ausstellungen

Von Marion Schacht
http://tuerkischvankatzen.npage.de

Vor rund 50 Jahren, als die ersten Türkisch Van Katzen nach England kamen und später auf das europäische Festland, galten sie – was Ausstellungen betrifft - schlichtweg als gemeingefährlich. Das hat ihnen einen schlechten Ruf eingebracht und erklärt zum Teil auch heute noch, warum sie nicht zuhauf gezüchtet werden und niemals in Mode gekommen sind. Das haben sie nicht verdient! Denn sie sind Zuhause zwar auch sehr temperamentvoll, aber auch super anhänglich gesprächig und lustig! Jedoch gibt es 2 Dinge, die sie hassen wie die schwarze Pest: Tierärzte und Ausstellungen.
 

Natürlich waren die ersten Exemplare wahre Wildkatzen – sie sind ja auch eine natürlich entstandene Rasse- und sie zu bändigen und zu zivilisieren erforderte echte Zivilcourage und Unmengen an Enthusiasmus. Nun nach Generationen der Weiterzucht, ist aus den Banditen und richterfressenden Monstern ein munteres Völkchen geworden, was zwar immer noch Ausstellungen  hasst, jedoch soweit zu händeln ist, dass man ohne ernstere Blessuren und gemeuchelte Richter eine Ausstellung überstehen kann.

 

Wir sind auf Grund dieser Erfahrungen unserer ersten Van Katzen keine rechten Ausstellungsfreaks mehr und beim Titel "Champion" hat sich unser Ehrgeiz meistens auch erschöpft. Die Karriere unseres Katers Atilla begann vor 10 Jahren und war sehr schnell, nämlich als er das 2. Mal disqualifiziert wurde, beendet. Bei diesen beiden Malen hat er getan, als wollte er den Richter fressen und der Richter hatte mehr Angst als Atilla oder umgekehrt. Das ist uns bis heute noch nicht richtig klar. Atilla hat mal die gesamte Ausstellungshalle zusammengebrüllt, als er geschnallt hatte, dass neben ihm ein potenter Kater platziert war, wobei der Andere dann in das Gebrüll mit einstimmte. Aussteller, Richter und Publikum haben Stühle erklommen, um sich das Spektakel nicht entgehen zu lassen. Das ist zum Glück schon lange her und wir haben dann dem Kater und uns diesen Stress für die Zukunft erspart. Auf gar keinen Fall jedoch sollten Richter Türkisch Van Katzen richten, die Angst vor ihnen haben und das ist auch heute noch oft der Fall. Liebe Richter: Van Katzen sind keine Steiff Tiere, die haben kein Etikett im Ohr!

 

Unsere Van Opa's und Oma's dürfen natürlich zu Hause bleiben, jedoch muss unsere neue Generation doch ab und zu mal auf Ausstellungen, da beißt die Maus keinen Faden ab und das läuft dergestalt ab:

 

Ein paar Wochen vorher

Huch, die Impfungen der Ausstellungskandidaten – oder besser Opfer – müssen ja noch aufgefrischt werden. Flugs wird der Tierarzt bestellt. Bei uns kommt der Tierarzt ins Haus zum Impfen, jaha. Denn fahre ich mit den Katzen in die Praxis (20 km entfernt) komme ich garantiert mit besch… Katzen dort an und schon oft musste ich die Vansen in der Praxis baden, weil der Tierarzt diese Stinkbolzen nicht mal mit der Kohlenzange anfassen konnte. Da bezahle ich doch lieber 5 Euros Wegegeld und mein Tierarzt kann Van Katzen ohne braune Glasur impfen und noch mal gucken, ob die auch sonst ok sind. So bekommen sie in einer lockeren Atmosphäre ihre Impfe reingejubelt. Wonach sie erstmal 2 Tage nicht mit mir sprechen.

 

Ein paar Tage vorher

Untersuche ich die Kandidaten immer wieder nach evtl. Flöhen. Hinter vorgehaltener Hand, sich vorsichtig umguckt: Pst, wir – nee die Katzen – hatten auch schon mal welche. Ich habe ja keine Lust beim Einlass abtreten zu dürfen und das Meldegeld ist dann auch futsch. Also drehe ich jedes Haar um und gucke in betreffende Ohren, wegen Milben etc. Meine Katzen wirken dann, nach wiederholter Observierung, schon etwas entnervt und gucken mich an, als ob ich nicht mehr alle Hühner auf dem Balkon habe. Nachdem ich sie dann prophylaktisch auch noch mit Frontline verarztet habe, ist ganz Schluss mit Lustig und ich ernte nur noch Todesverachtung. Gebadet werden sie nicht, denn das Fell fällt total zusammen, nach der Prozedur. Als ich diese Erfahrung gemacht hatte und mal – vor Jahren- eine ungebadete Van Katze ausstellte, landete sie auf dem Tisch eines französischem Richters,  der meinte: "Diese Madame würde nischt gebadet, warüm?" Ich erklärte ihm in Hochdeutsch warüm ich nun das Mädel nischt gebadet hatte.
 

Trotzdem bekommen die Vansen eine Abreibung in Form von Trockenshampoo und fragen sich dann zum wiederholten Male, ob ich irgendwie krank bin und nicht meine Wut am Teppich auslassen kann oder so, denn sie rennen schnurstracks ins Außengehege und wälzen sich im Dreck. Sie die letzten Tage nur drin lassen geht auch nicht, denn sie jaulen so laut, wenn die Klappe zum Auslauf zu ist, das halten dann Nerven aus Drahtseilen nicht mal aus.

 

Am Abend zuvor

Wird alles eingepackt (inklusive einer Familienpackung Küchenrollen, mehrere Flaschen Wasser und Handtücher. Warum? Siehe unten) und ich wasche den Auserkorenen noch mal die Füße, damit sie wenigstens weiße Sohlen haben. Was aber auch völliger Quatsch ist, siehe oben oder dem nachfolgenden Ablauf. Die sehen mich so komisch an, die ahnen und planen was!

 

Am Morgen

Muss man bei einer Wegstrecke, für die man ca. 2 Stunden braucht, etwa 3,5 Stunden einplanen, denn man kommt bestimmt nicht gradlinig auf die Ausstellung. Die Auserwählten sind verschwunden! Es ist verdächtig still im Haus. Sonst wird man morgens überschwänglich begrüßt, aber alle Katzen – selbst die, die nicht mit müssen- haben sich verkrümelt, weil sie sich mit den Opfern solidarisiert haben. Die Delinquenten selber sitzen im Rohr, welches das Außengehege mit dem Küchenfenster verbindet und lachen, ätsch, weil sie genau wissen, dass Dosis weder von hinten noch von vorne in das Rohr können. Man hat sich in unendliche Weiten gebeamt. Aus diesem schwarzen Loch sind sie mit nichts rauszulocken und es hilft nur eine Kanne Wasser und Jemand, der am anderen Ende des Rohres steht und Van Katzen, die plötzlich in Lichtgeschwindigkeit fliegen können, auffängt und unvermittelt in den Kennel verfrachtet.

 

Die Autofahrt

Ist besonders spannend. Man muss dann das Radio auf volle Lautstärke drehen, um das Gebrüll der Katzen zu toppen. Nach ca. 5 Minuten ist der ersten Van Katze schlecht und sie kotzt geräuschvoll in den Kennel. Also anhalten, das rückwärts Gegessene wegräumen, Katze/Kater säubern. Weiter. Nach weiteren 10 Minuten stinkt es verdächtig. Kater hat sein Fressen der letzten 3 Tage im Darm aufgespart und nun in den Kennel gesch… Anhalten, Kater raus, einer säubert den Kater notdürftig, der Andere spült das Kennel aus. Die erste Rolle ist verbraucht. Weitere 10 Minuten später. Katze hat nur gewartet, bis man mit Kater fertig ist und gedacht: Jetzt! Katze legt ihre gesamte Darmflora ins Kennel. Anhalten, zweite Rolle verbrauchen. Dann kann man damit rechnen, dass Kater und Katze keine inneren Reserven mehr haben und man doch irgendwie vor Einlassschluss an der Halle ankommt.

 

Der Einlass

Ist sehr pikant, weil Kater und Katze entsprechend deliziös riechen und man sie eigentlich nur noch an den Ohren anfassen kann. Es ist ebenso erstaunlich, wie ein 7 kg Kater in die hintersten Gefilde des Kennels abtauchen kann und sich so zusammenknüllt um plötzlich auf die Größe eines Meerschweinchens zu schrumpfen, dann aber ca. 3.50 m lang wird, wenn man ihn aus dem Kennel zieht. Nach überstandener Tierarztkontrolle, kringelt sich Kater/Katze wieder im äußersten Eck des Kennels zusammen. Der nächste Gang ist dann in die Toilette der Halle, wo die Majestäten erst mal ein erfrischendes Bad im Waschbecken des WC- Traktes genießen dürfen.

 

Während der Ausstellung, Teil 1

Nachdem man den Käfig eingerichtet hat und seine nassen Katzen in denselben entlassen, hat man erstmal verzweifelt damit zu tun die Herrschaften wieder trocken zu kriegen und das möglichst vor dem Richten. Zum Glück erkälten sich Van Katzen nicht so leicht, weil sie sehr robust sind und an kaltes Wasser gewöhnt. Mit einem Fön zu agieren, hieße ein Blutbad zu riskieren, also werden sie alle 5 Minuten gekämmt und die Schwänze trocken geschüttelt, denn Van Katzen putzen sich nicht trocken, die stört es nicht wenn sie nass sind. Perserleute schütteln die gesamte Katze, wir schütten nur die Schwänze (bei den Katzen). Nach dieser Prozedur haben uns unsere Lieblinge seit den letzten Wochen zum 100. Mal für verrückt erklärt. Irgendwie haben wir es aber immer geschafft sie bis zum Richten trocken zu kriegen. Sie weiterhin zu kämmen ist aber völlig sinnlos, weil sie über- und untereinander im Käfig liegen und nach kurzer Zeit schon wieder aussehen, als wären sie in einen Taifun gekommen.

 

Beim Richten

Der Gang zum Richtertisch kann zum Gang nach Canossa ausarten. Atilla's Ära ist vorbei, aber Ossi, Cici, Kaja und Co., sind zwar relativ ungefährlich, lassen sich aber nicht gerne herumschleppen und sie dekorativ auf dem Arm zu platzieren ist ein Ding der Unmöglichkeit. Diese Freunde kann man sich nur irgendwie unter den Arm klemmen, weil Vankatze plötzlich mutiert und 8 Beine kriegt und zappelt und sich wie eine Schlange um den Arm windet. Schweißgebadet kommt man dann erstmal im Richterbereich an und prickelnd wird es wenn man da erst mal warten muss, mit einer um einen herum rotierenden Katze/Kater. Hat man sie erstmal auf dem Tisch ist das Gröbste geschafft, es sei denn der Richter schlottert nicht vor Angst. Am Tisch muss man ca. 10 Arme haben, um die auf Flucht sinnenden Vansen auch dort zu halten. Haben sie erstmal kapiert, dass der Richter nett ist, sind sie auch nett und untersuchen alles, was Richter da so rumliegen hat. Eine meiner Mädchen hat mal Richters Kaffe geschlabbert, während dieser (er war ein Van Fan) angelegentlich mit mir geplauscht hat, anschließend hat sie in die Tasse genießt, das kam dann nicht mehr so gut.

 

Während der Ausstellung, Teil 2

Hat man sie endlich wieder im Käfig, geben sie sich lässig bis cool. Ossi wechselt ständig die Stellung. Liegt da wie eine ägyptische Sphynx oder auf dem Rücken, Beine in die Luft. Zwischendurch lässt er eine Pfote aus dem Käfig hängen und versucht sich die Besucher durch's Gitter zu ziehen.

 

Falls man nominiert wird

Meistens gibt es für die Vansen kein BIV (Best in Variety - Sieger der Rasse und Farbe), weil wir oft keine Konkurrenz haben. Doch dann ist manchmal ein Sonderpreis drin. Der Gang zur Bühne ist wie, siehe oben. An solchen Tagen sollte man sich echt einen Taucheranzug anziehen, wegen der Haare, die die Vansen plötzlich aus Wut wegschmeißen. Ich wundere mich immer warum wir nicht mit Nacktkatzen heimfahren, aber scheinbar wachsen den Türken die Haare in Sekundenschnelle wieder nach. Auf der Bühne bietet man dem werten Publikum ein besonderes Spektakel, nämlich eine gleichzeitig nach vorne, hinten, oben und unten strebende Vankatze, die man nur noch auf dem Boden absetzen kann, weil man von Natur aus nur 2 Arme hat. So hockt man nun mit dem "And the winner is" auf dem Boden der Bühne und freut sich, dass man mit fast 50 noch so gelenkig ist.
 

Durch diese schweißtreibenden Einlagen, sind wir meistens gar nicht mehr scharf auf das BIS (Best in Show - Sieger einer Haarlänge und Altersklasse aller Rassen) und das Stechen, denn dann steht man da vorne, neben vorbildlich präsentierten Maine-Coon und Norwegern, Birmas und, und etc. in einer Wolke stoßartig abgesonderter Haare und einem Kater, der um einen herumkreist wie ein Satellit.

 

Ausstellungen mit Babys

Das machen wir ganz besonders gerne! Schon die Anfahrt ist das Highlight schlechthin, denn man muss für die Anfahrt noch eine Stunde länger einplanen und Kücherollen für ein mittleres Millitärbatallion mitnehmen. Nun können wir ja schlecht bei 6 Babys, auch 6 Kennels einplanen, das sprengt schlicht unsere Kapazitäten, währe aber ratsam. Die Babys ziehen nämlich die gleiche Prozedur durch wie ihre Eltern, nur sechsfach! Erst wird geko.., dann wird gesch.. und dann latscht man gemeinschaftlich drin rum. Unterwegs kann man sie nur notdürftig säubern, denn es gibt Tankstellen, da haben wir schon Hausverbot. Wir haben zwar die Schweinerei im Klo wieder aufgeräumt, aber gestunken hat es da noch tagelang. Ist man dann endlich mit braunen Vankindern durch die Kontrolle und das Klo, setzt man gebadete Vanzwerge in den Käfig, geht sofort die Post ab.

Stellt man einen Van-Wurf aus, kann man sicher sein die größte Schlange an Besuchern vor dem Käfig zu haben. Bis auf die Zwischenfälle bei der Autofahrt, machen sich kleine Vansen gar nichts draus auf einer Ausstellung zu sein, besonders, wenn sie im 6er Pack auftreten. Jedoch sollte man mit einem Wurf nie alleine fahren, man braucht mindestens 5 Assistenten, besonders wenn es um´s Richten geht, geschweige denn, sie müssen auf die Bühne für BIS. Am Richtertisch ist es besonders turbulent, alle sechs streben in sechs Richtungen davon. Am Richter hoch, am Stuart lang, hinter, über und neben den Tisch. Nicht, weil sie Angst haben und weg wollen, nee, das ist alles wahnsinnig interessant. Die brauchen keinen Red Bull, denen wachsen dann auch so Flügel. Hut ab vor dem Richter, der bei so einer Bande dann noch durchsieht! Wir zählen sie dann immer durch, wenn wir sie wieder im Käfig haben.

Das beste Event ist aber, wenn sie auf die Bühne müssen! Sie sagen jetzt: So kleine Katzen muss man doch gebändigt kriegen! Na dann assistieren Sie mir beim nächsten Wurf! Jeder Mithelfer bewältigt höchstens 2 Babys! Die Knirpse mutieren sofort zu Schlangen ohne Angriffsfläche. Zappedillos per excellence, man hat sie am Kopf am Rücken und überall und sollte sich, wie die Göttin Kali, sechs Arme wachsen lassen, um das kleine Ameisenvolk im Griff zu haben. Jedenfalls haben wir und unsere Babys solch einen Tag immer heil überstanden.

 

Fazit

Sollten Sie Gewichtsprobleme haben, rate ich Ihnen dringend sich Van Katzen anzuschaffen und mit denen zur Ausstellung zu fahren, besonders effektiv mit Babys! Sie haben garantiert am Abend 2 kg abgenommen!

 

Dank

Ich möchte diese Verrückten nicht missen und liebe sie über alles. Mein besonderer Dank gilt meinen verstorbenen Mädchen Pamuk und Günes, die natürlich auch auf Ausstellungen waren und mit denen wir Ähnliches erlebt haben und durch Euch haben wir gelernt, wie man Euch Vans zu händeln und zu achten hat. Wir vermissen Euch so sehr!

 

Marion und Ralf, alle Schacht Kinder und Eure Katzen Kumpels
 

Vielen herzlichen Dank an Marion Schacht für diese Geschichte

 

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