Geschichten vom Leben mit Menschen
Van-tastische Weihnachtszeit von Mütze

(die Geschichte ist eigentlich schon von 2003, wir haben sie etwas aktualisiert)
Von Marion Schacht
http://tuerkischvankatzen.npage.de
Hallo Leute, ich mal wieder, Euer Mütze- Türkisch Van Kater a.D. Ich habe läuten gehört, dass bald wieder Weihnachten ist. Das ist nun schon mein 8. Weihnachten und ich erwarte es mit gemischten Gefühlen, meine Van-Kumpels auch.. Das erste Mal erleben das Fest hier in good old Germany Berfu und Rüstem („Rüsche“ gerufen), die im Juli 06 und November 06 bei uns eingezogen sind. Das sind 2 Van Kumpels (eigentlich ein Kumpel und eine Kumpeline), denen jegliche Farbe völlig abgeht, die sind nämlich ganz weiß. Wie sie das hingekriegt haben, weiß ich nicht. Man muss immer aufpassen, dass man sich nicht die Augen verblitzt, so weiß sind die. Meine Menschen sagen, die haben original türkisches Blut. So sind wir sozusagen eine Multikulti-Truppe mit den 2 Texanern. Die werden sich aber wundern, denn hier kommt der Weihnachtsmann schon am 24. Dezember, obwohl, eigentlich auch nicht, denn die Kinder sind groß und der Weihnachtsmann kommt sozusagen nur noch symbolisch. In den USA jedoch kommt er in der Nacht vom 24. zum 25.12. durch den Schornstein. Eigentlich gehört er dafür in den Knast, denn das ist Hausfriedensbruch!

Von besinnlicher Adventszeit und Festtagen kann nämlich in unserer Familie überhaupt keine Rede sein. Schon wochenlang vorher rennen Marion und Ralf herum wie die aufgescheuchten Hühner oder diskutieren, was und wie viel Geschenke sie den Kindern kaufen. Haben sie dann endlich was erstanden, wird es an apokalyptischen Stellen versteckt. Mich hat schon immer gewundert, dass sie die nicht im Garten vergraben. Eine bessere Idee wäre es die Geschenke bei uns im Außengehege zu verstecken, dann hätten wir was zum Aufreißen und Atilla hätte mehr Möglichkeiten zum Reinpinkeln. Die Geschenke bekämen dann einen so tollen vorweihnachtlichen Duft! War ja bloß `ne Idee…

Im Dezember veranstaltet meine Familie mit Freunden traditionell eine Feuerzangenbowle und Marion kauft lauter leckere Sachen und kocht wie eine Schwachsinnige. Doch vorher schrubben Marion und Ralf das Haus, damit niemand riecht, dass der Adventsduft von Atilla stammt. Folgende ekelhafte Putzmittel kommen zum Einsatz: Methylanalindyamit, Wasserstoffsuperoxidformalin und Lavendelnitroglycerin. Wir Katzen kriegen dann jedes Mal Gasmasken auf. Diesmal wollen wir aber streiken und gemeinschaftlich darüber markieren, damit unsere Leute das Haus endlich mal mit Baldrian putzen. Dann hätten wir auch was davon. Dafür klauen unsere Meisterdiebe Ossi und Rose oft was von dem köstlichen Fleisch, was Marion für diese Feuerzangenbowle-Fete anschleppt. Marion schneidet immer die vorgekauten Stellen des Bratenfleisches ab und flucht ganz unweihnachtlich.

Zu dieser Fete und in der Advents- und Weihnachtszeit zündet Marion im ganzen Haus solche Duftkerzen an. In jedem Zimmer riecht es anders und wir Katzen müssen ständig die Gefühle wechseln und kommen von einem Trip in den anderen. Warum kommen die Hersteller nie auf die Idee und bringen Duftkerzen mit Fischgeruch auf den Markt? Im Schlafzimmer riecht´s dann nach Sardinien, im Wohnzimmer nach Hering… Wäre das schööön!

Zurück zur Fackelbowle. Jedenfalls futtern die Menschen dann, als wenn sie 3 Wochen nichts bekommen hätten und wenn sie damit fertig sind, zünden sie ein Feuer über so einer großen Glasschüssel an, in der so eine rote Brühe schwimmt. Vorher gibt es dann oft eine Diskussion über das Feuer. Martina möchte was anbrennen, aber nicht so schnell und Ralf will auch was anbrennen lassen, aber schnell und dann stinkt es schrecklich nach Alkohol. Eine flambierte Fischsuppe ist es jedenfalls nicht. Wenn wir am Abend überstanden haben und aufgeräumt haben, geht es mit der Adventszeit weiter.


Marion sagt immer, dass sie leidenschaftlich gerne kocht, aber sie bäckt nur aus Notwehr. Die Notwehr sieht so aus, dass sie Plätzchen bäckt, damit die Kinder auch ihren Spaß haben, weil sie helfen dürfen, ob sie wollen oder nicht und wir Katzen haben auch unseren Spaß, denn wir lieben es, vom Küchenschrank auf den eingemehlten Tisch zu springen. Wenn das Mehl sich dann verzogen hat, sind die Menschen seltsam weiß im Gesicht und man sieht nur noch Augen, Spaß muss sein, sagte der Spatz und flog in den Ventilator! Einmal hat Marion vor Wut 20 kg Kekse gebacken und sie in diversen Blechdosen verstaut. Ostern waren sie so richtig weich.

In der Adventszeit vor ein paar Jahren war es auch, dass Marion Atilla auf Anraten der Tierärztin eine Phosphor-Tabletten-Kur verabreichte. Das sollte bewirken, dass Atilla das Markieren einschränkt und nicht mehr stinkt. Es hatte aber eine ganz andere Wirkung. Atilla leuchtet beim Pinkeln und wir Van`s sangen im Chor: „ Advent, Advent ein Lichtlein brennt…“, ob er dabei gestunken hat, weiß man nicht mehr. Jedenfalls haben wir dann den Tierarzt gewechselt.

So echt spannend wird es aber erst zwei Tage vor Heilig Abend, die für das Einkaufen zuständig ist, weil Ralf arbeitet - damit er einen Haufen unbezahlte Überstunden machen kann - bringt bergeweise leckeres Futter an. Gans, Enten, Kaninchen, Hackfleisch, Steaks etc.. Soviel Cholesterinbomben essen meine Menschen das ganze Jahr nicht. Vor ein paar Jahren hat Günes die Verpackung von einer gefrorenen Gans aufgerissen und daran geleckt und ist mit der Zunge hängen geblieben. Sie musste dann von der Gans abgetaut werden. Das hat man nun davon, wenn man prüft, ob es wirklich eine freilaufende, glückliche Gans war.
Seitdem kauft Marion nur noch frische Gänse vom Bauern und versteckt sie bis zum 24.12. im Keller.

Jedes Jahr vor dem 24.12. jammert Marion, dass sie unbedingt noch zum Friseur muss, weil sie immer bis zum 15.12. arbeitet und es vorher nicht schafft, vom 16.-31.12. hat sie dann frei, ist aber auch nie zu Hause. Ich frage mich, was sie da will. Vielleicht gibt es dort das Krippenspiel: Waschen, schneiden, kreuzigen?


Am 24.12. morgens geht es dann richtig los. Marion wirbelt in der Küche wie eine Irre, aber sie sagt, Kochen ist keine Belastung sondern Spaß, sie brät die Gans an, macht Kartoffelsalat und andere, leckere Fresserchen und ganz nebenbei fallen für uns Katzen tolle Häppchen ab. Und während Marion ihren Spaß hat, schuftet Ralf mit den Kindern im Wohnzimmer, denn Sie putzen den Baum an und Ralf trinkt dabei Bier, was besonders anstrengend ist. (Was für ein Baum ins Haus kommt entscheidet Marion ca. 5 Tage vorher: „Diesmal eine Nordmann Tanne, 2,50 m hoch, diesmal eine Kiefer, die nadelt nicht so…“)

Als ich noch klein war, hatten wir den schrecklichsten Baum der Weltgeschichte. Es war nicht so sehr der Baum, sondern dessen Dekoration. Er war von oben bis unten Lila! Nachdem wir Katzen uns von dem optischen Desaster erholt und unsere Sehstörungen nachgelassen hatten, beschlossen wir am 25.12. nachts, den Baum zu fällen. Marion und Ralf - aus dem Schlaf gerissen - versuchten zu retten, was zu retten war, aber es war nichts mehr zu retten! Das Jahr darauf kauften Marion und Ralf unkaputtbare Kugeln (Was ist das überhaupt für ein bescheuertes Wort: Unkaputtbar?) im Wert von 300,- DM, typischer Fall von Größenwahn.
Jedenfalls lässt es sich mit den Kugeln wunderbar Baseball spielen!


Aber zurück zum 24. Dezember. Wenn es dann dunkel draußen ist, wird es unheimlich. Früher kam dann immer ein Mann, den sie Weihnachtsmann nennen, aber es war nicht der Weihnachtsmann, sondern unser Freund Thomas, wir Katzen haben ihn immer an der Stimme und am Geruch erkannt und uns gekringelt wie er aussah. Was wir überhaupt nicht verstanden, war, dass er plötzlich so entartet war, denn er hatte vorher immer ganz gut ausgesehen. Er hatte eklige, weiße Haare im Gesicht und war ganz in Rot gekleidet. Aber vielleicht war das eine Art Mimikri und er musste sich vor Irgendwas tarnen? Das war nicht Santa Claus, das war Santa Thomas. Ein paar Tage später sahen wir ihn wieder und da sah er aus wie vorher. Das war dasselbe, als wenn ich mich plötzlich in einen Perserkater verwandeln würde und 2 Tage später wieder zurück. Cool was? Seit 2002 kommt kein Weihnachtsmann mehr, wie schade, wir Katzen haben uns immer schlapp gelacht.. Ralf sagte, weil die Kinder größer sind und den Glauben verloren haben. Warum fragt uns Van´s keiner? Wir hätten den Glauben gerne gesucht. Alexander, der erwachsende Sohn darf die Geschenke unter den Weihnachtsbaum klatschen, weil er erst recht an nichts mehr glaubt und Marion und Ralf gehen mit den Kindern spazieren. Wenn sie zurück sind werden sie den Kindern irgend einen Bären aufbinden, hoffentlich ist es kein Grizzly!

Das Schönste an Weihnachten ist aber, dass die Kinder nur Geschenke kriegen und wir Katzen kriegen die Verpackung, ein Haufen Raschelpapier und Schleifen. Das dürfen wir dann so richtig klein fetzen!

Pünktlich nach der Wintersonnenwende mutieren meine Kumpelinen zu Christmas Singers und johlen die schönsten Weihnachtslieder, u.a.:“ Ihr Kinderlein kommet…“. Mich interessiert das nicht besonders, denn meine Glocken haben sie mir schon vor vielen Jahren abgeschnitten, aber Marion kreischt dann immer und sucht die Pille, die sie den diversen Mädels dann eintrichtert, damit es unterm Weihnachtsbaum keine Katzenorgien gibt.

So Leute, ich bin schon gespannt, was dieses Jahr auf uns zukommt, weihnachtsmäßig. Ich lasse es Euch wissen.

Bis dahin Halleluja
Euer Mütze (eigentlich Oglan van Kedi von Alexis)

Vielen herzlichen Dank an Marion Schacht für diese Geschichte

 

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