Märchen Seite 3

Als die Katze nicht zu Hause war
nordamerikanische Fabel
Die Katze und die Frau
afrikanisches Märchen
   
Die wertvolle Katze
finnisches Märchen
Wer hängt der Katze die Schelle an
europäische Fabel


Als die Katze nicht zu Hause war

 

Den ganzen Tag ging es in Küche und Speisekammer hoch her, denn die Katze war nicht zu Hause, und die Mäuse vergnügten sich mit allerlei munteren Spielen. Dann aber kam die Katze zurück.
 

"Vorsicht, die Katze", wisperte Vater Maus. "Schnell, versteckt euch", befahl Mutter Maus, und alle Mäuse - mit einer Ausnahme - schlüpften hastig in die Ritzen der Wandtäfelung. Die Ausnahme war ein etwas exzentrischer Mäusejunge namens Mervyn, der einmal keck eine Bulldogge ins Ohr gezwickt hatte und mit heiler Haut davongekommen war. Er hatte nicht gewusst, und es auch später nie erfahren, dass die Bulldogge ausgestopft war, und so wiegte er sich in süßen Illusionen.

 

Es spielt keine Rolle, wo die Katze - ihr Name war übrigens Kralletta - den Tag verbracht hatte. Jedenfalls kam sie zurück und sah mit Erstaunen, dass Mervyn in der Speisekammer saß und seelenruhig an einer Käserinde nagte. Sie näherte sich ihm auf leisen Sohlen und wusste nicht, wie ihr geschah, als er sich plötzlich umdrehte, ihr eine Käsekrume ins Auge spuckte und sie mit unglaublichen Beleidigungen überschüttete. "Wer hat dich denn aus dem Sack gelassen?" erkundigte sich Mervyn kaltblütig. "Geh hier nicht um den heißen Brei herum, sondern zieh dein Pyjama an und mach ein Schläfchen." Mit der blasiertesten Miene von der Welt wandte er sich wieder seiner Käserinde zu.


Bleib ganz ruhig, Kralletta, ermahnte sich die Katze. Das ist bestimmt irgendein fauler Trick. Vielleicht will diese Maus den Märtyrer spielen und hat Gift geschluckt, in der Hoffnung, dass ich sie fresse und daran sterbe. Dann würde sie auf Generationen hinaus in den Augen ihrer Nachkommen als Held dastehen. Mervyn blickte über die Schulter auf die ratlose, misstrauische Katze und fing an, sie mit der piepsenden Stimme eines Mausekindes zu verhöhnen. "Du großer Gott", sagte "die Katze ist von der Polizei, und sie hat's auf mich armes Würstchen abgesehen." Er schlenkerte frech mit einem Bein. "Na komm, fang mich doch", forderte er Kralletta auf.
 

Sachte mein Mädchen, sagte sich Kralletta. Zweifellos ist das eine Attrappe, eine mechanische Maus mit eingebauter Stimme. Wenn ich sie anspringe, wird sie explodieren und mich in tausend Stücke zerreißen. Sind ja verflixt kluge Tiere, diese Mäuse, aber mich können sie nicht hereinlegen. "Wenn du etwas Mark in den Knochen hättest, könnte man aus dir eine leckere Suppe kochen", verkündete Mervyn mit großer Frechheit. Aber trotz dieser unverzeihlichen Beleidigung schlug Kralletta nicht mit ihren Krallen zu. Stattdessen drehte sie sich um, stolzierte ins Wohnzimmer hinüber, legte sich auf ihr Kissen am Kamin und schloss die Augen.


Als Mervyn in seinem Heim, der Wandtäfelung, erschien, waren seine Eltern, seine Brüder und Schwestern, Vettern und Basen, Onkel und Tanten höchst erstaunt, ihn heil und gesund wieder zu sehen. In ihres Herzens Freude veranstalteten sie ein großes Familienbankett, bei dem der allerfeinste Käse serviert wurde. "Sie hat sich nicht getraut, mir etwas zu tun", prahlte Mervyn. "Kein Haar hat sie mir gekrümmt. Ich könnte es mit allen Katzen in den Catskillbergen aufnehmen." Er verzehrte seinen Käse, ging zu Bett und schlief sofort ein.
 

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Die Katze und die Frau

Vor langer, langer Zeit lebte die Katze nicht in den Häusern der Menschen, sondern wild im Busch. Sie fühlte sich aber einsam und dachte, sie wolle sich einem starken und mächtigen Wesen anschließen. Zuerst schloss sie Freundschaft mit dem Hasen und begleitete ihn überall hin.

Eines Tages aber bekam der Hase Streit mit einem Hirsch; dieser kämpfte gegen den Hasen und tötete ihn mit dem Geweih. So zog die Katze mit dem Hirsch weiter. Eines Tages aber sprang aus einem Hinterhalt ein Leopard auf den Hirsch und brachte ihn um. Die Katze gedachte, sich an den Leoparden zu halten; als dieser sich aber an dem Fleisch des Hirschs gütlich tun wollte, erschien ein Löwe und vertrieb den Leoparden mit ein paar Prankenhieben. So lebte die Katze mit dem Löwen zusammen und glaubte, endlich den mächtigsten Begleiter gefunden zu haben. Eines Tages aber stießen Löwe und Katze auf eine Elefantenherde. Die Katze kletterte geschwind auf einen Baum, der Löwe jedoch wurde von den Elefanten zertrampelt. Die Katze dachte: "Größere und stärkere Tiere als die Elefanten gibt es nicht. Mit ihnen muss ich Freundschaft schließen." Die Katze überlegte noch, wie sie das anstellen sollte, als ein Jäger aus einem Busch heraus einen giftigen Pfeil auf den Elefanten abschoss: Tot sank dieser zu Boden und die restliche Herde raste in panischem Schrecken davon. Die Katze, immer noch auf dem Baum, dachte weiter nach: "Dieses seltsame zweibeinige Wesen sieht zwar nicht besonders stark aus - aber es hat doch den Elefanten überwunden. Ich muss versuchen, mit diesem Fremdling Freundschaft zu schließen."

Also folgte sie, wenn auch in sicherem Abstand, dem Jäger bis zu dessen Haus. Sie wartete schüchtern einstweilen vor dem Haus, als der Jäger hineinging. Bald war aus dem Hause fürchterliches Schreien und Schimpfen zu hören: Die Tür flog auf, und heraus rannte der Jäger, hinter ihm drein die Frau, die ihn mit einer Holzkelle schlug. Da sagte sich die Katze: "Nun endlich habe ich das stärkste aller Lebewesen gesehen, dasjenige vor dem sich auch jener, der den Elefanten überwunden hat, fürchtet! Mit diesem Wesen will ich zusammenleben!" Und ging ins Haus und in die Küche.

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Die wertvolle Katze


Es war einmal ein reicher Bauernhof. Tagsüber arbeiteten auf ihm die Leute und nachts kam das Glück und säte und pflügte. Einmal kam ein armer Mann vorbei und wunderte sich, dass dort auch nachts gearbeitet wurde. "Wer pflügt hier?", fragte er. "Das Glück", erhielt er zur Antwort. "Wo ist nur mein Glück? Es arbeitet nicht für mich und so muss ich arm sein." "Es liegt dort in der Rübengrube" Der Arme ging zur Grube und schimpfte: "Du ruhst hier aus und hilfst mir gar nicht!" "Tu du das, was du kannst, dann werde ich dir auch helfen", entgegnete sein Glück. "Womit soll ich denn handeln? Ich habe doch kein Geld!" "Nimm die Katze dort und bringe sie in das Land, wo es überhaupt keine Katzen gibt", riet das Glück.

Er nahm die Katze und machte sich auf den Weg. Erst mit dem Schiff und dann zu Fuß. Als er auf einem Bauernhof übernachten wollte, sagte man ihm, dass man gar keinen Platz habe. "Wir haben nur die Scheune, in der so viele Ratten und Mäuse rumlaufen, dass sie dich auffressen würden!" Weil er aber seine Katze im Sack hatte, fürchtete er sich nicht und bat dort nächtigen zu dürfen. Schließlich willigten die Bauern ein. Er ließ die Katze frei, die tötete die ganzen Mäuse und Ratten und als er am Morgen erwachte, lag ein großer Berg dort.

Am Morgen kam einer von den Bauern und wollte nach ihm sehen. Wie überrascht war er da, als er sah, dass die Katze auf der Brust des Mannes lag und vor sich hin schnurrte. Und wie staunte er erst, als er den großen Haufen sah.

Schnell lief er ins Haus zu seiner Familie und erzählte von dem Wundertier. Alle kamen dann angerannt, um das Wunder mit eigenen Augen zu sehen. "Was ist das für ein Tier", fragten sie. "Eine Katze", antwortete der Arme. "Sie tötet alle Mäuse und Ratten!" "Verkauf sie uns, guter Mann!" "Ich würde sie schon verkaufen. Aber sie kostet so viel, wie ihr nicht zahlen könnt!" "Wie viel denn?" "So viel Silber wie unter der Katze Platz hat, wenn ich sie am Schwanz hochhebe und hängen lasse." Die Bauern brachten mehr und mehr Silber herbei. Der Haufen mit dem Silber wuchs und wuchs.

Und so kam der Arme gut begütert nach Hause und fing einen schwunghaften Handel an. Das Glück half ihm weiter und bald war er reicher als der reiche Bauernhof, auf dem er das erste Mal von seinem Glück erfahren hatte.

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Wer hängt der Katze die Schelle an


Die Mäuse hielten einmal eine Volksversammlung, um sich zu beraten, wie sie den Nachstellungen der Katzen entgehen sollten. Da war aber guter Rat teuer, und vergebens rief der Vorsitzende die erfahrensten Mäuse der Gemeinde auf, bis endlich ein junger Mäuserich zwei Finger emporstreckte und um Erlaubnis bat zu sprechen.

Als diesem nun das Wort gegeben ward, setzte er an und sprach: "Ich habe lange darüber nachgedacht, warum uns die Katzen so gefährlich sind. Das liegt nicht sowohl an ihrer Geschwindigkeit, wovon so viel Wesens gemacht wird; würden wir sie zur rechten Zeit gewahr, so wären wir wohl behände genug, in unser Loch zu entspringen, ehe sie uns etwas anhaben könnten. Ihre Überlegenheit liegt vielmehr in ihren samtenen Pfoten, unter welchen sie ihre grausamen Krallen so lange zu verbergen wissen, bis sie uns in den Tatzen haben. Denn da wir den Schall des Katzentritts nicht vernehmen, so tanzen und springen wir noch unbesorgt über Tische und Bänke, wenn der Todfeind schon heranschleicht und den Buckel zum Sprunge krümmt, uns zu haschen und zu erwürgen. Darum ist meine Meinung, man müsse den Katzen eine Schelle anhängen, damit ihr Schall ihre Nähe verkünde, bevor es zu spät ist."

Dieser Vorschlag fand so großen Anklang, dass er alsbald zum Beschluss erhoben ward. Es fragte sich jetzt nur noch, wer es übernehmen solle, der Katze die Schelle anzuhängen. Der Vorsitzende meinte, hierzu werde niemand geeigneter sein als derjenige, der so schlauen Rat erdacht habe. Da geriet der junge Mäuserich in Verlegenheit und stotterte die Entschuldigung heraus, hierzu sei er zu jung, er kenne die Katze nicht genug; sein Großvater, der sie besser kenne, werde dazu geschickter sein. Dieser erklärte aber, eben weil er die Katze zu gut kenne, werde er sich wohl hüten, einen solchen Auftrag zu übernehmen. Auch sonst wollte sich niemand hierzu verstehen, und so blieb der Beschluss unausgeführt und die Herrschaft der Katzen über die Mäuse ungebrochen.
 

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