Gedichte Seite 11
![]()
Wer möchte nicht ein Kätzchen
sein |
Ungeduld
| Mimi
Katzen kann man alles sagen
|
Begünstigte Tiere |
Liebe im Rosengarten
![]()
Wer möchte nicht ein Kätzchen
sein
Wer möchte nicht ein Kätzchen sein,
hat keine Schule, kein Latein,
braucht nicht zu rechnen, braucht nicht zu lesen.
Ach, die Kätzchen sind glückliche Wesen.
Spielen den ganzen Tag in der Sonne,
jagen sich um die Regentonne,
stossen sich, kugeln sich in den Sand,
linkerhand klapps, klapps rechterhand.
Ach, und sie können kein Hemdchen zerschleissen,
ach, und sie können kein
Hemdchen zerreissen,
höchstens, dass sie sich einmal kratzen,
aber dafür sind es auch Katzen.
Gustav Falke 11.01.1853 - 08.02.1916
deutscher Schriftsteller
![]()
Ungeduld
Denkt Euch, ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rot gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh;
denn es trug einen Sack,
der war gar schwer -
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war möchtet Ihr wissen?
Ihr Naseweise, Ihr Schelmenpack?
Meint Ihr er wäre offen, der Sack?
Zugebunden - bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin -
es roch so nach Äpfeln und Nüssen! (von Anna Ritter)
Das Christkindlein ruhte sich aus bei mir;
die Äuglein geschlossen - das Säcklein lag hier...
Da hat der Kalle sich rangemacht!
Hat heimlich sich eins in die Pfötchen gelacht
und fing an am Säckel zu beißen!
Das Christkindl schlief - war müde gar sehr...
da kam auf seinen drei Beinen daher
der Willie, um auch dran zu reißen! -
Sie waren ein Team - so einig wie nie
und schafften ein kleines Loch,
das neue Schwesterlein Ella war's, die
letztendlich in's Säckchen kroch!
Der Kalle erfasste ihr Hinterbein,
denn im Sack war es dunkel und leer...
die Stube war plötzlich voll Kerzenschein
und ein Glöckchen erklang von woher.
Da ist das Christkindl aufgewacht
und droht mit dem rosigen Finger!
"Geduld-Geduld" sagt es und lacht,
"was macht ihr Katzen für Dinger?"
Dann blinzelt es lustig und lächelt dazu
und wirft etwas in die Luft...
drei Katzenseelen fallen im Nu
in den Tiefschlaf von "Catnip-Duft"...
"Geduld ihr Drei - die Zeit kommt bald" -
und es hebt seine Last so schwer -
"Ich hab' es noch weit - und draußen ist's kalt -
doch ich sag Euch es weihnachtet sehr!"
per E-Mail von Hilke Breckwoldt-Laun
![]()
Mimi
Bin kein sittsam Bürgerkätzchen,
Nicht im frommen Stübchen spinn´ ich.
Auf dem Dach, in freier Luft,
Eine freie Katze bin ich.
Wenn ich sommernächtlich schwärme,
Schnurrt und knurrt in mir Musik,
Und ich singe, was ich fühle.
Heinrich Heine 13.12.1797 - 17.02.1856
deutscher Dichter und Journalist
![]()
Katzen kann man alles sagen
Auf der Treppe saß ein Mädchen,
ein graues Kätzchen auf dem Schoß.
"Dreimal drei ist zwölfundzwanzig",
flüsterte es ihm ins Ohr.
"Aber ja nicht weitersagen!"
Ernst sah es das Kätzchen an.
Keine Sorge! dacht ich, als ich's
im Vorübergehen vernahm.
Katzen kann man alles sagen.
Was man auch zu ihnen spricht,
sie verraten kein Geheimnis.
Katzen machen so was nicht!
Josef Guggenmos
2.07.1922 - 23.09.2003
dt. Lyriker und Kinderbuchautor
![]()
Begünstigte Tiere
Vier Tieren auch verheißen war,
Ins Paradies zu kommen;
Dort leben sie das ew'ge Jahr
Mit Heiligen und Frommen.
Den Vortritt hier ein Esel hat,
Er kommt mit muntem Schritten:
Denn Jesus zur Propheten-Stadt
Auf ihm ist eingeritten.
Halb schüchtern kommt ein Wolf sodann,
Dem Mahomet befohlen:
Laß dieses Schaf dem armen Mann,
Dem Reichen magst du's holen.
Nun, immer wedelnd, munter, brav,
Mit seinem Herrn, dem braven,
Das Hündlein, das den Siebenschlaf
So treulich mit geschlafen.
Abuherriras Katze hier
Knurrt um den Herrn und schmeichelt:
Denn immer ist's ein heilig Tier,
Das der Prophet gestreichelt.
Johann Wolfgang von Goethe
28.08.1749 - 22.03.1832
deutscher Dichter und Dramatiker
![]()
Liebe im Rosengarten
In einem Rosengarten
roch es nach Hasenbraten,
das roch die Katze ganz genau,
sie war rot und auch recht schlau,
denn diesen Hasen - sie kannte,
weil er vor ihr weg rannte,
wenn sie kam auf leisen Sohlen,
um sich eine Maus zu holen.
Der Hase saß oft vor dem Bau,
hielt Ausschau nach einer Hasenfrau.
Wenn die Katze kam geschlichen,
alle Hasen flüchtend wichen,
so ging das viele Jahre lang,
dem Hasen wurde Angst und Bang,
im schönen Rosengarten,
immernoch am Warten
auf die geliebte Hasenfrau.
Hörte nachts dann ein Miau,
er konnte kaum noch gehen,
auch nicht mehr richtig sehen,
hob die Pfoten hoch empor,
streichelte das Tier am Ohr.
Die beherzte Katze hielt recht stille,
dachte, sicher des Hasen letzter Wille,
küßte den Hasen auf den Mund,
lieb und zärtlich in nächtlicher Stund'.
Der Hase legte sich zur Seite,
die Katze suchte eilig das Weite.
Morgens fand die Frau im Garten
den Hasen, machte draus'nen Braten,
das roch die rote Katze,
wischte sich mit der Tatze
Tränen aus dem Angesicht,
vorbei die Rosengartengeschicht'.
Autorin: Heidrun Gemähling
http://www.lyrik-kriegundleben.de
![]()
| Auswahl Gedichte | Zum Anfang | Startseite Nordsternchens-Katzen |
|
Copyright 2005 www.nordsternchens-katzen.de |