Miezka und ihre Geschichten

Miezka
Lakaien, Butler und sonstige
dienstbaren Geister sind in unserer Gesellschaft denen vorbehalten, welche die
notwendige finanzielle Ausstattung dazu haben. Es gibt aber einen Personenkreis
der dies völlig selbstverständlich und ohne dass ihm Kosten entstehen, in
Anspruch nimmt. Dieser Personenkreis residiert beileibe nicht in den Chefetagen
der Konzerne, sondern schleicht auf vier Pfoten durch Wohnungen und Gärten.
Eigentlich wollte ich keine Katze, dass heißt, eigentlich wollte ich schon, aber
ich war damals ziemlich viel unterwegs und da wäre es für so ein Tier nicht gut,
Tage oder gar Wochen alleine zu verbringen.
Nach 6 anstrengenden Arbeitswochen gedachten meine damalige Freundin und ich, doch mal auszuspannen. Wir einigten uns auf Kreta, denn dort ist es auch im Oktober noch einigermaßen warm. Die Auswahl fiel uns leicht, denn es war das einzige Reiseziel, das noch kurzfristig frei war. Schön war es dort! Die malerischen Müllberge am Straßenrand gaben der Insel ein besonderes Flair. Und teuer war es auch nicht, z. B. konnten wir Sonnenöl sparen, wir brauchten nur kurz ins Meer und waren total eingeölt. Auch Morgengymnastik war angesagt, in weiser Voraussicht war das Hotel so gebaut, dass man zum Frühstück 200 Meter ins nächste Hotel laufen musste. Das war ein Fußweg mit nett arrangierten Erdhaufen und herrlich wildem Gestrüpp an der Seite. Und genau an diesem Fußweg ereilte uns das Schicksal.
In der Mitte des Fußweges versammelte sich jeden Morgen ein Rudel wilder Katzen. Die bekamen von den Touristen, die vom Frühstück zurückkamen, immer ein Stück Wurst. Da wir auch zu der Spezies Tourist gehörten, folgten wir ebenso diesem wahrscheinlich seit Jahrtausenden eingebürgertem Ritual. Nett anzusehen, wie die Katzen um die Wurst bettelten und sich auch manchmal darum balgten. Nach einigen Tagen fiel mir aber auf, dass ein kleines rot-weis getigerte Kätzchen nie etwas von der Wurst abbekam. Offensichtlich schmeckte den anderen Katzen die Wurst so gut, dass sie sich sogar dazu herabließen, das kleine Kätzchen mit einem Pfotenhieb zu vertreiben.
Nun bin ich ja für eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen, daher habe ich bei so einem morgendlichen Fütterungsritual gezielt die anderen Katzen vertrieben und dem kleinen Kätzchen ein Stück Wurst gegeben. Die Folgen waren ungeahnt, kaum war das Wurststück verschlungen, schaute sie mich mit bettelndem Blick an. "Aber Kätzchen, ich hab nichts mehr für dich."
Also machen wir uns auf den Weg ins Appartement, da streicht etwas um meine Beine. Es ist Kätzchen! Kätzchen lässt sich nicht abschütteln und folgt uns beharrlich. "Naja, morgen bekommt sie wieder was." Kätzchen folgt uns bis zur Appartementtür. Reinlassen wollen wir sie nicht, wir haben damit gerechnet, dass sie schon von alleine wieder zurückgeht. Womit wir nicht gerechnet haben, war die perfide Strategie felider Intelligenz.
Katzen können stundenlang völlig still vor einem Mauseloch sitzen und warten bis die Maus herauskommt. Aber wohl wissend, dass unser Appartement kein Mauseloch und wir keine Mäuse waren, entfiel der Begriff *still* und der Begriff *stundenlang* wurde dafür doppelt verwendet. Am Anfang fiel es uns nicht gerade auf, Da war nur ein leises Fiepen auf dem Flur. Aber es hörte nicht auf! Es hörte einfach nicht auf! Sie wollte uns wohl weich kochen wie einen Kohlrabi im Dampfkochtopf. Da wir nicht die Konsistenz von Kohlrabi haben, waren wir ziemlich schnell weich gekocht.
"Also gut Kätzchen, du darfst mal kurz rein." Kaum war die Tür auch nur einen Spalt offen, war sie schneller drin, als ein Politiker seine Meinung wechselt. Da wurde zuerst einmal alles untersucht und begutachtet. Aber trotz offener Tür macht Kätzchen keine Anstalten, die Räumlichkeiten wieder zu verlassen. Und nun?
Wir beschlossen also, im Supermarkt etwas Katzenfutter käuflich zu erweben, aber Katzenfutter in einem Supermarkt auf Kreta? Gibt’s nicht! Nun gut, bekommt sie eben Thunfisch, schließlich lebt sie ja am Meer. Und so wie’s aussah, schmeckte ihr das auch exzellent.
Nun wollten wir an den Strand, also Sachen zusammengepackt und los. Kätzchen wird vor die Tür gesetzt, sie kennt ja den Weg! Kätzchen bleibt aber vor der Tür sitzen, schaut uns an und fängt wieder zu maunzen an. Jetzt ist Kriegsrat fällig! Nach Abwägung aller Fakten fällen wir ein salomonisches Urteil, Kätzchen darf dableiben, solange wir da sind und wenn der Urlaub zu Ende ist muss sie wieder zum Rudel zurück. Auch das Problem mit dem Katzenklo haben wir mit Hilfe einer Plastiktüte und Sand vom Strand gelöst. Kätzchen hat das gleich akzeptiert, wahrscheinlich war sie bisher nicht sehr verwöhnt.
Vom Strand zurück, finden wir Kätzchen schlafend mitten im Bett. Nun gut, das Bett ist breit genug - dachten wir! Unglaublich wie groß so eine Katze in der Nacht werden kann. Auf jeden Fall lagen wir zusammengekuschelt an der Bettkante, während Kätzchen den Rest des Bettes mit Beschlag belegte. Zumindest einige Zeit, denn irgendwann in der Nacht tapste irgend etwas über mein Gesicht und etwas fellartiges legte sich direkt darauf.
Dann spürte ich das treten kleiner Pfoten, an Schlaf war nicht mehr zu denken. Jetzt hatte Kätzchen Janette mit der gleichen Tour in der Mache. Den Rest der Nacht verbrachten wir damit, mit der Kleinen zu spielen, erst gegen Morgen schlief sie ein. So vergingen die Tage. Während wir tagsüber am Strand oder in der Umgebung unterwegs waren, schlief Kätzchen im Appartement.
Das alles ereignete sich
im Oktober 2006 und das war die Zeit, in der dieser Orkan über Kreta kam. Der
Urlaub ging zu Ende und das Wetter wurde schlecht. Eigentlich hatten wir
beschlossen die Kleine wieder ins Rudel zurückzubringen, aber angesichts des
beginnenden Orkanes und vor allem weil wir uns an die Kleine gewöhnt hatten,
brachten wir das nicht übers Herz. Also noch ein Kriegsrat! Ausgiebigen
Kriegsrat! Also lautet ein Beschluss, dass die Katze mit uns muss! Aber wie? Wir
sind mit dem Flieger hier, Transportbox gibt’s hier nicht. Janette hat also die
Kleine unter ihre Jacke genommen. Auf der Fahrt zum Flughafen war sie ganz still
und hat keinen einzigen Maunzer von sich gegeben, so als wüsste sie, dass das
Probleme geben könnte. Das Problem kam
dann
auch, am Flughafen. Es kam in Gestalt eines überzeugten Bürokraten beim
einchecken. "No animals!" "Why?
It's mine!" "No!" "Why" "No possible!" Natürlich ging der Disput länger
aber ich will ihn nicht komplett wiedergeben.
Stossgebet an den Heiligen St. Bürokratius. Durch meinen Kopf gingen durchaus sympathische Bilder von geladenen und entsicherten Kalaschnikows. Janette schlägt flüsternd vor, die Kleine unter der Jacke an Bord zu schmuggeln, aber der Typ riecht den Braten. Ein weiterer Kriegsrat zeitigt keine greifbare Ergebnisse und so sitzen wir in strömendem Regen vor der Empfangshalle. Ich kann die Kleine nicht einfach aussetzen, die überlebt den Orkan nicht und ich will sie auch nicht aussetzen. Jetzt beginnen die Tränen zu rollen, bei uns beiden, die Stimmung ist auf dem absoluten Tiefpunkt.
Da erscheint wie eine Lichtgestalt die Rettung, sie erscheint in Gestalt der Reiseleiterin, sie merkt sofort, dass was nicht stimmt und fragt nach. Janette öffnet nur die Jacke und zeigt die Kleine. "Oh Gott!" ist die einzige Bemerkung der Reiseleiterin. Aber sie weis Rat, sie kennt einen Engländer, der für den Tierschutzverein Kreta arbeitet und der ist am Flughafen. Er erklärt uns, dass die Kleine geimpft, entwurmt, gechipt und einige Wochen in Quarantäne müsse. Hah, einige Wochen in Quarantäne, der Flieger wartet, es ist der letzte Flug, dann wird wegen des Orkans der Flugbetrieb eingestellt. Weiß der Ignorant, von was er redet? Wären wir doch mit dem Schlauchboot nach Kreta gepaddelt, dann gäbe es dieses ganze Theater nicht. Geduldig erklärte uns die Reiseleiterin, dass es so genannte Flugpaten gäbe, welche die Kleine in einigen Wochen nach Old Germany brächten. Wir müssten nur vorher von Deutschland aus die entstandenen Kosten begleichen.
Ein weiterer Kriegsrat entfiel, denn eine andere Wahl hatten wir nicht. Also haben wir schweren Herzens die Kleine dem Engländer übergeben und dann noch Adresse, Telefon und Email hinterlassen. Auf die Frage nach dem Namen hatten wir keine Antwort, denn Kätzchen, war für uns immer nur die Kleine.
Der Rückflug war entsprechend schweigsam. Die kommenden 3 Wochen waren irgendwie seltsam. Kätzchen fehlte uns! Ich habe mehrmals am Tag nach Emails geschaut, wir wurden immer nervöser, aber dann kam eine Mail. Wir sollten einen Betrag an das deutsche Konto des Tierschutzvereins überweisen für Unterbringung und Tierarztkosten.
Endlich ging es weiter. Es vergingen dann noch 4 Tage, dann kam eine SMS *Frankfurt 12:45 Uhr Ankunft aus Heraklion nach Frau Mutter Ausschau halten.* Mutter? Ach so, das ist der Name der Flugpatin. Janette hatte an diesem Tag eine Buchung und konnte nicht mit, noch nie bin ich so aufgeregt Auto gefahren. Natürlich hatten wir schon Tage vorher Transportbox, Katzenklo und alles was man braucht, besorgt.
Am Flughafen war ich schon 2
Stunden vorher, aber man glaubt gar nicht, wie lange 2 Stunden sein können. Und
wenn die jetzt das Kätzchen nicht dabei haben? Wenn irgend etwas schief gelaufen
ist? Ankunft Flug sowieso, Ankunft Flug irgendwoher, keine Ankunft Heraklion -
die Zeit kriecht! Vielleicht steh ich auch am falschen Ausgang. In Frankfurt bin
ich, da bin ich mir sicher. Endlich klappern an der Anzeigetafel, Ankunft
Heraklion 13:20 Uhr.
Tropf, Tropf.
Es geht die Zeit im Sauseschritt,
nur hier geht sie nicht mit!
Tropf, tropf.
Die Sekundenzeiger müssen defekt sein, so langsam wie die schleichen. Plötzlich
klapper, klapper: Flug Nummer wasweisich aus Heraklion ist gelandet! Warum
dauert das auschecken so lange? Dann kommen Leute und Leute und Leute..... Mit
Gepäck und Koffern. Und noch mehr Leute, aber niemand mit einer
Soft-Transportbox. Ich stehe direkt am Ausgang, kann also niemand übersehen.
Da kommt eine Familie mittleren Alters, die Frau blickt suchen in die Runde. Ich
habe sie angesprochen und tatsächlich, es war Frau Mutter. Die Übergabe geht
relativ schnell, die Familie muss noch weiter, bis sie nach Hause kommen.
Kätzchen ist in der Soft-Transportbox, die Papiere in der Seitentasche, sie ist etwas benommen, vor dem Flug hat sie noch ein Beruhigungsmittel bekommen. Natürlich ist’s bis zum Auto ein Stück zu laufen aber im Auto bekommt sie erst mal eine Dose Thunfisch, sozusagen als Einstand. Dann kommt Kätzchen in die große Transportbox, und los geht’s.
Nach Hause sind’s 2 1/2 Stunden, wenn’s gut läuft und es läuft nicht gut. Stau am Weinsberger Kreuz und vor Heilbronn ist Baustelle und die Wirkung des Beruhigungsmittels lässt nach - Kätzchen will jetzt raus! Hilft nichts, da muss sie jetzt durch. Endlich zu Hause, nach 4 1/2 Stunden, aber Janette ist noch nicht da. Die Kleine muss jetzt ihr neues Zuhause inspizieren, sehr, sehr ausgiebig. Dann endlich kommt Janette - ist das eine Wiedersehensfeier!
"Ja, welchen Namen geben wir ihr
denn?" In den Katzenpass hab ich noch nicht geschaut. Ich glaub, mein Kleinhirn
wandert aus! Irgend jemand ist wohl auf die einfallsreiche Idee gekommen, sie
Paula zu nennen. "Ist das ein Katzenname?" Na ja, eingetragen ist eingetragen
und wir müssen sie ja nicht so rufen. Wir entscheiden uns dann auch nicht sehr
fantasievoll für Miezka.
So, jetzt war Miezka bei uns. Gibt es ein besseres Leben? Keinen Kampf ums
Futter, immer trocken und warm und immer Personal da. Ich werde nach Kreta
auswandern und mich dort als Katze verdingen. Personal das mich nach Deutschland
bringt, finde ich dort sicher.
Samtpfoten sind schon eine
handliche Spezies. Man braucht sie nicht Gassi führen und auch sonst sind sie
meistens lieb und friedlich, ausgenommen, sie begehren etwas unbedingt.
Und genau da taucht das Problem auf, das dem jeweiligen Dosi den Verstand raubt
und ihn zum sabbernden Idioten werden lässt. Es hat mit biologischen
Bedürfnissen zu tun!
Zugegebenermaßen hatten wir nicht viel Ahnung von Stubentigern, als Miezka bei uns einzog, damals war sie etwa 4 Monate alt und ein so liebes Kätzchen. Bis auf die Tatsache, dass sie uns jede Nacht um 3 Uhr weckte, mit der unbedingten Aufforderung zum spielen. Aber was soll’s, dann spielen ihre Sklaven eben mit ihr.
So weit so eingelebt. Bis zu jenem Tag im Februar, als sie ein merkwürdiges Verhalten an den Tag zu legen begann. Zuerst glaubten wir, sie hätte etwas schlechtes gegessen und daher Bauchweh. Sie wälzte sich auf dem Boden, wie wir es nie machen würden und die Geräusche, die sie dabei von sich gab, erinnerten an eine niedrig tourig laufende Schlagbohrmaschine. Es kann auch eine nicht geölte, quietschende Schlagbohrmaschine gewesen sein, in dieser Hinsicht hat mein Gedächtnis einen traumatischen Schock erlitten. Die spektrale Breite ihrer akustischen Äußerungen deckte so ziemlich alles ab, was es auf der Welt an Geräuschen gibt.
Nach eingehender Beratung
beschlossen wir, am nächsten Tag den Tierarzt unseres Vertrauens aufzusuchen.
Aber soweit kam es nicht. Denn Miezka in ihrem fürchterlichen Zustand, robbte
uns, an den Boden gedrückt und laut maunzend, überall hin nach.Und dann wurde
die Situation sehr eindeutig, mitten im Wohnzimmer stellt sie das Hinterteil
hoch, Schwanz zur Seite und mit einem sehnsuchtsvollen Blick gemaunzt.
Blitzartig traf uns die Erkenntnis! Miezka wollte einen Kater!
Wir waren eigentlich in vielen Belangen immer sehr aufgeschlossen - dachten wir. Da lag sie also, ein Bündel voller Wollust, bereit, jeden dahergelaufenen Kater an sich heran zulassen, ohne Rücksicht auf unsere empfindsamen Seelen. Schamloses Weib! Was würde die Nachbarschaft von uns denken, wenn wir auf die selbe Art.... Wir hätten wohl sehr schnell Besuch von ein paar uniformierten Herren bekommen.
Da wir aber keinerlei Ambitionen hatten, es ihr gleichzutun, bekamen wir keine Besuch von den oben genannten Herren, aber anderen ungebetenen Besuch. Denn anscheinend hatte sich Miezkas Zustand herumgesprochen. Zumindest bei den Katern der Nachbarschaft. Miezkas Rufen bedeutete wohl übersetzt: „Kommet zuhauf!“ und sie kamen zuhauf. Haben wir hier ein Stundenhotel für liebestolle Kater? Nun können Katzen ja sehr leise sein, aber die zugewanderten Kater hatten wahrscheinlich noch nie etwas davon gehört. Sie ignorierten diese Aussage mit sturem und vor allem lautstarkem Durchhaltewillen.
Wer je so ein Konzert gehört hat, wird verstehen, dass wir nach einiger Zeit mit den Nerven ziemlich am Ende waren. An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken, erst gegen Morgen löste sich die Invasion auf. Den Gipfel setzte dann die Witwe, die über uns wohnte, auf, als sie uns fragte, ob wir wegen des kranken Kindes nicht lieber den Notarzt hätten rufen sollen, es hätte doch die ganze Nacht geschrieen. Ich muss ziemlich dümmlich aus der Wäsche geschaut haben, denn ich wusste erst nicht, von was sie redet. Ob meine flügellahmen Erklärungsversuche auf fruchtbaren Boden gefallen sind, weiß ich nicht.
Miezka jedenfalls lies sich nicht von ihrer Wollust ablenken und war weiterhin auf direkte Anmache programmiert. Die folgenden Tage und Nächte waren furchtbar. Wir liefen nur noch total übernächtigt, mit blutunterlaufen Augen und als nervliche Wracks durch die Gegend. Aber nach einiger Zeit hatten wir uns mit Miezkas Zustand und den nächtlichen Konzerten arrangiert. Es mag eine knappe Woche vergangen sein, als Miezka von einer Stunde auf die andere aufhörte, sich wie ein Straßenmädchen anzubiedern.
Stille kehrte ein. In der Wohnung und im Garten. Mörderische Stille. Das war doch nicht normal. War Miezka etwa krank? Miezka, bitte maunze und biete dich an! Sonst sind wir endgültig in der Gummizelle.
Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Im Krieg mehr als in der Liebe. Wenn die Jagd einmal angeblasen ist gibt es kein Halten mehr. Wirklich keines. Ohne Rücksicht auf Verluste!
An warmen Sommertagen habe ich die Terrassentür offen. Damals war ich noch mit Janette zusammen und wir wohnten ebenerdig mit einem Gartenanteil. Miezka lümmelt sich unter einem Busch vor der Türe, die Sonne scheint und die Vöglein singen. Eines dieser besagten Vöglein scheint jedoch gewisse Orientierungsschwierigkeiten zu haben. Wie dem auch sei, jedenfalls umschwirrte es den Busch unter dem sich Miezka niedergelassen hatte. Die, von dem fliegenden Objekt aufgestört, macht Anstalten, es zu fangen, welche natürlich angesichts der Flugkünsten des Vogels kläglich scheitern. Das gefiederte Untier ergreift die Flucht, nur leider in die falsche Richtung.
Ehe man piep sagen kann, ist das Vogeltier im Wohnzimmer und Miezka hinterher. Der Vogel hat sich auf dem Schrank niedergelassen von wo aus er die prekäre Situation begutachtet. Miezka, als gelerntes Raubtier, hechtet ihm nach. In einem Sprung ist das nicht zu schaffen, daher wird der Umweg über den Esstisch und das Sideboard genommen. Völlig unerheblich, dass dabei diverse Gegenstände auf dem Tisch aus dem Gleichgewicht kommen. Noch ist nichts zu Bruch gegangen!
Der Vogel sitzt immer noch auf
dem Schrank, äugt misstrauisch herunter und beginnt mit Startvorbereitungen.
Jetzt will ich aber Miezka einfangen, bevor noch ein Unglück passiert, denn in
deren Augen funkelt bereits pure Mordgier. Sie will sich nur nicht fangen
lassen,
sondern
wagt sich mit einem Satz auf das Sideboard und springt dann sofort in Richtung
Schrank. Die Blumenvase zerschellt am Boden, ebenso zwei Bilder. Scherben sollen
ja Glück bringen, sagt man.
Bevor Miezka jedoch den Schrank erreicht hat, ist der Vogel in Richtung Fenster geflohen. Es stört ihn nicht, dass dieses geschlossen und eine Gardine davor ist. Viel Intelligenz scheint er nicht zu haben, da ja die Terrassentür immer noch offen ist. Jetzt hat sich der Gefiederte in der Gardine verheddert. Bevor ich ihm zu Hilfe kommen kann, ist Miezka vom Schrank runter und hängt nach einem rekordverdächtigen Sprint ebenfalls in der Gardine. Nur ist sie kein kraftloses Flattertier und außerdem sind Feliden mit scharfen Krallen bewehrt, es können auch Rasierklingen sein, da bin ich mir nicht so sicher. Der Kampf zwischen Krallen und Gardine geht jedenfalls zu Ungunsten der Gardine aus.
Janette, durch den Krach bei ihrer Lieblingslektüre gestört, kommt vom Garten herein und kann erst mal mit der Situation nichts anfangen. Sie ist entsetzt. "Nimm sie sofort vom Vorhang!" Sie meint Miezka, nur hat eben diese Miezka den festen Willen, das fliegende Häppchen zu erwischen und wehrt sich vehement, was der Gardine einige weitere Designeraccessoires beschert. Aber wir wollten sowieso neue Putzlappen beschaffen.
Endlich hab ich das gierige Fellbündel aus dem Vorhang geholt, deren Blick ist immer noch erwartungsvoll auf den Vogel gerichtet. Den hat Janette anschließend aus seinem textilen Gefängnis befreit. Die Gardine hat nicht mehr viel Ähnlichkeit mit einer solchen.
Während Janette auf die Terrasse
geht, schleicht Miezka mit heimtückischem Blick um sie herum. Auf der Terrasse
lässt Janette den Vogel fliegen. Miezka schaut ihm noch lange nach, sieht ihn
den Himmel erklimmen, bis die Konturen nach und nach ganz im Azurblau
verschwimmen.
Ihre Augen haben schon jenen dunklen Punkt verloren.
Sein Piepsen klingt noch monoton tief in ihren Ohren.
Leis durchstreift der Wind die Bäume...
In den Gipfel weit dort oben...
Miezka hat jetzt Vogelträume...
Sie wär’ gern nach geflogen.
Der Mensch, so behaupten viele,
sei das intelligenteste Wesen auf diesem unserem Planeten. Was Habgier, Mordlust
und Intrige betrifft, so stimme ich dieser Aussage durchaus zu.
Sollte es sich aber um die profane Befriedigung persönlicher Genüsse drehen, so
steht ein anderer Bewohner dieser Welt ihm auf jeden Fall in nichts nach.
Dessen Objekt der Begierde befindet sich in der Regel im Kühlschrank
Ich koche gern, nicht dass ich ein Starkoch wäre, aber etwas schmackhaftes bekomme ich immer öfter hin und manchmal ergibt es sich, dass ich auch für Freunde koche. So auch diesmal.
Ich war zu Besuch bei Katharina und hatte ihr versprochen, ein Menü zuzubereiten und natürlich habe ich Miezka mitgebracht. Erst mal misstrauisch, hat sie sich unter der Couch verkrochen, während ich in der Küche zugange bin. Heute gibt es Schnitzel süss-sauer. Es sind diese Minutenschnitzel, die von Minigrösse beim Braten unweigerlich auf ein mikroskopisches Format schrumpfen.
Die Kartoffeln kochen schon und der Salat ist auch schon geputzt. Die Schnitzel liegen auf der Arbeitsplatte und ich bin gerade dabei, die Marinade zusammenzustellen, als Miezka ankommt und bettelt. Die rohen Schnitzel scheinen eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf sie auszuüben. "Aber nein, das ist nicht für dich." Mit vorwurfsvollem Blick zieht sie wieder ab und ich widme mich wieder der Marinade.
Zweiter Versuch. Auch diesmal ist sie erfolglos, aber sehe ich da nicht ein heimtückisches glitzern in ihren Augen? Mal prüfen ob die Kartoffeln schon gar sind. Ein Scheppern neben mir erregt meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Miezka ist auf die Arbeitsplatte gesprungen und beschnüffelt ausgiebig die rohen Schnitzel. Jetzt reichts aber! "Ab ins Wohnzimmer und wag es ja nicht wieder...." Weiter geht die Kocherei.
Da ertönt ein Schrei und ein Geschimpfe aus dem Wohnzimmer- es ist Katharina. Miezka ist aufs Fensterbrett gesprungen und hat eine Pflanze runter geschmissen. Ich bin gleich bei Katharina und versuche sie zu beruhigen, nur habe ich da nicht die Küche im Blickfeld. Gerade noch rechtzeitig kann ich die heftig protestierende Miezka von der Arbeitsplatte entfernen. Miezka steht in der Küchentür. Wenn Blicke töten könnten....
Da ich nicht kochen und gleichzeitig auf Miezka aufpassen kann, beschließe ich kurzfristig, die Schnitzel wieder im Kühlschrank zu verstauen. Miezka schaut beleidigt und verzieht sich in eine Ecke.
Also weiter im Kochtakt. Da
kommen lästerliche Flüche aus dem Wohnzimmer. "Was ist jetzt schon wieder los?"
Katharina jagt hinter Miezka her und flucht wie der Teufel persönlich. Irgend
etwas scheint die Fellnase angestellt zu haben. Jetzt kniet Katharina vor dem
Wohnzimmerschrank,
Miezka hat sich darunter verkrochen, sie fühlt sich unter dem 4-Meter-Monstrum
wohl sicher. Katharina versucht, sie zu greifen, obwohl sie nichts sieht und auf
meine Frage, was denn passiert sei, bekomme ich nur "Miststück" zu hören.
Niemand achtet derweil auf die andere Seite des Schranks. Forensische Analysen
des Ablaufs haben später ergeben, dass Miezka still, leise und vor allem
unbemerkt auf der anderen Seite des Schranks heraus geschlichen ist. Der Disput
mit Katharina zieht sich einige Zeit hin und führt zu keinem Ergebnis. Niemand
achtet mehr auf die sonstigen Vorgänge in der Wohnung.
Ich hab’s aufgegeben und will wieder in die Küche, Da fallen mir fast die Augen
aus dem Kopf! Die Kühlschranktür ist offen, im Kühlschrank steckt Miezka, nur
noch das Hinterteil ist zu sehen - ich bin sprachlos! Miezka bemerkt mich und
jagt wie der Blitz, ein Schnitzel zwischen den Fangzähnen, davon. Es macht einen
undefinierbaren Rumpler und ich hör nur noch einen Schrei von Katarina, dann ist
Stille.
Wie sich herausstellt, ist das
Raubtier mit dem Schnitzel sofort wieder unter dem Wohnzimmerschrank
verschwunden. Während Miezka sich unter dem Schrank den fleischlichen Genüssen
hingibt, folgt eine angeregte, aber wenig fruchtbare Diskussion. Von wegen
Kühlschranktür offen gelassen und so. Ich bin mir sicher, ich habe sie
geschlossen, vielleicht ist der Haltemagnet defekt. Wenn nicht, ergeben sich
ungeahnte Aspekte. In dem Fall hat Miezka dann das alles minuziös geplant.
Sollte dem so sein, würde es mich nicht wundern, wenn demnächst in der nahe
liegenden Metzgerei eine Schweinehälfte abhanden kommt.
David sprach zu Goliath:
"Du bist ein Riese, ich ein Schrat.
Doch es steht schon in der Bibel,
dass ich dir eins drüberzwiebel!"
Die Bibel erwähnt nicht, dass dies auch für süße Kätzchen gilt.
Miezka ist so süß, Miezka ist so verspielt, Miezka
ist so verschmust, glaubte ich jedenfalls. Zumindest so lange, bis ich
feststellen musste, dass ich einen verkappten Predator beherberge. Aber der
Reihe nach.
Angefangen hat alles mit einem Spaziergang. Ein ganz normaler Spaziergang,
Sonntag nachmittags, wie ihn tausend Leute, dem menschlichen Herdentrieb
folgend, auch machen. Miezka kennt das schon, sie will mit. "Aber natürlich,
süßes Kätzchen." Sie ist zwar neugierig und begutachtet alles, was die Dauer des
Spaziergangs erheblich in die Länge zieht, aber ich habe am Wochenende Zeit
genug. Und sie ist artig genug, in der Nähe zu bleiben und immer wieder mal nach
mir zu schauen. Wäre ja sonst eine Katastrophe, sie hat keinen Wohnungsschlüssel
und die Dosen mit dem Katzenfutter kriegt sie auch nicht auf.
Ich weiß nicht, welcher Teufel mich geritten hat,
diesmal einen anderen Weg zu nehmen. Wie dem auch sei, nach einigen Kilometern
mit viel untersuchen, schnüffeln und Schmetterlinge jagen, kamen wir an eine
Bank am Wegrand, wo ich mich für einen Augenblick niederlassen wollte, Miezka
auch, unter der Bank im Schatten. So weit, so friedlich!
Aber natürlich die anderen Sonntagnachmittagsausflügler. "Mami, schau mal, eine
Katze!" "Liebe Katze!" "Darf ich die streicheln?" Miezka lässt alles mit
absoluter Missachtung des Geschehens über sich ergehen.
Bis... - Ja, bis da einer kommt mit einem dalmatinerähnlichen Hund an der Leine.
Der Dalmatiner sieht Miezka und ist sehr interessiert, macht aber keine
Anstalten zu einer Kriegserklärung. Wahrscheinlich hat er noch nie eine Katze
unter einer Bank gesehen. Er beginnt zu schnuppern.
Wie er auf einen Meter herangekommen ist, beginnt
unter der Bank ein Fauchen und Miezka schießt unter der Bank hervor, dem Hund
entgegen, mit gestäubtem Fell und Schwanz. Der Hund springt zurück, hinter sein
Herrchen und ich kann Miezka gerade noch erwischen. Anscheinend hat die
Völkerverständigung hier total versagt. Hundebesitzer und Dalmatiner ziehen ab,
er murmelt etwas, das ich lieber
nicht verstehen möchte. Nun gut, irgend etwas
war vielleicht an dem Hund und schließlich ist Angriff die beste Verteidigung.
Ende des Kapitels - Der Tragödie zweiter Teil
Drei Wochen später, diesmal am Fluss. Miezka stromert
herum, schaut ab und zu nach mir und legt sich dann neben mir ins Gras. Braves
Kätzchen! Die Sonne wärmt und ich vertiefe mich immer mehr in Professor Tolkiens
Werk, so dass ich nicht mehr auf meine Umgebung und insbesondere nicht auf
Miezka achte. Was genau passiert ist, weis ich bis heute nicht, auf jeden Fall
springt Miezka schlagartig mit einem fürchterlichen "Miauuuuu" auf und rast
davon. Im gleichen Augenblick höre ich ein schmerzhaftes Gejaule, wie ich mich
umdrehe, bietet sich mir ein wahrhaft groteskes Bild,
Oben am Fußweg, steht ein Mann mit einem Hund vom Typ Rottweiler an der Leine.
Der Hund, von den Ausmaßen eines kleinen Mastkalbes, jault verzweifelt, denn
mitten auf seinem Gesicht hängt Miezka und schlägt ihm genüsslich ihre Krallen
in Schnauze und Augen. Das Gesicht des Mastkalbs ist bereits total
blutüberströmt und Herrchen scheint ein Feigling zu sein, jedenfalls traut er
sich nicht an die kratzende Furie heran.
Buch weg und zum Weg rauf sind eins. Es blieb nicht die Zeit, Miezka zu
erklären, dass Rottweiler keine Mäuse und daher nicht zum Verzehr für Katzen
geeignet sind. Nur Miezka weg von dem Hund, denn wenn der wieder klar kommt,
genügt ein Biss und Miezka war mal! Man glaubt es nicht, wie stark die Krallen
einer Katze sein können, besonders wenn sie sich in einen Hund vergraben haben.
Irgendwie muss ich’s wohl geschafft haben, sie vom Hund abzupflücken. Eigentlich
ist Miezka nicht sehr groß, aber mit dem gesträubten Fell sah sie aus wie ein
Säbelzahntiger in Angriffsstellung. Und selbst als sie auf meinem Arm war hat
sie noch jede Menge Flüche und Beschimpfungen in der Katzensprache auf den Hund
niedergelassen. Beruhigt hat sie sich erst nach Stunden.
Auf jeden Fall hat der Rottweiler nur noch gewinselt
und sich an seinen Besitzer gedrückt. Das Vieh tat mir richtig leid, so
zugerichtet war er, Aber jetzt war erst mal Rottweilers Besitzer an der Reihe,
von wegen besser auf die Katze aufpassen, die sei ja gemeingefährlich, der arme
Hund und überhaupt. Des Wortwechsels Ende vom Lied, ich hab ihm meine Adresse
gegeben, mit der Zusage, das meiner Versicherung zu melden.
Herausgekommen sind da nur einige Euros für meinen Anwalt, denn das Ganze ging
aus, wie das Hornberger Schiessen. Einen Hund muss man an der Leine Führen, eine
Katze nicht, denn das sind im Prinzip Freigänger und als solche nicht dauerhaft
zu beaufsichtigen.
Jedenfalls denke ich jetzt darüber nach, ob man Miezka nicht auf andere Ziele
aufmerksam machen könnte, beispielsweise Finanzbeamte - Ihr könnte eine große
Karriere bevorstehen. Noch habe ich nicht entschieden.
Katzen sind sehr verspielt, ohne Zweifel. Sie spielen mit allem, was sie in die Krallen bekommen, ohne Rücksicht auf das Objekt. Und je mehr man es ihnen verwehrt, desto intensiver sind sie interessiert. So auch Miezka. Das folgende dokumentiert einen solchen Spielablauf. Ich weiß nicht genau, wie ich es ausdrücken soll, Es berührt, wie soll ich sagen, ein etwas delikates Thema.
Die ganze Nacht schon hatte
Miezka keine Ruhe gegeben.2 Uhr - aufwachen - spielen. "Na gut, aber dann lässt
du mich weiterschlafen." 4 Uhr - aufwachen - spielen. Wenn’s denn sein muss!
Total gerädert stehe ich um 7 Uhr auf, um 9.30 Uhr muss ich in Karlsruhe sein.
Das morgendliche Ritual nimmt seinen Lauf, erst muss Dosi den Futternapf füllen,
dann auf die Toilette, anschließend unter die Dusche. Ich weiß nicht wie andere
es so halten, aber ich steige normalerweise unbekleidet in die Dusche. Miezka
sitzt derweil auf der kleinen Ablage und schaut dem Ganzen zu. Dann vor den
Spiegel, Zähneputzen. Das Urwaldgestrüpp in meinem Gesicht muss auch weg, ich
will ja nicht aussehen wie ein biblischer Prophet.
Seit einiger Zeit bin ich
stolzer Besitzer eines dieser praktischen Akkurasierer. Also, Ladekabel
ausgesteckt und los geht’s mit dem Rasenmähen. Miezka beginnt mit dem
herunterhängenden Ladekabel zu spielen. Das habe ich jetzt weniger gern, ergo
wird das Ladekabel auf die höhere Ablage gelegt. Miezka, ihres Spielzeuges
beraubt, springt auf den Boden.
Und weiter geht’s mit der hairstylistischen Gesichtstrimmung. Miezka streicht mir um die Beine - der Rasierer brummt vor sich hin - sie will immer noch spielen. "Aber ja, doch, wenn ich fertig bin." Mit einem Mal durch durchfährt mich ein Schmerz. "Auuuu!!!!!!" Nicht irgendwie - nicht irgendwo! Er durchfährt mich an empfindlicher Stelle - an sehr empfindlicher Stelle, in extrem kurzen Abständen. Katzen lieben Dinge, die baumeln, sie lieben sie mit voll ausgefahrenen Kallen. Ist mir ja egal, wenn es ein Plüschtier ist, aber an besagter Stelle befindet sich alles andere als ein Plüschtier. Die blutigen Kratzer sind jedenfalls nicht zu übersehen. Und es schmerzt!
Der Schrei, den ich bei der liebvollen Annäherung ausgestoßen habe, hat Miezka ziemlich erschreckt. Sie lässt sofort von ihrem neuen Spielzeug ab und flüchtet auf die Ablage. Da sitzt sie und kann kein Wässerchen trüben. Wenn ich will, kann ich lästerlich fluchen und genau danach ist mir jetzt. "Himmelherrgottsakramentleckmichamarschscheisglumpverecktes!" Irgendwie schaut das Katzentier jetzt ziemlich belämmert und schuldbewusst aus, so, als wüsste sie, dass sie an besagter Stelle nichts zu suchen hat.
Ich jedenfalls muss mich erst mal verarzten. Die Schilderung dieser etwas unangenehmen Prozedur überlasse ich lieber der Phantasie des Lesers. Und ich vermute auch, dass ich am Abend Katharina gegenüber in einem gewissen Erklärungsnotstand bin. Miezka beeindruckt das ziemlich wenig, sie scheint sagen zu wollen: "Ich weiß nicht was du überhaupt willst."
Ich will dass sie spielt, aber
nicht mit Dingen, die ihr nicht zustehen. Wird sie das begreifen? Will sie das
überhaupt begreifen? Wenn nicht, bleibt mir nur noch, das Badezimmer in Zukunft
in einer mittelalterlichen Rüstung zu betreten.
Man ist, was man isst, so behauptet ein Sprichwort. Zum Beispiel ist der bambussprossenfressende Teil der Weltbevölkerung ganz klar als Pandabär definiert. Und alle Raubkatzen sind Fleischfresser. Was allerdings Miezka und ihre kulinarische Vorlieben betrifft, so erinnern diese eher an eine eierlegende Wollmilchsau.
Mäuse, so ist allgemein bekannt,
stehen auf Käse, ich bin keine Maus, aber auch kein Käseverachter. Zum Frühstück
gibt’s bei mir außer dem obligatorischen Kaffee immer Brötchen, Wurst und Käse.
Gemütlich habe ich mich hingesetzt, als ein Summen ertönt. Ah, das Frühstücksei
ist fertig. Also in die Küche, Ei aus dem Eierkocher, kurz abgeschreckt und dann
geht’s ans Frühstück.
Aber, Moment, ich hatte mir doch traditionell zwei Käsescheiben auf den Teller
gelegt. Na ja, es ist noch früh am Morgen und wahrscheinlich bin ich noch halb
im Schlaf, also noch mal in die Küche und die zweite Käsescheibe geholt. Zurück
am Tisch zeigt sich ein paranormales Phänomen, auf dem Teller ist keine
Käsescheibe mehr. Weg, in Luft aufgelöst. War Uri Geller hier?
Des Rätsels Lösung bieten leise schmatzende Geräusche hinter der Couch. Miezka hat sich wohl während meiner Stippvisite in der Küche über den Käse hergemacht. Diese katzenmässige Geschmacksverirrung versetzt mich dann doch in nicht unerhebliches Erstaunen, bin ich doch bisher davon ausgegangen, dass die Produkte von Wiskas und Konsorten Miezkas Lieblingsspeise wären. Sie schaut mich mit ihrem lass-mich-in-Ruhe-Blick an und widmet sich wieder der restlichen Käsescheibe. Na gut, ich bin kein Unmensch, wenn Kätzchen Käse will, soll sie eben Käse haben, es ist noch genug da. Soweit, so schmackhaft.
Abends wird es später und ich habe keine Lust mehr auf eine große Kochaktion. Schau’n wir doch mal was schnell geht. Hmmm... Spaghetti wären nicht schlecht und dazu ohne viel Aufwand Tomatensoße. Die Spagetti köcheln so vor sich hin und Miezka faulenzt auf der Couch. Jetzt hab ich aber einen Riesenhunger, also Spagetti auf den Tisch, dann noch die Tomatensoße abschmecken. Zurück am Esstisch, finde ich Miezka auf dem Tisch, genüsslich einen Spagetti verzehrend! Pur, ohne was dran! Langsam kommen mir Zweifel, ob sie wirklich eine Katze ist. Sie könnte auch eine verkappte Italienerin sein.
Dann kam der Umzug. Wer jemals
umgezogen ist, und ich vermute, das sind die meisten, weiß, was es für eine
Arbeit ist, den ganzen unnützen Krempel aus der Wohnung zu tragen und in die
Neue einzuräumen. An Kochen ist da nicht mehr zu denken. Als Kompromiss gibt es
Ravioli kalt. Also so zwischendurch mal immer eine Gabel voll und dann die
nächsten Kartons. Bei der dritten Fuhre finde ich Miezka auf
dem
provisorischen Beistelltisch, genüsslich die restlichen Ravioli verzehrend. Ihr
Napf mit dem Katzenfutter steht unbeachtet auf dem Boden. Nun ja, sie ist
vielleicht durch den Umzug etwas durcheinander. Und tatsächlich geht sie dann
wieder zu ihren normalen Essensgewohnheiten über.
Die ganze Sache hätte ich vergessen, wäre ich nicht nach einigen Wochen auf die glorreiche Idee gekommen, mir eine Schüssel Kartoffelsalat zu machen. Die Kartoffeln sind fertig gekocht und geschält und stehen, während ich Zwiebeln schneide, zum abkühlen auf dem Tisch. Noch einiges andere ist zu erledigen, das Kochgeschirr saubermachen und was der sonstigen Küchenarbeit Dinge noch mehr sind. Zwischenzeitlich dürften die Kartoffeln abgekühlt sein, also auf zum fröhlichen Kartoffelschneiden. Was ich sehe, als ich ins Wohnzimmer kam, konnte ich fast nicht glauben! Miezka hat eine kleinere Kartoffel aus der Schüssel herausgeholt und spielt mit ihr. Aber nicht genug damit, sie knabbert auch noch daran! Das ist völlig unmöglich, Katzen essen keine Kartoffeln, ob roh oder gekocht. So langsam sollte ich mich damit abfinden, einen alles fressenden Vielfraß im Haus durchzufüttern.
Der Gipfel des Ganzen ergab sich aber vor einem halben Jahr. Ich hatte wieder mal keine Lust, den 5-Sterne-Koch zu spielen und habe mir deshalb eine Pizza bestellt. Beim Verzehr derselben springt Miezka auf den Tisch und beginnt wieder ihre allseits beliebte Bettelaktion. "Na, da wollen wir doch mal sehen ob dir das auch schmeckt." Also ein kleines Stück Pizza auf einen Unterteller, mal sehen, was passiert. Miezka ist interessiert, aber anscheinend hat sie was gegen die heiße Pizza. Großes Miau! Genüsslich vertilge ich die italienische Spezialität. Währenddessen scheint das Stück auf dem Unterteller genügend abgekühlt zu sein und tatsächlich macht sie sich über die Pizza her, mit Ausnahme der darauf dekorativ angeordneten Pilze. Vielleicht denkt sie, deren Rezept käme aus einem Kriminalroman.
Das ist der aktuelle Stand der
Katzenverpflegung. Nur Süßes verschmäht sie mit Vehemenz. Natürlich bekommt sie
weiterhin ihr Dosenfutter, in der Hinsicht bleibe ich hart. Aber was die Zukunft
bringt, kann ich nicht sagen, wenn also der geneigte Leser demnächst eine
rot-weis getigerte Katzendame in einem exklusiven Gourmettempel dinieren sieht,
sollte mich das nicht verwundern. Benachrichtigen sie mich einfach, betreffs
Rechnung und Trinkgeld.
Die Avoiden haben die Welt
erobert.
Bis sie auf die Feliden stießen.
Seitdem herrscht Krieg zwischen Katzen und Vögeln.
Und wie in jedem Krieg, gibt es auch hier lange Phasen des Wartens.
Aber dann....
Es war September und noch halbwegs warm, wieder einmal bin ich mit Miezka am Fluss. Nach ihrer Erfahrung mit Vögeln interessiert sie sich nicht mehr nur für Schmetterlinge, sondern schaut auch jedem Vogel begehrlich nach. Aber anders als bei Hunden hat sie bis jetzt bei der Vogelhatz noch keinen Erfolg gehabt. Jedoch wäre es zu schön, wenn man eine solche Nachspeise zwischen die Krallen bekommen könnte. Leider hat die Nachspeise den unbestreitbaren Vorteil, fliegen zu können, was Miezka aber nicht davon abhält, begierig danach Ausschau zu halten. Mangels der Erreichbarkeit der Jagdbeute begnügt sie sich allerdings damit, einige Käfer bei ihrem Liebesspiel zu stören. Sollte man nicht glauben, dass sie jetzt plötzlich zum Moralapostel mutiert.
Und weiter geht der Weg, alles mögliche wird untersucht und zwischendurch mal nach Dosi geschaut. Der Weg führt am Fluss entlang und ist auf der linken Seite von Bäumen gesäumt. Es sind genau diese Bäume die plötzlich ihre Aufmerksamkeit erregen. Irgend etwas ist da! Miezka nimmt ihre Lauerstellung ein, die Ohren sind voll nach oben gerichtet. Von dort ist ein Rascheln zu hören.
Ein kurzer Sprint und Miezka ist schon auf halber Höhe des Stammes. Im Geäst beginnt ein Gezeter und Gekrächze. Miezka stutzt und ist wie der Blitz wieder vom Baum runter.
Da kommen sie! Vier große Krähen - wie schwarze Lastensegler kreisen sie über dem Kätzchen. Mit grossem "Miauuuu!!!!" rennt sie auf mich zu und springt an mir hoch. Ich kann sie gerade noch aufnehmen als die gegnerische Luftflotte mit lautem Gekrächze im Tiefflug 30 Zentimeter über meinem Kopf hinweg streicht. Vor deren spitzer Bewaffnung habe ich schon einen gewissen Respekt.
Miezka, inzwischen in der Sicherheit von Dosi, geht zum Gegenangriff über - zumindest akustisch! Sie sträubt das Fell und faucht, was das Zeug hält, nur lassen sich die Krähen davon wenig beeindrucken, sie drehen eine Warteschleife und setzen erneut zum Sturzflug an.
Angesichts
der gegnerischen Luftüberlegenheit erwäge ich einen sofortigen taktischen
Rückzug. Die Biester können unangenehm werden, nach allem was man so hört.
Miezka drückt sich an mich, während ich mich langsam, Schritt für Schritt,
rückwärts von der Gefahrenzone abzusetzen versuche. Nur scheinen die
Sturzkampfbomber ihr Hoheitsgebiet ziemlich weit gesteckt zu haben. Sie
verfolgen uns! Alfred Hitchcock lässt grüssen!
Unter immer aggressiverem
Fauchen drückt sich Miezka immer enger an mich und immer wieder werden gewagte
Flugmanöver über unseren Köpfen zelebriert. Jetzt müssen sofort massive
Defensivmaßnahmen ergriffen werden, mit einer Hand nestle ich den Hosengürtel
auf und ziehe den Gürtel heraus, die andere hält Miezka fest.
Der Gürtel erweist sich geschwungen als wirkungsvolle
Waffe, zwar erwische ich keines der schwarzen Biester, aber jetzt halten sie
wenigstens respektvollen Abstand. Miezka faucht immer noch und sträubt sich
fürchterlich. Dann sehen die fliegenden Festungen ein, dass nichts mehr für sie
zu holen ist und entfernen sich laut krächzend in immer weiteren Kreisen.
Seit diesem Vorfall schaut
Miezka zwar immer noch mit verklärtem Blick nach dem Vogelvolk, zollt ihm jedoch
den notwendigen Respekt. Jedenfalls solange bis sie sich Flügel wachsen lässt.
Fellnasen seien saubere Tiere,
sagt man. Ich kann das in vollem Umfang bestätigen.
Miezka muss nie in die Wanne. Ausgenommen wenn es regnet und wenn es nicht
regnet!
Es war einer jener trüben, regnerischen Tage, an denen man keinen Hund vor die Tür jagen würde... Hunde, von Katzen ist nicht die Rede! Diese muss man nicht raus jagen, sie gehen und kommen wie es ihnen beliebt. So auch Miezka. Nur an richtigen Regentagen geht sie nicht raus. Dafür habe ich vollstes Verständnis, aber wenn sie draußen ist an solchen trüben Tagen, habe ich Zeit, die Wohnung sauber zu machen. Also mache ich mich daran, die Bude in Ordnung zu bringen, das ist schnell erledigt, dann kann ich die Beine hochlegen. Unglaublich, wie viel sich in einigen Tagen ansammeln kann, nach 4 Stunden intensiver Putzerei ist alles soweit erledigt. Ah, endlich mal Erholung mit etwas Musik. Während ich mich den Songs von Meat Loaf hingebe, durchbricht als klappernde Dissonanz das Geräusch der Katzenklappe die orchestralischen Klänge.
Aha, die Haustigerin ist zurück. Und natürlich begrüßt sie mich sofort. Sofort? Diesmal nicht, erst mal setzt sie sich mitten auf den besten Polsterstuhl und beginnt sich ausgiebig zu putzen. Wie gesagt, Katzen sind sehr reinlich und dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden. Aber nicht so wie sie aussieht.... Ich weis nicht, wo sich Miezka rumgetrieben hat, aber genau nach "rumgetrieben" sieht sie aus. Vermutlich hat sie sich in jeder Pfütze und in jedem Schlammloch in der Umgebung gesuhlt. Hab ich eine Katze oder ein Hausschwein? Wie’s aussieht, eher das zweite. Dreck soll gesund sein, der steigt durch die Haarwurzeln nach unten und düngt das Gehirn. Die Spuren auf dem Boden sind auch nicht zu übersehen. 4 (!) Stunden Putzen! Buchstäblich für die Katz! Aber genau diese Katz schert sich im wahrsten Sinne des Wortes einen Dreck darum und fährt ungeachtet meines Entsetzens mit ihrer intensiven Fellpflege fort.
Jetzt wird aber kurzer Prozess
gemacht! Miezka kommt in die Wanne und wird gründlich gereinigt. Nur scheint da
Miezka anderer Meinung zu sein. Greifen kann ich sie noch, ins Bad tragen geht
auch
noch aber in der Wanne zeigt sie bereits deutlichen Unwillen. Als das Wasser
läuft, entwickelt sie ungeahnte Fähigkeiten, es kann aber auch sein, dass sie
irgendwo Kerosin getrunken hat, so schnell wie sie aus dem Bad draußen war.
Also geht’s auf Großwildjagd, als erstes wird die Katzenklappe verriegelt, sonst spielt sie noch Richard Kimble. Aber wo hat sich die krallenbewehrte Dreckschleuder versteckt? Eine penible Durchsuchung des Wohnzimmers zeigt keine verwertbare Ergebnisse. Halt, Schlafzimmer, im Bett ist sie auch gerne - Fehlanzeige. Aus der Wohnung entfliehen kann sie nicht, also bleibt nur noch der Abstellraum. Und genau da liegt sie, auf der frisch gewaschenen und zum bügeln bereitgestellten Wäsche, ausgiebig mit Fellputzarbeiten beschäftigt. Das Unschuldslamm. "Mietz, Mietz, komm!" Sie scheint taub geworden zu sein aber ihr Blick drückt tiefste Verachtung für mich aus. Auch vorsichtige Annäherung wird brüsk durch warnendes Fauchen zurückgewiesen. Nur ein schneller Griff ins Genickfell hilft und ich hab sie endlich. Ab ins Bad.
Die folgende Szene möchte ich dem geneigten Leser nicht zumuten. Auf jeden Fall war Miezka anschließend sauber! Gut, die Zahnputzbecher kann man ersetzen und neues Pflaster wollte ich sowieso kaufen. Schwieriger war dann schon, alle Blutspritzer zu entfernen.
Nachdem ich mich verarztet hatte, kehrte erst mal Ruhe ein. Miezka spielte erst mal beleidigte Leberwurst. Soll sie, die beruhigt sich auch wieder.
Es wird ihr hoffentlich eine
Lehre sein und sie wird in Zukunft auf die Notwendigkeit solcher
Gladiatorenkämpfe verzichten. Seitdem ist einige Zeit vergangen, aber ich
erinnere mich immer noch gut daran, besonders an regnerischen Tagen. Jedenfalls
eher als an Regentagen.
Es ist nicht gut dass der Mensch alleine sei, so steht’s in den Schriften. Aber manchmal ist dies nicht zu umgehen. Da ist es schon gut, wenn so eine Samtpfote herumschleicht. Denn die macht nicht den Ärger, der unter Umständen in anderen Beziehungen entstehen kann.
Eigentlich wollte ich die Schnitzelaffäre mit Katharina friedlich beilegen, jedoch hat sich das dadurch entstandene Frage- und Antwortspiel in ein Allegro Furioso gesteigert, so dass ich mich dann doch von ihr getrennt habe. Die Beziehung mit Janette war sowieso schon seit einiger Zeit beendet, so waren also Miezka und ich allein zu zweit. Das heißt aber auch, keinen Beziehungsstress mehr, man wird freudig erwartet, wenn man nach hause kommt, niemand fragt, wo man so lange war.
Die Samtpfote hört mich schon von weitem, wenn ich noch auf dem Flur weit von der Wohnungstür entfernt bin. Bin ich erst mal drin, will sie erst mal hochgehoben werden und verlangt einen Nasenstubser als Begrüßung. Jetzt wird intensiv um meine Beine gestrichen. Das heißt, Dosi öffnet erst mal die Tüte mit den Leckerlis. Hmmm... so ein Katzenstick ist nicht zu verachten. Während Miezka sich den Katzenstick zu Gemüte führt, habe ich Zeit, ihren Napf zu reinigen und eine Dose Katzenfutter zu öffnen. Da ist sie wählerisch, es muss mit Gelee sein, da ist sie eigen. Auch Wiskas und Kitticat verschmäht sie, sie besteht auf die Billigprodukte von Lidl - sparsames Kätzchen. Nur von dem, was ich esse, begehrt sie immer etwas, fast egal, was es ist.
So, jetzt kann der so genannte Chef des Ganzen an sich selbst denken. Erst mal umziehen, eventuell duschen und was der alltäglichen Dinge sonst noch sind. Habe ich erwähnt, dass Miezka sich nicht dafür interessiert, was ich mache? Das ist so nicht ganz korrekt, sie interessiert sich nicht dafür, wenn ich nicht da bin. Aber wenn ihr Haussklave da ist, wird jede Bewegung mit Argusaugen registriert.
"So, fertig." Jetzt muss mal
geschaut werden, ob neue Mails da sind. Schließlich müssen die Moneten für das
Katzenfutter herbeigeschafft werden. Miezka möchte natürlich auch wissen ob es
neue Aufträge und eine neue Reise gibt, also erst mal auf meinen Schoss und
schauen, was da vor sich geht. Da sie nie in die Schule gegangen ist, nicht mal
in die Grundschule, verwehre ich jeden Schreibversuch ihrerseits. Dann muss Dosi
auch selbst mal was zwischen die Zähne bekommen. Jedes Teil, das ich aus dem
Kühlschrank nehme wird ausgiebig beschnuppert. Ausgiebiges Bettelritual -
manchmal hat sie damit wirklich Erfolg - nur manchmal!
Wenn jetzt keine weitere Hausarbeit anfällt ist die Zeit des Relaxens gekommen.
Mal sehen ob was in der Glotze kommt. Nein, nur unsägliche Kochshow,
Gerichtssendungen und was noch der Schlaftabletten mehr sind. Also Musik an und
ein Buch hervorgezogen. Das liest sich am besten so, wie die alten Römer
gegessen haben, nämlich liegend. Miezka ist auch literaturinteressiert, so
stark, dass sie sich nach
einigem
hin und her direkt auf das Buch legt. Mit lesen ist nichts mehr, jetzt ist
Schmusetime, ausgiebiges Kraulen und Bauch streicheln. Besonders den Bauch, da
legt sie sich auf den Rücken, was für ein Vertrauensbeweis! Miezka geht ab wie
ein Mercedes im Leerlauf. Jedenfalls akustisch! Ab und zu bekomm ich einen
Nasenstubser.
Ees wird spät und Zeit ins Bett zu gehen, also fertig machen zum Schlafen. Miezka ist auch schon in ihrem Katzenkörbchen oder in der Katzenhöhle. Licht aus und endlich mal pennen! Noch bevor ich eingeschlafen bin, spüre ich sanfte Schritte im Bett. Miezka hält es nicht mehr aus und will zu mir. Mehrere Rundgänge sind notwendig bis sie den richtigen Platz gefunden hat. Eigentlich überflüssig, sie legt sich sowieso neben mich. Immer! Manchmal lege ich eine Hand auf ihre Vorderpfoten aber das ist nicht erwünscht. Sie möchte ihre Pfoten auf meiner Hand haben. Immer! Soll heißen, dass sie der Chef im Haus ist.
So wird die ganze Nacht geschlafen, die ganze Nacht? Mitnichten, es ist immer zwischen 2 und 3 Uhr, dass ich geweckt werde. Meistens durch eine feuchte Nase an meinen Augen. Es sind immer die Augen. Immer! Ich weis nicht, was sie an meinen Augen findet. Riechen die nach Fisch? Sie schnüffelt immer an den Augen, Sie langt nie zu, sie schnüffelt nur. Meistens spielen wir ein bisschen, bis ich irgendwann wieder einschlafe. Morgens ist sie wieder weg, in ihrem Körbchen, in ihrer Höhle, auf der Couch oder sonst wo. Einmal hab ich sie schlafend auf dem Esstisch gefunden, weiß der Geier, was sie dazu bewogen hat.
So vergehen die Tage und ich
will sie nicht mehr missen. Scheinbar werden wir uns immer ähnlicher... Ich
sollte mir ein Fell und Krallen wachsen lassen.
Wen die Muse küsst
Die moderne Mikroelektronik beschert uns immer neue Wunder. Wo sich vorher noch
gigantische Kunststoffscheiben auf riesigen Plattentellern drehten, gibt es
heute das unsichtbare Zauberwort mp3. Und dem Einfallsreichtum überbezahlter
Marketingstrategen ist es auch zu verdanken, dass wir die Genüsse früherer
Zeiten in diesem mikrominiaturisiertem Format genießen dürfen. Sie haben nur
nicht mit fellbesetzten Plattenjägern gerechnet.
Ich höre gern Musik. Zu den Klängen von Pink Floyd und Abba kann man herrlich
entspannen. Leider war es aber nicht möglich, meine Plattensammlung, die im
Laufe der Jahre immens angewachsen war, weiterhin anzuhören. Die vom
Plattenspieler produzierten Genüsse erinnerten immer mehr an ein quietschendes
Scheunentor. Was soll’s ich stelle sowieso seit längerem langsam auf die
modernere Compact Disk um. Außerdem gibt es fast keine neuen Platten in Vinyl
mehr. Allerdings ergibt sich nach einiger Zeit ein organisatorisches Problem.
Einige Platten der Sammlung sind nicht auf CD erhältlich. Nach intensiver
Meditation finde ich einen gangbaren Ausweg. Der besteht in der Anschaffung
eines mp3-fähigen Plattenspielers. Dieses ultimative Hitech-Gerät soll,
unbestätigten Meldungen zufolge, tatsächlich in der Lage sein, die geliebten
Oldies auf den heimischen Personal Computer zu übertragen. Ich beschloss also,
in Elektronikmarkt meines Vertrauens ein solches Gerät zu erwerben.
Zuhause angekommen ging’s erst mal ans Auspacken. Nun ergab sich ein weiteres
Problem: Wohin mit dem technischen Monstrum? Aber was soll’s, es ist ja nur so
lange, bis die Platten überspielt sind. Also kommt’s auf den Wohnzimmertisch und
wird verkabelt. Die beigelegte Anleitung brauche ich nicht, die ist sowieso auf
Kishuaheli oder einer anderen mir nicht geläufigen Sprache. Dann kommt die
Stunde der Wahrheit. Vorsichtig den wertvollen Tonträger auflegen. Miezka schaut
derweil dem Treiben interessiert zu. Alles ist eingestellt, es kann losgehen.
Sanft durchwogen die zarten Klänge einer amerikanischen Rockband meine
Räumlichkeiten. Miezka hat alles beschnuppert und sich dann dezent in ihre
Katzenhöhle zurückgezogen, von wo aus sie das Treiben beobachten kann. Nun ist
es ja so, dass die moderne Computertechnologie mit einer Geschwindigkeit
arbeitet, welche diejenige eines Michael Schuhmachers bei weitem übertrifft. Nur
die urtümlichen Monsterplattenspieler bremsen mit ihrer Steinzeittechnik den
modernen Kabelsalat auf brutalste Weise aus. Will heißen, die Sache wird einige
Zeit dauern. Also habe ich Muße, mir ein Buch vorzunehmen.
Ich mach es mir also gemütlich und vertiefe mich in Stanislav Lem’s literarische
Ergüsse. Wie ich gerade an der Stelle bin, an der jener berüchtigte Planet
namens Matrizius Löcherlich verhaftet werden soll, gerät die Bassdrum des
Musikstückes aus dem Takt. Neu gekauft und schon ein Garantiefall! Die gehören
verklagt! Aber die dissonanten Töne haben eine andere Ursache. Miezka, angelockt
vom Geschehen auf dem Tisch, inspiziert die rotierende Scheibe intensiv. Da die
keine Anstalten macht, ihre Karussellfahrten zu beenden, wird eben nachgeholfen.
So ein Pfotendruck bewirkt schon eine gewisse Abbremsung des Geschehens.
Nur nimmt erstaunlicherweise die Maschine ihre Umdrehungen wieder auf, wenn die
Pfote entfernt ist. Also noch mal. Und noch mal. Gelobt sei Dosi, er hat ein
neues Spielzeug angeschafft.
Dosi ist aber not amused über diese eigenwillige Musikinterpretation. Miezka
wird sanft hochgehoben, bekommt einige Streicheleinheiten und wird zum
Katzenkörbchen getragen. Miau! Ich vertiefe mich wieder in "Die
Waschmaschinentragödie". Gerade wird darüber debattiert, ob man einen Planeten
verhaften kann, als wieder etwas unrhythmisches aus den Boxen tönt. Miezka
drückt wieder ihr musikalisches Missfallen aus. Kurzzeitig läuft der
Plattenteller auch mal ein Stück rückwärts. Dieses, "Scratchen" genannte
Verfahren, ist in einschlägigen Musikerkreisen sehr beliebt. Wahrscheinlich
steht Miezka mehr auf Techno und Hipp-Hop oder so. Nur sind wertvolle
Sammlerplatten dazu wenig geeignet.
Der Plattenspieler kommt also in einen stabilen, verschlossenen Karton, wo er
weiter gleichmäßig vor sich hinrotiert. Miezka jedenfalls sitzt nun vor dem
Karton und denkt sich eine neue Strategie für den nächsten Musikgenuss aus. Ein
richtiges Supertalent. Sie stellt womöglich Überlegungen über eine Karriere in
der Musikerszene an. Soll sie, ich werde wohl demnächst mit ihr bei Dieter
Bohlen vorstellig werden.
Katzenjammer
Wie ich schon an anderer Stelle erwähnt habe, steht Miezka auf Musik. Sie tut
alles, um ihren jeweiligen Musikgeschmack kundzutun. Wirklich alles,
Peinlichkeiten eingeschlossen.
An jenem Tag Anfang Dezember war ich wegen einer Routineimpfung mit Miezka
abends noch beim Tierarzt. Dazu ist keine Transportbox notwendig. Ich habe eine
dieser praktischen aufrollbaren Leinen. Außerdem will Miezka in dem beginnenden
weihnachtlichen Trubel sowieso lieber getragen werden.
Der Weg führt durch die Innenstadt, wo vor einigen Tagen der Weihnachtsmarkt
begonnen hat. Nun bin ich ja nicht unbedingt ein Freund solcherart weihnachtlich
kommerzialisierter Institutionen, aber ein Glas Glühwein könnte man sich ja
schon zu Gemüte führen. Alles auf der Welt ist im wachsen begriffen, warum
sollten da die Preise für Glühwein eine Ausnahme machen? Außerdem findet der
weihnachtliche
Menschenauflauf
nur einmal im Jahr statt, also, was soll’s. Miezka auf dem Arm stelle ich mich
an einem Glühweinstand an, die verwunderte Blicke meiner Mitmenschen
ignorierend. Es gibt hier auch einige Stehtische, um die sich das Weihnachtsvolk
glühweinschlürfend versammelt. Miezka schaut aufmerksam in die Runde, lässt sich
aber ansonsten nicht stören.
Jetzt bin ich doch einigen Fragen ausgesetzt. "Ja, Katze an der Leine, wie
kommt’s?", und Ähnliches. Während des beginnenden Gesprächs erklingt mit einem
mal eine Melodie. Einige Meter weiter, neben dem Eingang zum Rathaus, hat sich
jemand mit einer Geige postiert und beginnt zu spielen. Der, Junge von etwa 12
Jahren, intoniert gerade "Stille Nacht, Heilige Nacht". Schnell bildet sich ein
Kreis um ihn, zu dem ich ebenfalls gehöre. Weihnachtsstimmung eben. Der Junge
spielt nicht gerade wie ein Stargeiger, aber doch so halbwegs passabel. Glaubte
ich. Ergriffen lauschen wir alle den Tönen.
Eben setzt er zur zweiten Strophe an. Da ertönt von meinem Arm ein
langgezogenes, lautes "Miauuuuuuu!!!!!!!!" Einige Köpfe wenden sich mir zu. Der
Geiger fährt in seiner Interpretation fort. "Miauuuuuuu!!!!!" Will Miezka etwa
runter vom Arm? Nein, sie macht keine Anstalten. "Miauuuuuuu!!!!!" Unüberhörbar.
Einige der Anwesenden beginnen jetzt verschämt zu grinsen. "Miauuuuuuu!!!!!" Der
Stehgeiger zeigt jetzt eine leichte Irritation. Er hat wohl nicht mit
Begleitgesang gerechnet. "Miauuuuuuu!!!!!" Das war eines zuviel! Einige Leute
beginnen lauthals zu lachen. Immer mehr falsche Töne kommen aus dem
Saiteninstrument. Anstelle spiritueller Ergriffenheit macht sich nun allgemeine
Heiterkeit unter den Zuhörern breit. Schließlich bricht der Spieler seine
Darbietung ab.
Kaum hat die musikalische Berieselung aufgehört, stellt auch Miezka ihre
Kommentare ein. Der Junge packt seine Geige ein und verschindet mit hochrotem
Kopf in der Menge. Er tut mir richtig leid, aber was kann ich tun? Jedenfalls
hat Miezka die Lacher auf ihrer Seite. In dem Gewühl kann ich mich dann auch
fast unauffällig verdrücken. Miezka jedenfalls lässt sich bis heute durch nichts
zu einer Übersetzung ihrer Äußerungen ins Deutsche überreden. Aber was soll’s,
wenn sie bei Dieter Bohlen nicht als Superstar durchgeht, dann vielleicht in
seiner Jury.
Starwars
Computerspiele haben die Welt erobert. Durch simples drücken einer Taste
offenbart sich ein optisches und akustisches Feuerwerk auf dem heimischen
Monitor. Es braucht aber schon einige Übung, um bei den immer komplexeren
Aufgaben der jeweiligen Games die Oberhand zu behalten. Miezka hat da ein
geradezu überirdisches Talent entwickelt....
Ich bin beileibe keiner dieser fanatischen Pixeljäger, die unbedingt immer das
neueste Game noch vor dem Erscheinungsdatum haben müssen. Die Anzahl der Spiele
auf meinem Rechenknecht beschränkt sich auf die Erzeugnisse einer bekannten
deutschen Softwareschmiede. Nur wenn es mich überkommt zocke ich durchaus mal
eine Weile diese Weltraum-Handels-Kampfsimulation. So auch an jenem denkwürdigen
Tag.
Miezka langweilt sich in ihrem Katzenkorb und so kann ich endlich die
berüchtigte Goner-Mission beginnen. Und das lässt sich auch ziemlich gut an. Es
macht einfach Spaß, diese niederträchtigen Weltraumpiraten platt zu machen. Eins
ums andere löst sich ein gegnerisches Raumschiff in einer aparten
Explosionswolke auf. Nur diese sch... Discoverer erwisch ich nicht, die ist
einfach zu schnell. Plasmawerfer,
Partikelbeschleunigerkanonen, egal was ich
einsetze, das Ding ist nicht zu erwischen. Die Ballerei geht so einige Zeit,
ergebnislos.
Dass ich dabei nicht auf Miezka achte, versteht sich von selbst. Offenbar hat
sie aber auch ein Faible für virtuelle Welten, denn nach einiger Zeit macht es
„Miau“ und mit einem Satz ist sie auf meinem Schoss. Interessiert schaut sie dem
Geschehen zu. Und wie es scheint, interessiert sie sich für die Tastatur. Na ja,
warum auch sollten Samtpfoten kein technisches Verständnis entwickeln? Mit einem
Mal tappt sie nach der Tastatur. Es kann nur die STRG-Taste gewesen sein. Ein
Schuss, und die ewig lang gejagte Discoverer war Geschichte. Kann das sein?
Miezka, wie zum Geier, hast du das gemacht? Wie!? Du lässt mich ziemlich alt
aussehen! Ich Betriebsdepp schlage mich ewig lange mit dem Ding herum und dann
kommt ein simpler Stubentiger und fetzt es mit einem Schuss aus dem
elektronischen All. Das muss geprüft werden.
Also, den aktuellen Spielstand gespeichert und den vorherigen noch mal geladen.
Von neuem geht der Kampf los. Nur Miezka ist nicht mehr interessiert. Völlige
Ignoranz. Sie reibt sich an mir, soll wohl heißen "Verzeih mir". Ansonsten macht
sie keine Anstalten, die Aktion zu wiederholen. Auch gutes Zureden hilft nichts.
Sie will mich wohl bloßstellen, will mich demütigen. Fast kann ich ein hämisches
Grinsen in ihrem Gesicht erkennen. Vade reto, verräterisches Weib! Aber was ich
auch anstellte, das Ergebnis war nicht reproduzierbar. Es scheiterte an meiner
Inkompetenz und an Miezkas strikter Weigerung zur Zusammenarbeit. Ich musste es
neidvoll anerkennen, Miezka ist ein Genie!
Des Rätsels Lösung bot sich mir vor einigen Tagen. Ich war gerade dabei einen
wichtigen Brief zu schreiben, als sie wieder diesen Drang verspürte, auf meinen
Schoss zu springen. Dann blitzschnell die Pfoten auf der Tastatur. Das Ergebnis
konnte sich sehen lassen: dkwnvroi8w4+rcxmäc-,d Noch weis ich nicht was dieser
Code bedeutet. Aber ich werde ihn knacken, das schwöre ich! Vielleicht sollte
ich Miezka bis dahin an der Uni für das Fach Informatik einschreiben.
Besuch der alten Dame
Auge um Auge, Zahn um Zahn, heißt es schon seit Urzeiten.
Und tatsächlich ist der Mensch in seinen Rachegelüsten bereit, aus geringstem
Anlass mit dem gröbsten Holzhammer zuzuschlagen.
Die Methoden unserer Fellnasen sind da schon etwas subtiler.
Und wie es aussieht auch ziemlich effektiv......
Ich beschloss, wieder einmal meine Mutter besuchen.
Sie geht langsam auf die 80 zu und wohnt über 200 Kilometer von mir weg, daher sehe ich
sie nicht oft.
Und natürlich ist Miezka mit von der Partie, sie kennt mittlerweile das Reisen und ist immer dabei, wenn ich unterwegs bin.
Hinter dem Fahrersitz ist ein Netz quer gespannt, so dass sie nicht die ganze
Zeit in der Transportbox verbringen muss.
Die meiste Zeit schaut sie sowieso aus dem Fenster.
Nach drei Stunden kommen wir an.
Erst mal Begrüßung, dann das übliche „Wie geht’s dir?“.
Kaffe und Kuchen stehen schon bereit, obwohl ich nicht unbedingt ein Freund
solcherart inszenierten Smalltalks bin.
Na ja, was soll’s.
Nach einiger Zeit eröffnet sie, dass Lotte auch noch kommt.
Lotte ist eine Freundin meiner Mutter und kommt sporadisch zu Besuch.
Ich kenne sie schon seit meiner Kindheit und mittlerweile hat sie die Ausmaße
einer wagnerschen Walküre angenommen.
Während wir uns an den Kaffeetisch setzen erkundet Miezka ausgiebig das Haus.
Eine halbe Stunde später klingelt es und die Walküre steht vor der Tür.
Hach, und lange nicht gesehen, wie geht’s und was machst du und bla, bla, bla.....
Die Garderobe ist voll, also legt sie ihren Mantel auf die Couch.
Miezka ist zurück und beäugt sie neugierig.
„Ach, du hast eine Katze.“
„Kratzt die?“
„Miez, miez, miez“
Antwort: „Miauuuu“
Jetzt wird Miezka zutraulicher.
„Miauuu“
„Miez, miez miez“
Mit einem Satz springt sie auf Walküre’s Schoss.
Die ist nicht unbedingt erfreut.
„Ihhh, Katzenhaare“
Bevor ich eingreifen kann, befördert sie Miezka recht unsanft auf den Boden.
Die zieht beleidigt ab.
Soweit, so ungut.
Nächste Talkrunde.
„Wie viel Zucker in den Kaffee?“
„Möchtest du Sahne?“
Sahne ist das Stichwort.
Miezka auf dem Stuhl, Miezka auf dem Tisch, da ist sie fix.
Die Sahne ist ja auch sooooo verlockend.
Lotte wird jetzt ungehalten.
Das darf man nicht dulden, unhygienisch, außerdem, Tiere auf dem Tisch und bla
und bla und bla....
Lotte steigert sich in einen bühnenreifen Monolog mit zunehmender akustischer
Präsenz.
Nachdem sie sich beruhigt hat, Talkrunde Nummer drei.
Nach einiger Zeit beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie Miezka langsam wieder
ins Zimmer schleicht und sich’s auf Lotte’s Mantel häuslich einrichtet.
Vorsichtshalber habe ich für mich mal auf stumm geschaltet.
Und weiter geht der Smalltalk.
Nach einiger Zeit steht Miezka auf, buckelt sich leicht und setzt sich nur halb
hin.
Oh, diese Körperhaltung kenn ich....
Die Damen, in tiefen philosophischen Ausführungen darüber vertieft, wer alles
gestorben, verheiratet und geboren ist, bemerken nichts.
Nach einigen Sekunden steht Miezka wieder auf, zwei kurze Scharrer mit den
Hinterpfoten und weg ist sie.
Zurück bleibt auf dem Mantel ein feuchter, dunkler Fleck auf hellem Grund.
Sehr dekorativ.
Ich kann mir ein Grinsen fast nicht verkneifen.
Als Lotte später wieder geht, bemerkt sie den Fleck, ihr Gesicht nimmt die Farbe
eines gekochten Krebses an und sie rauscht, ohne sich von mir zu verabschieden,
ab.
Seitdem hab ich sie zweimal gesehen, aber aus einem mir unerfindlichen Grund
redet sie nicht mehr mit mir.
Auf der Rückfahrt erleuchtete der Heiligenschein um Miezkas Kopf das ganze
Fahrzeug.
Es kann aber auch ein Scheinheiligenschein gewesen sein.
geschrieben und zur Verfügung gestellt von
Mike d' Champicnac
Die Geschichten von Miezka sind jetzt auch als Buch zu haben, denn die hier präsentierten Erlebnisse sind ja nur ein Bruchteil von dem was Miezka und ihr Freund Mowgli zu berichten haben. Das Buch ist unter dem Titel "Miezkakatze und Mowglikater" erschienen und ist in den Onlineshops oder im Buchhandel erhältlich. Das Buch hat 284 Seiten, davon 25 Farbseiten, ist erschienen bei Books on Demand und hat die ISBN-Nummer 978-3-8370-9668-2
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![]() |
| Miezkakatze | Mowglikater |
![]() |
Oh, nein, nicht
noch eines! Noch ein Buch mit Tiergeschichten! Und ausgerechnete auch
noch über Katzen. Nun ja, wenigstens nicht allgemein über Katzen,
sondern im speziellen über meine Katzen. Was heisst hier eigentlich
„meine“ Katzen? Eine Katze gehört niemand, nur sich selbst. Wenn sie
eine haben, wissen sie was damit gemeint ist. Also lesen sie ruhig was
„meine“ zwei so alles erleben. Aber ojweh, sie haben ja schon bis
hierher gelesen. Wenn sie das jetzt in der Buchhandlung tun, haben sie
noch Zeit es zurückzulegen. Sollten sie aber dieses Vorwort zuhause
lesen, ist es leider zu spät. Denn dann haben sie es ja bereits gekauft.
In dem Fall können sie ruhig weiterlesen. Meistens sind es ja nur kurze Situationen, die sich in Minuten oder Sekunden abspielen. Es sind diese alltäglichen Situationen die das Zusammenleben mit einem dieser Stubentiger so interessant machen. Nun, nicht alles, was ich mit Miezka und Mowgli erlebt habe, ist alltäglich. Viele Erlebnisse ergeben sich daraus, dass ich an einer vielbefahrenen Strasse wohne. Daher hat es sich eingebürgert, dass die beiden nicht alleine rausdürfen. Ich gehe abwechselnd mit beiden nach draussen und dort sind sie angeleint. Nur im Seepark werden sie abgeleint. Die Personen, die in den Geschichten vorkommen, gibt es wirklich, aber ich habe aus persönlichen Gründen die meisten Namen verändert. Dieses Buch ist in drei Abschnitte geteilt: „Miezkas Abenteuer“, „Miezka und Mowgli“ und „Miezka erzählt“ In den Abschnitten „Miezkas Abenteuer“ und „Miezka und Mowgli“ sind reale Erlebnisse, die ich mit Miezka und Mowgli gehabt habe. Alle Geschichten sind in chronologischer Reihenfolge, so wie ich sie erlebt habe. „Miezkas Abenteuer“ beinhaltet Geschichten, die ich nur mit Miezka erlebt habe. „Miezka und Mowgli“ beinhaltet Geschichten, die ich mit beiden erlebt habe. „Miezka erzählt“ beinhaltet erfundene Geschichten. Mit einer Ausnahme haben alle Geschichten eine mehrzeilige Einleitung. Nach dem * beginnt die eigentliche Geschichte. Die erfundenen Geschichten im Abschnitt „Miezka erzählt“ sind auch dadurch gekennzeichnet, dass Miezka mit Mowgli oder Julies Kitten mit Worten reden. Einzig die Geschichte „Das Land am Rande der Zeit“ macht da eine Ausnahme. Denn so traurig es ist, so ist diese Geschichte bis zu dem Zeitpunkt, als die Dreisam Hochwasser führte und das Grab des Katerchens weggespült wurde, mir selbst im Sommer 2008 passiert. Eine Einleitung zu dieser Geschichte fand ich einfach unpassend und daher ist sie auch nicht unter den erfundenen Geschichten, sondern im Abschnitt „Miezkas Abenteuer“. Eigentlich hatte ich nicht vor, aus meinen Geschichten ein Buch zu machen. Nachdem jedoch eine Menge Leute die Geschichten für lesenswert befunden haben, habe ich mich doch breitschlagen lassen, dieses Unterfangen zu starten. Eine Anmerkung dazu sei mir noch gestattet. Ich habe mich befleissigt, der Rechtschreibung, der so genannten „neuen deutschen“, zu folgen. Ehrlich gesagt, halte ich diese für Humbug. Sollten sie also noch diesbezügliche Rechtschreibfehler entdecken, dann schenke ich sie ihnen. Meine Stubentiger kümmern sich auch nicht darum, sie haben gänzlich andere Interessen, z. B. meine Wenigkeit gehörig auf Trab zu halten. Unter den Menschen ist die Sklavenhaltung ja abgeschafft, aber bis zu den Fellnasen hat sich das noch nicht rumgesprochen. |
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