Märchen Seite 2

Des Webers Frau und die Hexe
englische Fabel

Geschichte der Katze mit der Maus
Märchen aus tausend und einer Nacht

   
Der Löwe und die Katze
asiatische Fabel
Der Federkönig
Josef Haltrich


Des Webers Frau und die Hexe

Es waren einmal ein Weber und seine Frau, die lebten in Sutton-on-Trent in Nottinghamshire. Eines Tages ging der Weber nach Newark, um sein Leinen zu verkaufen, und ließ seine Kinder zu Hause und auch seine Frau, die krank im Bett lag. Nun lebte zu dieser Zeit in Sutton eine Hexe, die hatte einen Hass gegen die Frau des Webers. Kurze Zeit nachdem der Weber fort gegangen war, hörte eines der Kinder ein Geräusch, so als trappelte etwas die Treppe herauf und herunter. Das Kind öffnete die Tür unten an der Treppe, und da sah es eine große hässliche Katze. Und wie es sich auch mühte, es konnte sie nicht fangen. Als es versuchte sie zu packen, sauste die Katze die Treppe hinauf, sprang auf das Bett, in dem die arme Frau lag, und fuhr mit den Krallen nach ihr. Aber die Frau erhob sich und schlug die Katze nieder. Als nun der Weber von Newark zurückkam, erzählten ihm die Kinder von der Katze. Da wachte er die ganze Nacht über in einem alten Holzverschlag, denn die Katze kam und ging durch eine zerbrochene Fensterscheibe.

Eines Nachts kam die Katze herein, als der Weber am Feuer saß. Da hob er eine Ofengabel auf und schlug sie ihr über die Backe. Dann warf er sie zur Tür hinaus und meinte, sie wäre tot. Am Morgen aber, als er nach dem Körper der Katze sehen wollte, konnte er ihn nicht finden. Aber die Hexe hatte von der Zeit an immer ihr Gesicht eingebunden, und sie hatte keine Macht mehr, dem Weber oder seiner Familie Schaden anzutun.

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Geschichte der Katze mit der Maus

Man erzählt, o König!

Eine Katze ging einst in der Nacht auf Raub aus, lief aber die ganze Nacht in den Wiesen umher, ohne etwas zu finden. Da es heftig regnete und es sie sehr fror, suchte sie einen trockenen Zufluchtsort und ging auf ein Loch zu, welches sie in der Wurzel eines Baumes bemerkte, Als sie nahe daran war, roch sie eine Maus darin und kroch langsam an den Baum hin, um sie zu fangen. Da aber die Maus die Nähe der Katze merkte, schleppte sie schnell Erde herbei und verstopfte die Öffnung des Loches. Die Katze miaute gar jämmerlich und schrie: "Warum tust du dies, mein Freund? Ich suche Zuflucht bei dir, erbarme dich meiner und lass mich diese Nacht in deiner Höhle zubringen; ich bin alt, schwach und matt, kann mich nicht mehr bewegen; ich laufe schon die ganze Nacht auf dem Felde umher, habe mir oft den Tod gewünscht, um einmal meine Qualen los zu werden, und nun liege ich hier vor deiner Tür, krank vor Nässe und Kälte; ich bitte dich um Gotteswillen, beherberge mich im Gang deiner Höhle, ich bin arm und fremd; es heißt ja: Wer einen Fremden bei sich beherbergt, dem wird am Gerichtstage das Paradies als Wohnung angewiesen." Als die Maus das Flehen der Katze vernahm, sagte sie erschrocken; "Wie kann ich dir öffnen? Du bist doch mein natürlicher Feind und lebst nur von meinem Fleisch; ich fürchte deinen Verrat, du bist treulos von Natur, ich kann dir nicht glauben, ich kann dir ebenso wenig mein Leben anvertrauen, als man eine schöne Frau einem Wollüstling, einen Schatz einem Dieb, oder Holz dem brennenden Feuer anvertraut; auch sagt man: Von einer natürlichen Feindschaft, so schwach sie auch sein mag, ist doch starkes Übel zu erwarten."

Die Katze antwortete hierauf mit demütiger, rührender Stimme: "Was du sagst, mein Freund, ist wahr; ich leugne meine Sünden gar nicht, doch Gott verzeihe mir und verzeihe auch du mir vergangene Schuld, heißt es doch: Wer einem Geschöpfe seinesgleichen verzeiht, dem verzeiht auch Gott; ich war allerdings bisher dein Feind, doch nun suche ich deine Freundschaft; sagt man nicht: Willst du deinen Feind in einen Freund verwandeln, so erweise ihm Gutes; ich will nun einen festen Bund mit dir schließen und dir versprechen, dass ich dir nie etwas zuleide tun werde; ohnedies habe ich gar keine Kraft mehr dazu. Nimm nur meine Freundschaft an, vertraue auf Gott und versage mir deine Hilfe nicht!" Da sagte die Maus: "Wie soll ich mit einem Treulosen einen Bund schließen? Wie darf ich das tun, da doch unsere Feindschaft uns von Natur angeboren ist? Legte ich mich in deine Gewalt, so wäre es gerade, als wenn jemand seine Hand in den Mund einer Otter stecken wollte." Da sagte die listige Katze: "Mein Leben erlischt in mir, bald werde ich vor deiner Tür sterben, und du wirst die Schuld tragen, denn du hättest mich retten können; ich sage dir zum letzten Mal, wenn du mich einlässt, so werde ich dein wahrer Freund sein, stets für dich beten, und der Himmel wird dich dafür belohnen."

Bei diesen Worten wurde die Maus von Gottesfurcht ergriffen und dachte bei sich: Wer seinem Feind Gutes erweist, dem steht Gott gegen ihn bei; ich will nun im Vertrauen auf Gott diese Katze vom Untergang retten und mir dadurch himmlischen Lohn erwerben. Sie trat dann zur Katze heraus und schleppte sie in die Höhle: Die Katze machte sich schwer und stellte sich tot, so dass es der Maus sehr mühsam wurde, sie auf ihr Lager zu bringen. Nachdem die Katze ein wenig ausgeruht hatte, öffnete sie den Mund und klagte über Schwäche und Mattigkeit. Die Maus bemitleidete sie und redete ihr Mut ein. Die Katze aber kroch allmählich bis zur Öffnung der Höhle, um der Maus den Ausgang zu versperren, dann sprang sie auf sie los und fasste sie mit allen Vieren und biss sie, hierauf schleuderte sie sie in die Höhe und lief ihr wieder nach, Die Maus rief Gottes Hilfe an und sagte zur Katze: "Treuloser Freund, hältst du so den Bund, den wir geschlossen, und den Eid, den du geschworen? Ist das mein Lohn dafür, dass ich dich in meine Höhle hereingelassen und dir mein Leben anvertraut? Mit Recht sagt man: Wer dem Versprechen eines Feindes traut, der ist seines Lebens nicht mehr sicher und verdient den Tod; doch ich vertraue auf Gott, der wird mich retten." Während die Maus so zur Katze sprach, welche vorhatte sie zu zerreißen, kam ein Jäger mit Fanghunden herbei; einer derselben hörte das Geräusch in der Höhle, sprang munter heran in der Meinung, es sei ein Fuchs, der etwas zerreißen wolle, packte die Katze von hinten, und zog sie heraus und zerriss sie in Stücke. Die Maus aber kam ohne schwere Wunde davon, denn die Katze hatte sie in ihrem Schrecken losgelassen, und so bestätigt sich hier: Wer Mitleid hat, der wird auch (von Gott) bemitleidet; wer Unrecht handelt, dem geschieht auch Unrecht.

"Das ist's, o König, was dieser Katze geschehen, darum soll niemand sein Wort brechen und das ihm geschenkte Vertrauen missbrauchen, sonst geht es ihm auch so; wer aber Gutes übt, dem wird reicher Lohn. Doch betrübe dich nicht, o König, dein Sohn wird später wieder deinen Pfad wandeln und Buße tun. Dein gelehrter Wesir fürchtete sich aber, dir dies zu offenbaren, weil schon mancher durch seine Gelehrsamkeit sich große Gefahr zugezogen." Der König entließ die Traumdeuter hierauf gnädigst, ging nachdenkend in seine Wohnung und brachte die Nacht bei der geliebtesten und geachtetsten seiner Frauen zu.

Nach einigen Monaten, als sie die Merkmale der Schwangerschaft an sich wahrnahm, lief sie freudig zum König, um es ihm zu melden. Dieser rief höchst entzückt aus: So war mein Traum doch wahr! Gott wird mir auch ferner in allem beistehen." Er erwies von nun an seiner Frau viele Ehre und ließ ihr das schönste und beste Zimmer im Schloss einräumen. Sobald Schimas ins Schloss kam, teilte ihm der König seine Hoffnung, bald Vater zu werden, mit, und sagte: "Nun sind meine Wünsche erfüllt; ich hoffe, meine Frau wird einen Sohn gebären, der meinen Thron erben kann. Was sagst du dazu, Schimas?" Schimas schwieg und antwortete nichts. Da sagte der König: "Warum freust du dich nicht mit mir? Warum schweigst du? Ist dir das nicht angenehm?" Schimas verbeugte sich und sagte: "Mögest du lange leben, o König; warum sollte der in der Mittagshitze unter einem schattigen Baum Ausruhende, oder der Lechzende, welcher an klarem Wein oder frischem Quellwasser sich labt, sich nicht freuen? Noch größer, o König ist meine Freude mit dem, was dir Gott geschenkt, bin ich doch ein Diener Gottes und dein Diener. Doch sagt man: Von drei Dingen darf ein Verständiger nicht zu früh sprechen: von einem auf die Reise gehenden Kaufmann, bis er zurückkehrt; Von einem in den Krieg Ziehenden, bis er seinen Feind überwunden, und von einer Schwangeren, bis sie ihr Kind geboren; denn wisse, o König, wer von etwas spricht, ehe es da ist, dem geht es wie dem Einsiedler mit dem verschütteten Schmalz." Der König fragte: "Was ist das für eine Geschichte?" Da begann Schimas: Geschichte des Einsiedlers mit dem Schmalz

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Der Löwe und die Katze

In der Wüste wohnte einmal ein Löwe, der war schon so alt, dass er nicht einmal mehr das Fleisch, das ihm seine Söhne brachten, mit den Zähnen festhalten konnte. Und da nun auch viele Mäuse in der Wüste lebten, kamen sie heran, wenn der Löwe schlief, und zernagten die Fleischbrocken. Aber sie machten dabei einen solchen Lärm, dass der Löwe immer in seiner Ruhe gestört wurde. Da fragte der Löwe andere Tiere, die seine Hofleute waren, um Rat, wie man die Mäuse verjagen könne.

Da sagte der Fuchs: "Es ist eine Katze da. Befehlt ihr, jede Nacht hier Wache zu stehen." Also ließ der Löwe die Katze kommen und ernannte sie zu seinem Haushofmeister. - Und als die Mäuse die Katze sahen, schlichen sie sich davon, und der Löwe konnte jetzt ungestört schlafen. Die Katze aber wurde befördert. Doch die Katze war schlau und versetzte die Mäuse nur in Schrecken. Zubeißen aber tat sie nie, denn sie dachte, wenn ich die Mäuse ausrotte, dann braucht mich ja der Löwe nicht mehr und wird mich absetzen und aus seinem Dienst entlassen, und ich werde wieder arm sein wie zuvor.

Aber eines Tages musste sie zu ihrer kranken Mutter und übertrug ihrem Söhnchen alle Aufgaben. Und das Kätzchen fiel sofort über die Mäuse her, bis es keine mehr gab. Ja, da war die Mutter böse, als sie zurückkam, denn wenn es keine Mäuse mehr gab, da brauchte sie auch der Löwe nicht mehr. Und richtig, als der Löwe sah, dass es keine Maus mehr gab, da sagte er: "Liebe Katze, ich musste dir hohen Lohn zahlen, damit du mich vor den Mäusen beschützt. Aber jetzt, da es keine mehr gibt, brauche ich dich nicht mehr. Geh also wieder hin, wo du hergekommen bist." Das sagte der undankbare Löwe. Und die überschlaue Katze musste zurück in die Armut, weil ihr Söhnchen zu übereifrig gewesen war und noch nicht wusste, dass einen die großen Tiere nur solange umschmeicheln und befördern, solange sie einen brauchen.

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Der Federkönig


Es war einmal ein Paar arme Leute auf dem Feld und hatten auch ihr kleines Kind mit, das lag in einer Schaukel, die war aus Windeln und hing an vier Stecken. Auf einmal kam eine wilde Katze aus dem Wald, nahm das Kind und trug es fort in ihre Höhle. Sie tat ihm aber nichts zuleide, sondern pflegte es vielmehr, brachte ihm Kräuter, Wurzeln und Erdbeeren, so dass es keine Not litt.

Also wuchs es da auf, in der Höhle. Es war aber ein Knabe und wie der groß war, sprach die Katze zu ihm: "Nun sollst du die Königstochter heiraten!" - "Aber ich bin ja nackt", sprach der Knabe, "wie soll ich vor den König gehen!" - "Mache dir keine Sorgen, ich will dir gleich ein Kleid schaffen." Da lief die Katze in den Wald und hatte ein silbernes Pfeifchen, sie blies einmal und zischte und raschelte dann und alsbald kamen viele Vögel und wilde Tiere zusammen. Sie nahm von jedem Vogel eine Feder, machte daraus ein Kleid und brachte es dem Knaben. Dann führte die Katze ihn zu den Tieren und sprach: "Jetzt gehe zum König, diese Tiere müssen dir nachfolgen, dann sage beim Eintritt: "Herr König, der Federkönig schickt Euch dies Geschenk!" Also ging der Knabe in die Burg und sagte so, wie ihn die Katze gelehrt hatte.

Als der König die vielen Tiere sah, freute er sich und sprach: "Das muss ein reicher König sein!"

Den folgenden Tag schickte die Katze den Knaben wieder mit vielen Tieren hin, und er solle sagen: "Das ist wieder ein Geschenk vom Federkönig", und wenn der König sich verwundere und sage: "Wie lieb wäre es mir, wenn ein so reicher König meine Tochter zur Frau nähme", da solle er nur sprechen: "Ja, das werde der Federkönig gerne tun und nach drei Tagen werde er kommen und Hochzeit halten." Also geschah es, wie der Knabe in die Burg kam. Der König freute sich über das neue Geschenk und verwunderte sich sehr und sagte, wie er so sehr wünsche, dass ein so reicher König seine Tochter zur Frau nähme. Da antwortete der Knabe, wie ihn die Katze gelehrt hatte, der Federkönig werde das gerne tun und nach drei Tagen kommen und Hochzeit halten.

Als die Zeit um war, lief die Katze wieder in den Wald und blies auf dem silbernen Pfeifchen dreimal und zischelte und raschelte dreimal nach Katzenart. Da kamen alle Vögel und wilden Tiere zusammen, und die Katze wählte jetzt die schönsten und farbigsten Federn und machte daraus einen Mantel, der glitzerte und glänzte wie der Sternenhimmel, und gab ihn dem Knaben. Diesmal ging auch die Katze mit nach Hofe. Als sie nicht weit vom Schlosse waren, sprach sie zum Knaben: "Jetzt wirf dein altes Federkleid fort, ich bringe dir gleich schöne Kleider aus dem Schlosse. Denn den Federmantel sollst du nur zum Schmuck gebrauchen." Damit lief sie schnell ins Schloss und rief: "Nur schnell königliche Kleider her, der Federkönig kommt und ist in einen Sumpf gefallen, er braucht frische Kleider!" Da gab der König seine besten Kleider hin, und die Katze lief damit und brachte sie dem Knaben und kleidete ihn an.

Also kam er jetzt in die Burg, und ihm folgten alle Tiere nach. "Wie er aber eintrat ins Schloss, legte er den Federmantel um, der glitzerte und glänzte, dass man es kaum aushalten konnte. Da freuten sich der König und die Königstochter über den reichen Bräutigam. Als aber die Hochzeit vorüber war, sprach der König: "Ich möchte doch gerne dein Land und deinen Palast sehen, ich fahre mit!" Wie nun der Federkönig mit seiner jungen Frau im Wagen saß, sah er immer auf seine schönen Kleider und nicht auf seine Frau. Das merkte die Katze, sprang ihm in den Nacken, und tschack! kratzte sie ihn einmal. "Siehe doch auf deine Frau!" flüsterte sie, "wenn du aber dich wieder vergisst und man dich fragt, warum du immer auf deine schönen Kleider schauest, so sage, du habest daheim viel schönere." Damit lief die Katze fort und war immer voraus. Der Federkönig sah bald wieder auf seine schönen Kleider. Da fragte ihn die junge Frau: "Warum das?" Er antwortete: "Ich habe daheim viel schönere."

Nun kam die Katze zu einer großen Schafherde. Sie lief zum Hirten, sprang ihm in den Nacken, und tschack! kratzte sie ihn einmal, dass ihm das Blut floss. "Wenn man dich fragt, wem diese Herde gehöre, so sprich: "Dem Federkönig! - sonst komme ich wieder und zerkratze dich ganz." Als nun der König und das junge Paar hinkamen, fragte der König den Hirten: "Wem gehört denn diese schöne Herde?" Der Hirt sprach: "Die gehört dem Federkönig", denn er wollte nicht noch einmal so gekratzt werden. "Ja, die ist mein", sagte gleich der Knabe, denn er merkte, das habe die Katze so angestellt.

Bald darauf kamen sie zu einer großen Büffelherde. Die Katze war aber schon da gewesen und hatte den Hirten auch einmal gekratzt und ihm gesagt, wenn er nicht spreche, die Herde gehöre dem Federkönig, so werde sie ihn ganz zerkratzen. Als nun der König fragte: "Wem gehört denn die schöne Herde?" so sprach der Hirte: "Na, die gehört dem Federkönig", denn er wollte nicht noch einmal zerkratzt werden. "Ja, die ist mein", sagte der Junge im Wagen, und der König wunderte sich sehr und sprach: "Ich hätte doch nie geglaubt, dass du so reich wärest!" Also kamen sie auch zu einer Rossherde. Auch da war die Katze schon gewesen und hatte den Hirten gekratzt und ihm gesagt, wie er sprechen müsse, und als der König fragte: "Wem gehört denn die große Rossherde?" so sprach er: "Na, dem Federkönig!", denn er wollte nicht noch einmal gekratzt werden. "Ja, die ist auch mein!" sagte der Junge im Wagen. "Jetzt glaube ich, dass du viel reicher bist und auch daheim alles viel schöner haben wirst als ich!" sprach der König.

Endlich gelangten sie in das Schloss des Zauberers. Da war alles von Gold und Silber, Kristall und Edelsteinen, auf das schönste geordnet, und der Tisch stand gedeckt. Sie setzten sich gleich und aßen. Die Katze aber blieb vor der Türe und hielt Wache. Nur einmal kam der Zauberer und polterte und lärmte: "Räuber in meinem Schloss, an meinem Tisch! Aha! wehe euch!" Die Katze aber stand in der Türe und ließ ihn nicht ein und sprach: "So sage mir nur erst, bist du wirklich der große Zauberer, für den man dich hält? Man erzählt, du könntest dich in was immer, in große und kleine Tiere verwandeln!" - "Ja, das ist mir eine Kleinigkeit!" sprach er und verwandelte sich gleich in einen Löwen. Da fürchtete sich die Katze und sprang aufs Dach. "Das ist wohl gegangen!" rief die Katze: "nun aber möchte ich sehen, ob du dich in ein kleines Tier, in eine Maus verwandeln kannst, das ist gewiss schwer und dir nicht möglich!" Sogleich verwandelte sich der Zauberer in eine Maus, und im Nu sprang die Katze vom Dache herunter auf die Maus und zerriss sie.

Nun rief sie den Jungen aus dem Saal heraus und sprach: "Meiner Hilfe bedarfst du nicht weiter, das Schloss und alles, was darin und darum ist, und die großen Herden, die du gesehen, sind nun wirklich dein, denn ich habe den Zauberer, dem das alles gehörte, umgebracht! Jetzt aber verlange ich von dir einen Dienst. Nimm dein Schwert und schlage mir das Haupt ab." Aber der Junge wollte nicht und sprach: "Wie könnte ich so undankbar sein!" - "Wenn du es nicht gleich tust, so kratze ich dir die Augen aus ." Da nahm er ein Schwert, und auf einen Hieb flog das Haupt fort. Aber siehe, da stand auf einmal eine wunderschöne Frau. Der Junge nahm sie gleich an den Arm und führte sie hinein an die Tafel und sprach: "Das ist meine Mutter!" Die Frau aber gefiel dem alten König sehr, und weil seine erste Gemahlin gestorben war, so nahm er ihre Hand und sprach: "Sollen wir nicht auch die Hochzeit feiern?" Sie war nicht dawider, und so dauerte das Fest noch acht Tage. Darauf zog der alte König mit seiner neuen Frau heim. Der Junge aber mit der Königstochter blieb im Zauberschloss und war reicher als sieben Könige.
 

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