Manchmal hat es den Anschein, als hätten Katzen neun Leben. Ihre Körper sind so elastisch und wendig, dass sie oft Stürze oder Verkehrsunfälle ohne Knochenbrüche oder ernste Gesundheitsschäden überleben. Aber nicht immer haben sie so viel Glück und deshalb ist es gut, sich auf Notfallsituationen vorzubereiten. Die im folgenden beschriebenen Maßnahmen und Handgriffe können dazu beitragen, das Leben einer verletzten Katze zu retten. Erste Hilfe-Maßnahmen sollten aber auch immer nur als solche betrachtet werden, sie ersetzen niemals einen Tierarztbesuch, sondern dienen nur zur Erstversorgung, bis sich das Tier in den fachkundigen Händen eines Tierarztes befindet.
Erste-Hilfe-Kasten für Katzen |
Wunden erstversorgen
| Blutung stillen | Verbände
Vergiftungen | Krampfanfälle
| Bewusstlosigkeit |
Fremdkörper
Puls, Atmung und Herzschlag
kontrollieren |
Temperatur messen | Künstliche Beatmung
Erste-Hilfe-Kasten für Katzen
Zur Aufbewahrung sollten Sie einen passenden Kasten (kleine Tiefkühlbox),
Tasche (Hygienebeutel) oder ähnliche Behälter benutzen, die leicht, wasserdicht
und handlich sind. Reinigen Sie alle Instrumente nach Gebrauch und ersetzen Sie
sie gegebenenfalls. 2 - 3 mal jährlich sollte die Funktionstüchtigkeit und
Einsatzfähigkeit der Instrumente und Materialien überprüft werden.
(Mindesthaltbarkeitsdaten, Batterien usw.). Sie sollten bedenken, Medikamente,
die für den Menschen gedacht sind, können bei Katzen tödliche Wirkung haben, wie
z. B. Aspirin. Experimentieren sie daher niemals mit Arzneimitteln, die nicht
vom Tierarzt verordnet wurden.
Instrumente und Präparate für den Erste-Hilfe-Kasten
Wunden erstversorgen
An häufigsten verwunden sich Katzen durch Kämpfe mit anderen Katzen. Stellt man
Blut im Katzenfell fest und kann die Ursache nicht finden, fährt man langsam mit
den Händen durch das Fell, um die Verletzung zu lokalisieren.
Maßnahmen:
1. Wundstelle reinigen und umliegendes Fell nötigenfalls abschneiden.
2. Blutung stillen und Wunde bandagieren
3. Schock vorbeugen, indem man die Katze mit Decken oder Wärmflasche warm hält.
4. Tierarzt anrufen und sofortige Untersuchung veranlassen.
| Art | Notmaßnahme | Dringlichkeit |
| Kleine Wunde, weniger oder nicht blutend | Mit verdünnter antiseptischer Lösung auswaschen, eiskalte Kompressen aufbringen und bandagieren. | * kann zu Hause behandelt werden |
| Blutende Wunde | Blutung stillen, mit verdünnter antiseptischer Lösung auswaschen und Druckverband anlegen. | *** ohne Verzögerung sofort den Tierarzt aufsuchen. |
| Tiefe oder große Wunden (länger als 2 cm) |
Mit antiseptischer Lösung reinigen, umliegendes Fell abschneiden und Druckverband anlegen. | *** ohne Verzögerung sofort den Tierarzt aufsuchen. |
| Wunde mit Hautverlust | Mit feuchter steriler Kompresse abdecken. | *** ohne Verzögerung sofort den Tierarzt aufsuchen. |
| Infizierte oder Bisswunde | Fell abschneiden, warme Bittersalzlösung auftupfen und nicht abdecken. | *** ohne Verzögerung sofort den Tierarzt aufsuchen. |
Blutung
stillen
Kleinere Schnittwunden können Sie selbst versorgen, hierzu die Wunde
mit einem feuchten Wattetupfer säubern, verklebtes Fell wegschneiden und ein
mildes Antiseptikum auftragen. Vaseline entlang des Wundrandes hält die
Behaarung von der Wunde fern. Stärkere Blutungen sollten wie unten dargestellt
zum Stillstand gebracht werden. Sollte die Blutung trotz der ergriffenen
Hilfsmaßnahmen nicht aufhören, schnellstmöglich mit der Katze zum Tierarzt!
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Zum Stillen der Blutung die Wunde mit einem kalten, nassen Verbandpolster abdecken und festdrücken (Druckverband). |
| Falls die Blutung nicht aufhört, sollten Sie das Polster mit einer Binde fixieren und ein weiteres Verbandpolster darüberlegen. |
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Zur Sicherung des Verbandes eine weitere feste Bandage anlegen. Bei starken Blutungen sollten Sie aber auf jeden Fall den Tierarzt aufsuchen. |
Verbände
Man wickelt die elastische Binde bei gleichbleibender Spannung so, dass 2/3
wieder überdeckt werden. Soll ein Bein bandagiert werden, muss der Verband die
Pfoten mit einschließen. Damit kann ein Blutstau mit Störungen der
Blutzirkulation im unteren Beinbereich vermieden werden.
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1. Die Wunde wird mit saugfähigem
Material (mindestens 1 cm dick) abgedeckt. |
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2. Danach mit elastischer Binde
umwickeln und mit Hansaplast fixieren. |
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Augenverband Ein saugfähiger Tupfer wird mit einer elastischen Binde fixiert, 3 - 4 mal um den Kopf gewickelt und mit Hansaplast befestigt. |
| Verband für eine Körperwunde Über eine saugfähige Auflage wird ein rechteckiges Stück Baumwolltuch gelegt, seitlich eingeschnitten und zusammengebunden. |
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Verband für eine Bein- oder
Pfotenwunde Watte zwischen die Zehen legen und saugfähige Auflage in der dargestellten Weise mit Pflaster befestigen. |
| Stützverband Die kranke Stelle mit Gaze polstern, danach zwei flache 1,5 cm breite Holzleistchen anbringen und bandagieren. |
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Druck und Abbindestellen zur
Blutstillung

Vergiftungen
Katzen sind durch eine ganze Reihe von Giften gefährdet und zwar auf zweierlei
Arten, das Fell einer Katze kann mit Giftstoffen in Berührung gekommen sein, die
die Katze beim Putzen ableckt. Oder die Katze kann bei der Jagd auf Nagetiere
unbeabsichtigt etwa Rattengift aufgenommen haben. Versuchen Sie nicht erst
lange, aufgrund der Vergiftungserscheinungen herauszufinden, um welches Gift es
sich handeln könnte, viele Vergiftungen ähneln sich im Erscheinungsbild.
Maßnahmen:
1. Vereinbaren Sie mit dem Tierarzt eine sofortige Untersuchung. Vergiftungen
dulden keinen Aufschub! Sollten Sie ein bestimmtes Mittel in Verdacht haben, das
für die Vergiftung verantwortlich ist, nehmen Sie es mit zum Tierarzt.
2. Baden Sie die Katze im Bedarfsfall sofort, verwenden sie hierzu ein mildes
Shampoo, spülen es dann gründlich aus und trocknen die Katze sorgfältig ab.
Behandlung:
Soweit angezeigt (siehe unten) oder auf Anweisung des Tierarztes bekommt die
Katze ein Brechmittel, um den Magen zu entleeren, oder ein
Schleimhautschutzmittel für Magen und Darm, eventuell auch ein Abführmittel.
Brechmittel kann ein erbsengroßes Stück Natriumkarbonat als Tablette, gesättigte
Kochsalzlösung oder Senflösung sein. Schleimhautschutzmittel sind Milch, rohes
Eiklar, Magnesiummilch und Olivenöl. Abführmittel sind Parafinöl und
Magnesiumsulfat.
Die häufigsten Gifte
| Gift | Verwendung | Äußere Anzeichen | Notmaßnahmen |
| Arsen | Pflanzenspray Rattengift |
Erbrechen Durchfall Lähmung |
Fell baden Brechmittel geben Schleimhautschutzmittel geben |
| Blei | Farben | Lähmung Nervenstörungen |
Auf den Tierarzt warten |
| Phosphor Thallium |
Rattengift | Erbrechen Durchfall |
Brechmittel geben |
| Phenol Kreosol Teerprodukte Terpentin |
Teer Holz- und Imprägnierungsmittel |
Verätzungen der Mundhöhle Erbrechen Krampfanfälle Koma |
Fell baden Schleimhautschutzmittel geben, vorzugsweise Milch |
| Aspirin | Humanmedizin | Erbrechen Leberschaden |
Brechmittel geben Schleimhautschutzmittel geben |
| Chlorierte Kohlenwasserstoffe (DDT usw.) |
Insektengift | Nervosität Speicheln Krampfanfälle |
Fell baden Auf den Tierarzt warten |
| Warfarin | Rattengift | Steifigkeit Durchfall Blutungen |
Auf den Tierarzt warten |
Krampfanfälle
Fast allen Krampfanfällen, Epilepsie eingeschlossen, sind charakteristische,
eigentümliche Erscheinungen gemein, das Kieferschlagen, Augenzittern, schaumiger
Speichelfluss, Ruderbewegungen, Harn- und Kotabgang und Kollaps mit
anschließender Bewusstlosigkeit.
Maßnahmen:
1. Sofort den Tierarzt anrufen.
2. Sicherstellen, dass die Katze ungefährdet liegt.
3. Die Katze liegen lassen, aber eventuelles Halsband lösen und sie mit einer
Decke warm halten. Danach nicht anfassen, bis der Anfall vorüber ist.
4. Äußere Einflüsse fernhalten, Lampen ausschalten, Vorhänge zuziehen sowie
Radio und Fernsehen abschalten.
5. Der Anfall sollte nicht länger als fünf Minuten dauern. Ist er vorüber, Maul
und Gesicht der Katze vom Schaum reinigen, evtl. Kot- und Harnabgang beseitigen.
6. Katze bis zur tierärztlichen Untersuchung in einem ruhigen und warmen Raum
halten.
Bewusstlosigkeit
Katzen können von Autos angefahren werden, Stürze aus größeren Höhen erleiden,
ohnmächtig werden oder unter Schock stehen. Falls Sie auf eine verletzte Katze
stoßen, können Sie ihr Leben wohlmöglich retten, falls Sie sachgerecht Hilfe
leisten. Bringen Sie die Katze auf jeden Fall schnellstmöglich zum Tierarzt, da
Erste Hilfe nur Erstversorgung bedeutet.
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Eine bewusstlose Katze sollten Sie zunächst aus dem Gefahrenbereich entfernen, um sie anschließend zu einem Tierarzt zu bringen. Eine flach unter der Katze ausgebreitete Decke ist eine gut geeignete Trage. |
| Plazieren Sie Decke und Katze mit Hilfe einer zweiten Person auf eine ebene Fläche. Falls die Katze unter Atemnot leidet, legen Sie sie mit nach unten geneigtem Kopf auf die Seite, öffnen Sie ihr Maul und ziehen Sie die Zunge nach vorn. Befreien Sie das Maul mit einem Tuch von Schleimabsonderungen. |
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Lassen Sie die Katze nicht länger als fünf bis zehn Minuten auf einer Seite liegen und flößen Sie ihr nichts ein. Bringen Sie die Katze in einem sicheren Behältnis zum Tierarzt. |
Fremdkörper in der Mundhöhle
Die Katze mit festem Griff halten, das Maul öffnen und den Unterkiefer mit einem
Finger nach unten drücken. Dann den Fremdkörper suchen, wenn nötig, mit einer
kleinen Taschenlampe und dann mit den Fingern oder einer kleinen Pinzette
entfernen. Lässt sich der Fremdkörper nicht lösen, den Tierarzt aufsuchen.
Fremdkörper im Auge
Auf keinen Fall zulassen, das die Katze versucht, sich selbst mit den Pfoten zu
helfen. Die Katze mit sicherem Griff festhalten, das Auge öffnen und genau
absuchen. Wenn der Fremdkörper die Augenoberfläche verletzt hat, niemals selbst
etwas unternehmen, allenfalls 1 - 3 Tropfen Olivenöl auftragen und sofort den
Tierarzt aufsuchen.
Fremdkörper in der Nase
Nicht versuchen, den Fremdkörper zu entfernen. Eine kalte Kompresse zur
Reizlinderung und zum Stoppen einer evtl. Blutung auflegen. Dann sofort den
Tierarzt aufsuchen.
Puls, Atmung und Herzschlag
kontrollieren
Pulsschlag
Den Pulsschlag kann man am besten an der Innenseite der Oberschenkel im
Umfeld der Gelenkverbindungen Oberschenke/Körper ertasten. Der Puls einer Katze
schlägt im Normalfall zwischen 110- und 140mal pro Minute und sollte
kräftig und regelmäßig sein.
Atmungskontrolle
Sind Atemzüge nicht feststellbar, Halsband lösen, Maul öffnen, Zunge nach
vorne ziehen, eventuelle Fremdkörper entfernen, Speichel, Blut oder Erbrochenes
abwischen und bei Bedarf künstlich beatmen.
Herzschlagkontrolle
Die Fingerspitzen werden an den unteren Bereich des Brustkorbes angelegt
(etwa in der Höhe des Vorderbeins). Wenn nötig Herzmassage durchführen, die
Herzgegend kräftig, aber vorsichtig (Rippenknochen können brechen) mit beiden
Händen massieren.
Temperatur messen
Haben Sie den Eindruck, dass Ihre Katze nicht in Ordnung ist,
empfiehlt es sich sie Körpertemperatur zu messen, die bei einer gesunden Katze
bei etwa 38,6 °C liegt. Geringe Temperaturabweichungen sind als normal zu
betrachten, eine Katze fiebert erst ab einer Temperatur von 39,2 °C. Bitten Sie
eine zweite Person, die Katze zu halten und verwenden sie ein Babythermometer.
Die Spitze des Thermometers wird eingefettet, der Schwanz der Katze hochgehalten
und das Thermometer langsam ca. 2 Zentimeter tief in den Anus eingeführt. Danach
wird das Thermometer ganz vorsichtig gedreht, bis die Spitze die Darmwand
berührt. Etwa eine Minute später das Thermometer wieder herausziehe und ablesen.
Künstliche Beatmung
Unter der Voraussetzung, dass die Katze nicht bewusstlos ist oder ihre
Hinterbeine oder Rückgrat verletzt sind, kann z. B. bei einer ertrunkenen Katze
versucht werden, sie einmal im Kreis zu schwingen, damit die Flüssigkeit und
Schleim aus der Luftröhre herausgeschleudert wird. Meist wird das nicht zu
machen sein, dann kann man eine künstliche Beatmung vornehmen. Ist die Katze
bewusstlos oder könnte sie Brustkorbverletzungen haben, ist die
Mund-zu-Mund-Beatmung anzuwenden. Der "Kuss des Lebens" (Mund-zu-Mund- bzw.
Mund-zu-Nase-Beatmung) kann bei Katzen angewendet werden wenn sie nicht mehr
atmen. Wegen der Form und Größe des Katzenmundes, hat die übliche Art der
Wiederbelebung kaum Erfolg. Wirkungsvoller ist, den Mund der Katze zu zuhalten
und fest in die Nase zu pusten indem man sie mit den Lippen ganz umfasst. Aber
zuerst muss man sich vergewissern, dass die Atemwege frei von Fremdkörpern sind!
- Das Einpusten sollte ca. 3 Sekunden dauern, mit 2 Sekunden Pause. Dieses
sollte wiederholt werden, bis jemand den Tierarzt verständigt hat.
| Künstliche Beatmung Beide Handflächen auf die Rippen des Brustkorbes legen und Druck ausüben, um die Luft aus den Lungen zu pressen (nicht zu fest drücken, da sonst die Rippenknochen brechen könnten). Den Druck sofort wieder zurücknehmen, damit die Lungen sich wieder ausdehnen und frische Luft aufnehmen können. Der Vorgang wird im Abstand von fünf Sekunden wiederholt. |
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Mund-zu-Mund-Beatmung Es muss absolut sicher sein, dass die Luftröhre frei ist, dann die Lippen auf die Nasenlöcher setzen und gleichmäßig 3 Sekunden lang Luft einblasen. Danach 2 Sekunden pausieren und den Vorgang wiederholen. |
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