Eine Weihnachtsgeschichte
Von Rena Schachner

In der Küche lag ein kleines Kätzchen eingerollt auf der Fensterbank. Draußen kamen vom Himmel ganz kleine weiße Punkte auf die Erde. Es schneite! Drinnen, in der warmen Küche war das Frauchen damit beschäftig, Kekse zu backen. Im ganzen Haus duftet es herrlich nach Zimt und Vanille. Auch in den Räumen hatte sich einiges verändert. Im Wohnzimmer stand eine wunderschöne Krippe und viele kleine und große Engel schmückten den Raum. Es war Advent!

Das kleine Kätzchen fragte sich immer wieder: 'Advent? Was ist das?' Aber es war noch zu klein, als dass es eine Antwort darauf wusste. So vergingen einige Tage und kurz vor dem Weihnachtsfest, das kleine Kätzchen schlief gerade gemütlich in seinem Körbchen auf dem Sofa im Wohnzimmer, hörte es plötzlich eine Stimme: "Ach du kleines Kätzchen…" Sofort hob das Kätzchen sein Köpfchen, aber es sah niemanden. Es war keiner im Raum, kein Frauchen und kein Herrchen, denn die beiden saßen in der Küche und tranken so ein dunkles Zeugs, das die Zweibeiner 'Kaffee' nennen. Also rollte sich das kleine Kätzchen wieder ganz gemütlich zusammen und wollte weiterschlafen. Nach einer Weile hörte es wieder eine leise Stimme: "Kleines Kätzchen…." Wieder hob das Kätzchen den Kopf und schaute sich um, aber wie schon vorher, sah es niemanden. Alle Zweibeiner waren noch in der Küche. "Ich bin hier oben", flüsterte wieder die Stimme. So blickte das Kätzchen nun in die Richtung, aus der die leise Stimme kam. Aber in dem Regal rechts von ihm war nur eine wunderschöne Puppe. Das kleine Kätzchen glaubte wohl, es hätte geträumt und rollte sich wieder zusammen.

"Hallo, kleines Kätzchen, ich bin hier oben", flüsterte die leise Stimme wieder. Nun war das Kätzchen aber neugierig und stand von seinem Schlafplatz auf. Zuerst machte es einen großen Katzenbuckel und dann streckte es sich. "Hier oben", hörte das Kätzchen wieder die leise Stimme. Neugierig blickte es wieder zum Regal hin und tatsächlich, diese wunderschöne Puppe winkte dem kleinen Kätzchen zu.

"Miau, wer bist du?", fragte das kleine Kätzchen. Überrascht. "Ich", lächelte die Puppe, "Ich bin ein Engel". Das Kätzchen überlegte, denn das Wort 'Engel' hatte es schon einmal gehört und zwar, als die Zweibeiner die Zimmer schmückten und viele große und kleine Puppen aufstellten. "Miau, du bist ein Engel?", fragte das kleine Kätzchen verwundert. Der Engel lächelte es an und nickte: "Ja, ich bin ein Engel und jedes Jahr zur Adventzeit komme ich in dieses Zimmer." "Miau, du bist aber wunderschön", sagte das kleine Kätzchen, "und du kommst jedes Jahr?" Wieder lächelte der Engel dem kleinen Kätzchen zu: "Ja, jedes Jahr zur Adventzeit komme ich hierher, aber dich habe ich noch nie gesehen." Wieder streckte das kleine Kätzchen sich und ging dann noch vorsichtig einige Schrittchen zum Rand des Sofas hin. "Nun ja, ich wohne noch nicht so lange hier", sagte das kleine Kätzchen und überlegte lange. Da es nichts mehr sagte, fragte der Engel leise: "Möchtest du jetzt nicht mehr mit mir reden, habe ich dich so erschreckt?" "Miau. Nein, du hast mich nicht erschreckt", verlegen blickte sich das Kätzchen um, aber die Zweibeiner waren noch immer in der Küche. "Darf ich dich bitte was fragen?", miaute das Kätzchen ganz leise. "Natürlich, du kannst mich alles fragen, was du möchtest", flüsterte der Engel und lächelte das kleine Kätzchen aufmunternd an. "Weißt du, miau, irgendwie schäme ich mich ein bisschen", flüsterte das kleine Kätzchen verlegen. "Schämen, warum solltest du dich denn schämen", meinte der Engel verwundert. "Kannst du mir vielleicht erklären, was 'Advent' bedeutet?" Wieder lächelte der Engel das kleine Kätzchen an und meinte: "Da brauchst du dich doch nicht zu schämen, nur weil du nicht weißt, was 'Advent' bedeutet. Oh, wenn du wüsstest, wie viele Menschen das im Laufe der Zeit schon vergessen haben." "Wirklich?", fragte das kleine Kätzchen verwundert. "Ja, leider wissen die Menschen oft nicht mehr, was 'Advent' bedeutet." "Aber warum haben es die Menschen denn vergessen?", wollte das kleine Kätzchen wissen. "Ja, weißt du, in der heutigen Zeit ist vieles anders, als früher. Die Menschen haben viel mehr Stress und sind so hektisch geworden", erzählte der Engel. "Das ist aber schade", flüsterte das kleine Kätzchen traurig. "Ja, wirklich schade", meinte der Engel. "Aber kannst du mir vielleicht trotzdem erklären, was 'Advent' bedeutet", bettelte das kleine Kätzchen zögernd. "Natürlich gerne, ich freue mich ja, wenn in der heutigen Zeit sich noch jemand dafür interessiert", meinte der Engel erfreut. "Wirklich?", flüsterte das kleine Kätzchen und machte es sich auf dem Sofa noch gemütlicher, es legte sich hin, blickte wieder zum Engel auf und wartete. "Ja, das mache ich doch gerne" meinte der kleine Engel und fing an zu erzählen.

Das kleine Kätzchen hörte gespannt zu und erfuhr, was denn 'Advent' wirklich bedeutet. Der Engel sprach vom Frieden im Herzen, von der Liebe und dass sich die Menschen viel mehr Zeit für einander nehmen sollten. Er sprach von den vier Kerzen, die auf dem Adventkranz angezündet werden und vom Singen der Weihnachtslieder. Aber er sagte auch, dass viele Menschen einfach nicht mehr wissen, was Advent und Weihnachten wirklich bedeuten, nämlich dass der Advent dazu da ist, dass man sich auf das Weihnachtsfest vorbereitet. Der Engel erzählte dem kleinen Kätzchen auch vom Weihnachtsfest, der Geburt Christi und auch vom Christbaum und dem Christkind. "Leider", so sagte der Engel, "Haben viele Menschen im Laufe der Zeit einfach vergessen, was 'Advent' und 'Weihnachten' wirklich bedeuten. Dabei finde ich, dass der Advent die schönste Zeit und Weihnachten das schönste Fest im Jahr sind." "Ich danke dir, miau", flüsterte das kleine Kätzchen glücklich, "Jetzt weiß ich, was 'Advent' bedeutet und auch wie das mit Weihnachten ist." Der Engel lächelte und sagte: "Ich freue mich, dass ich dir von der schönsten Zeit im Jahr erzählen durfte und ich bin mir sicher, dass das Christkind auch für dich ein kleines Geschenk hat." "Wirklich, miau, das würde mich aber freuen, wenn das Christkind auch an mich denkt." "Natürlich", meinte der Engel. "Denn das Christkind bringt doch auch den kleinen braven Kätzchen etwas und du bist ein ganz braves." Erfreut strahlte das kleine Kätzchen den Engel an: "Ich danke dir, es war schön, dass du mir das alles erzählt hast".

Der Engel lächelte, da dem kleinen Kätzchen schon wieder die Äuglein zu vielen. "Schlaf, mein kleines Kätzchen und träum was Schönes." Gemütlich rollte sich das kleine Kätzchen wieder ein und träumte von der wunderschönen Adventzeit und vom Weihnachtsfest, vom Christkind und dem Christbaum.

 

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