Märchen Seite 4

Der Herr Per
norwegisches Märchen
Das Kätzchen und die Stricknadeln
Ludwig Bechstein
   
Wie ein trauriger Prinz, dem niemand...
indisches Märchen
Von dem Wolf und den Maushunden
Ludwig Bechstein

Der Herr Per

Es war einmal ein armes Ehepaar, das hatte drei Söhne. Wie die beiden ältesten hießen, weiß ich nicht, aber der jüngste hieß Per. Als die Eltern gestorben waren und die Kinder sich in die Erbschaft teilen wollten, war nichts da als ein Topf, ein Kuchenblech und eine Katze. Der älteste, der das Beste haben sollte, nahm den Topf. "Wenn ich den ausleihe, bleibt noch immer etwas für mich auszuschrapen drin", sagte er. Der zweite nahm das Kuchenblech. "Wenn ich das ausleihe, bleibt doch immer etwas für mich abzukratzen dran", sagte er. Für den jüngsten blieb nichts anderes übrig als die Katze. "Wenn ich die ausleihe, bekomme ich nichts dafür", sagte er, "und wenn man ihr auch ein wenig Milch gibt, so schleckt sie sie selbst." Er nahm aber doch die Katze, denn sie jammerte, und er wollte sie nicht umkommen lassen.

Hierauf wanderten die Brüder fort in die Welt, um ihr Glück zu versuchen, und jeder zog seine Straße. Als der jüngste eine Weile gegangen war, sagte die Katze: "Es soll dir nicht leid sein, dass du mich nicht in der alten Hütte hast umkommen lassen. Ich werde in den Wald gehen und allerlei Getier fangen, das sollst du zum König auf das Schloss tragen, das du dort siehst, und sagen, du brächtest ihm ein kleines Geschenk. Wenn er dich dann fragt, von wem das ist, sollst du sagen: 'Das ist von dem Herrn Per'." "Hierauf lief die Katze in den Wald und kam bald mit einem lebendigen Rentier zurück; dem war sie auf den Kopf gesprungen, hatte sich zwischen die Hörner gesetzt und gesagt: "Wenn du nicht geradewegs zu des Königs Schloss gehst, kratze ich dir die Augen aus." Da wagte das Rentier auch nicht, etwas anderes zu tun, als die Katze ihm gesagt hatte. Wie Per nun zu dem Schloss kam, ging er mit seinem Tier in die Küche und sagte: "Ich komme, um dem König ein kleines Geschenk zu überbringen, wenn er es nicht verschmähen wollte."

Als man das dem König meldete, kam er sogleich in die Küche, und wie er das große, schöne Rentier erblickte, war er darüber außerordentlich erfreut. "Mein lieber Freund", sagte er zu Per, "wer ist es, der mir ein so schönes Geschenk sendet?" - "Oh, das ist der Herr Per", versetzte der Bursche. "Der Herr Per?" fragte der König, "wo wohnte er doch gleich, dieser Herr Per?" Denn es deuchte ihm eine Schande, dass er einen solchen Mann nicht kennen sollte. Aber der Bursche wollte es ihm nicht sagen - sein Herr habe es ihm verboten, sagte er. Darauf gab der König ihm ein gutes Trinkgeld und bat ihn, seinen Herrn von ihm zu grüßen, und er ließe sich auch vielmals bedanken.

Am nächsten Tag lief die Katze wieder in den Wald, sprang einem Hirsch auf den Kopf, setzte sich ihm zwischen die Augen und zwang ihn ebenfalls, nach des Königs Schloss zu gehen. Als Per damit in die Küche trat, sagte er wieder, er komme, um dem König ein kleines Geschenk zu überbringen, wenn er es nicht verschmähen wollte. Der König freute sich über den Hirsch noch mehr als über das Rentier und fragte, wer es denn sei, der ihm ein so schönes Geschenk sende. "Das ist der Herr Per", sagte der Bursche. Als aber der König wissen wollte, wo der Herr Per wohne, bekam er wieder dieselbe Antwort wie am vorigen Tag, und diesmal gab er Per ein noch größeres Trinkgeld.

Am dritten Tag kam die Katze mit einem Elentier an. Als Per in die Küche auf dem Schloss kam und sagte, er brächte dem König ein kleines Geschenk, wurde es dem König sogleich gemeldet. Wie dieser nun das große, schöne Elentier erblickte, war er darüber außer sich vor Freude, und diesmal gab er Per ein noch viel größeres Trinkgeld, es waren gewiss hundert Taler.

Nun wollte der König aber durchaus wissen, wo der Herr Per wohne, und er forschte und fragte auf alle mögliche Weise; aber Per entgegnete, er dürfe es nicht sagen, denn sein Herr habe es ihm so streng verboten. "So sage denn dem Herrn Per, ich ließe ihn bitten, mich zu besuchen", sagte der König. Ja, entgegnete der Bursche, er wollt's wohl bestellen.

Als Per darauf zu der Katze kam, sagte er: "Na, du hast mich ja in eine schöne Patsche gebracht! Nun will der König, dass ich ihn besuchen soll, und ich habe ja nichts anderes anzuziehen als diese Lumpen da." - "Oh, sei deswegen nicht bekümmert!" sagte die Katze. "In drei Tagen sollst du Pferde und Wagen und so schöne Kleider bekommen, dass das Gold heruntertröpfelt; dann kannst du den König besuchen. Aber was du auch beim König siehst - du musst immer sagen, du hättest es noch weit schöner und prächtiger zu Hause; das darfst du nicht vergessen." Nein, Per wollt's nicht vergessen.

Als nun die drei Tage um waren, kam die Katze mit Wagen und Pferden und Kleidern und allem, was Per brauchte. Das alles war so prächtig, wie es noch nie jemand gesehen hatte. Nun fuhr Per zum Schloss, und die Katze lief hinter ihm her. Der König empfing den Burschen sehr freundlich, aber was er ihm auch zeigen und anbieten mochte, so sagte Per immer, ja, das sei alles recht gut, aber er hätt's doch noch weit schöner und prächtiger zu Hause. Das wollte dem König nun gar nicht gefallen, aber Per blieb dabei. Zuletzt wurde der König so verdrießlich, dass er nicht länger an sich halten konnte. "Nun will ich mit dir reisen", sagte er, "und sehen, ob es wahr ist, dass du alles so viel besser und schöner hast als ich. Aber gnade dir Gott, wenn du lügst! Mehr sage ich nicht." - "Ja, nun hast du mich schön in die Tinte gebracht!" sagte Per zu der Katze, "nun will der König mit in mein Haus kommen, aber das ist wohl nicht gut zu finden." - "Mach dir darum keine Sorgen!" sagte die Katze. "Ich werde vorauslaufen, und folge du mir dann nur immer nach." Darauf brachen sie auf. Die Katze voran, danach Per und dann der König mit seinem ganzen Hofstaat.

Als sie nun ein gutes Ende gefahren waren, kamen sie zu einer großen Herde Schafe, die hatten so lange Wolle, dass sie bis an die Erde hing. "Wenn du sagst, dass diese Schafherde dem Herrn Per gehört, so gebe ich dir diesen silbernen Löffel", sagte die Katze zum Hirten - den Löffel aber hatte sie mit aus dem Königsschloss genommen. Ja, das wollte der Hirte wohl tun. Als nun der König gefahren kam, rief er: "Ei, ei! Hab ich doch nie eine so große, schöne Schafherde gesehen! Wem gehört die, kleiner Bursche?" - "Die gehört dem Herrn Per", sagte der Bursche.

Nach einer Weile kamen sie zu einer schönen, großen Herde scheckiger Kühe, die waren so fett, dass sie glänzten. "Wenn du sagst, dass diese Herde dem Herrn Per gehört, wenn der König dich fragt, so gebe ich dir diesen silbernen Handzuber", sagte die Katze zu dem Mädchen, das das Vieh trieb - den Zuber aber hatte die Katze auch aus dem Schloss mitgenommen. "Ja, recht gern!" sagte das Mädchen. Als nun der König gefahren kam, wunderte er sich sehr über die große, schöne Herde; eine so schöne Viehherde, meinte er, habe er noch nie gesehen; und als er das Mädchen fragte, wem das Vieh gehöre, sagte sie: "Oh, das gehört alles dem Herrn Per."

Ein Stück weiter trafen sie eine große, schöne Trift Pferde an, es waren die schönsten Pferde, die man sich vorstellen konnte - alle waren sie groß und fett, und von jeder Farbe waren sechs, rote, fahle und blaue. "Wenn du sagst, dass diese Pferdetrift dem Herrn Per gehört, wenn der König dich fragt, so gebe ich dir diesen silbernen Becher", sagte die Katze zum Hirten - den Becher hatte sie auch aus dem Schloss mitgenommen. Ja, der Bursche wollt's wohl sagen. Als der König nun ankam, war er ganz verwundert über die große, schöne Pferdetrift; denn solche Pferde habe er noch nie gesehen, sagte er, und als er den Burschen fragte, wem alle die roten und fahlen und blauen Pferde gehörten, sagte der: "Die gehören alle dem Herrn Per."

Als sie nun ein gutes Ende weiter gereist waren, kamen sie zu einem Schloss. Die erste Pforte war von Messing, die zweite von Silber und die dritte von Gold. Das Schloss selbst war von Silber und so blank, dass einem die Augen wehtaten, wenn man es ansah, und als sie ankamen, schien gerade die Sonne darauf. Die Katze hatte dem Burschen unbemerkt ins Ohr geflüstert, er solle sagen, das sei sein Schloss. Drinnen im Schloss aber war's noch viel prächtiger als draußen. Alles war hier von Gold, die Stühle, die Tische und die Bänke. Als nun der König herumgegangen war und alles von unten und von oben genau betrachtet hatte, da wurde er ganz beschämt. "Ja, der Herr Per hat alles viel prächtiger als ich", sagte er, "man kann es nicht leugnen." Und damit wollte er wieder fortreisen. Per bat ihn jedoch, er möchte doch bleiben und bei ihm zu Abend essen. Na, das tat denn der König auch; aber er sah die ganze Zeit sauer aus.

Während sie nun bei Tische saßen, kam der Troll, dem das Schloss gehörte, und klopfte an die Pforte. "Wer ist es, der mein Essen verzehrt und meinen Met trinkt, als wären Schweine drinnen?" rief er. Als die Katze das hörte, lief sie sogleich hinaus, trat an die Pforte und sprach: "Wart mal! Ich will dir erzählen, wie der Bauer es mit dem Winterkorn macht." Und darauf erzählte sie dem Troll sehr weitläufig vom Winterkorn - wie der Bauer zuerst seinen Acker pflügt, danach düngt und dann wieder pflügt usw., bis plötzlich die Sonne aufging. "Sieh dich mal um, dann wirst du hinter dir die schöne, herrliche Jungfrau erblicken!" sagte die Katze zum Troll. Da sah dieser sich um, erblickte die Sonne und barst mitten auseinander. "Nun gehört alles dir", sagte darauf die Katze zu Per. , Jetzt aber sollst du mir den Kopf abschlagen, das ist der einzige Lohn, den ich für die Dienste verlange, die ich dir getan habe." Das aber wollte Per durchaus nicht. "Wenn du es nicht tust", sagte die Katze, "so kratze ich dir die Augen aus." Da musste Per tun, was die Katze wollte, so sauer es ihm auch wurde, und er hieb ihr mit einem Streich den Kopf vom Rumpf.

Da stand plötzlich vor ihm die schönste Prinzessin, die man je gesehen hat, und Per wurde augenblicklich ganz verliebt in sie. "All diese Herrlichkeit gehörte früher mir", sagte die Prinzessin, "aber der Troll hatte mich verzaubert, so dass ich als Katze in dem Hause deiner Eltern sein musste. Nun kannst du tun, was du willst, mich zu deiner Gemahlin nehmen oder nicht; denn nun bist du der König über das ganze Reich." - Per sagte nicht nein, und es wurde eine Hochzeit gehalten und ein Gastmahl, das dauerte ganze acht Tage.

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Das Kätzchen und die Stricknadeln

Es war einmal eine arme Frau, die in den Wald ging, um Holz zu lesen. Als sie mit ihrer Bürde auf dem Rückwege war, sah sie ein krankes Kätzchen hinter einem Zaun liegen, das kläglich schrie. Die arme Frau nahm es mitleidig in ihre Schürze und trug es nach Hause zu. Auf dem Wege kamen ihre beiden Kinder ihr entgegen, und wie sie sahen, dass die Mutter etwas trug, fragten sie: »Mutter, was trägst du?« und wollten gleich das Kätzchen haben; aber die mitleidige Frau gab den Kindern das Kätzchen nicht, aus Sorge, sie möchten es quälen, sondern sie legte es zu Hause auf alte weiche Kleider und gab ihm Milch zu trinken. Als das Kätzchen sich gelabt hatte und wieder gesund war, war es mit einem Male fort und verschwunden.

Nach einiger Zeit ging die arme Frau wieder in den Wald, und als sie mit ihrer Bürde Holz auf dem Rückwege wieder an die Stelle kam, wo das kranke Kätzchen gelegen hatte, da stand eine ganz vornehme Dame dort, winkte die arme Frau zu sich und warf ihr fünf Stricknadeln in die Schürze. Die Frau wusste nicht recht, was sie denken sollte, und dünkte diese absonderliche Gabe ihr gar zu gering; doch nahm sie die fünf Stricknadeln des Abends auf den Tisch. Aber als die Frau des andern morgens ihr Lager verließ, da lagen ein Paar neue fertiggestrickte Strümpfe auf dem Tisch. Das wunderte die arme Frau über alle Maßen, und am nächsten Abend legte sie die Nadeln wieder auf den Tisch, und am Morgen darauf lagen neue Strümpfe da. Jetzt merkte sie, dass zum Lohn ihres Mitleids mit dem kranken Kätzchen ihr diese fleißigen Nadeln beschert waren, und ließ dieselben nun jede Nacht stricken, bis sie und die Kinder genug hatten. Dann verkaufte sie auch Strümpfe und hatte genug, bis an ihr seliges Ende.

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Wie ein trauriger Prinz, dem niemand helfen konnte,
auf einer Waldlichtung eine kluge Katze traf

aufgeschrieben von Nick Barkow

Ein junger Prinz, der Sohn eines wohlhabenden Maharadschas, wurde einst von großer Unruhe befallen. Diese Unruhe wollte sich nicht legen; sie hielt an und wurde immer größer und größer. Der besorgte Maharadscha ließ Ärzte aus allen Teilen des Landes an seinen Hof kommen. Sie untersuchten den Prinzen, maßen seine Temperatur, nahmen ihm Blut ab, ließen ihn Freiübungen machen. Was immer sie taten oder anordneten - nichts half dem Prinzen. Seine Unruhe blieb - sie steigerte sich noch bis zum Übelsein. Er verließ seine Gemächer nicht mehr und wurde trübsinniger und trübsinniger.

Als der Vater schon alle Ärzte des Landes um Rat gefragt hatte und keiner der Gelehrten mehr eine Idee hatte, da ging eines Tages am Palast ein Yogi vorüber, ein Weiser. Der Maharadscha bat den Yogi in den Palast und sagte: "Weiser Mann. Ich weiß keinen Rat mehr. Mein Sohn ist krank. Kein Arzt des Landes kann ihm helfen. Und meine Tage sind überschattet vom Unglück meines Sohnes. Ich flehe dich an, hilf uns mit Deiner Weisheit." Der Yogi, ein bescheidener, alter Mann, bat den Maharadscha, den Prinzen sehen zu dürfen. Er wurde sofort in die Gemächer des jungen Mannes geführt.

Lange und nachdenklich sah er den Prinzen an. Dann berührte er zart die Stirn des jungen Mannes und sagte: "Möchtest du wieder ganz gesund werden? Ist es dein Wunsch und dein Wille?" Der junge Prinz nickte schwach. Da sagte der Yogi: "Dann gehe hinaus und lerne zu meditieren. Versenke dich in dich selbst und lerne, indem du dich kennen lernst, den Weg zu deinem Inneren zu finden, zu dem Geist, der dich beseelt." Aber wie kann ich das Meditieren lernen?" fragte der Prinz. "Lerne, dich so tief in dich zu versenken, dass jede Ablenkung von dir weicht", sagte der Yogi. "Aha", sagte der Prinz. "Das will ich gern versuchen."

Da verabschiedete sich der Yogi vom Prinzen und vom Maharadscha. Der Prinz aber stand auf von dem Krankenbett seiner Trübsal und verließ zum ersten Mal seit Monaten sein abgedunkeltes Gemach. Er ging durch den Garten, er betrachtete die Blumen, sah zu den Vögeln am Himmel auf. Er versuchte sehr, sich in sich selbst zu versenken, aber immer flog ein Schmetterling daher, dem er nachblickte. Da war er wieder abgelenkt. Dann versuchte er es wieder. Da flog ein Kolibri zu einer Blüte und lenkte ihn ab, eine Echse huschte unter einen Stein und lenkte ihn ab, eine Hummel summte und lenkte ihn ab. Es mochte und mochte dem Prinzen nicht gelingen, sich in sich selbst zu versenken und sich dabei nicht ablenken zu lassen.

Er verließ den Palast, um bei den Tieren Rat zu suchen. Er traf eine Schlange und fragte: "Kannst du mir sagen, wie ich das Meditieren lerne?" "Ach was" sagte die Schlange. "Ich bin viel zu beschäftigt, mir einen schattigen Platz zu suchen." Er traf eine Ameise und fragte: "Kannst du mir sagen, wie ich das Meditieren lerne?" "Keine Zeit, keine Zeit", sagte die Ameise. "Sehr beschäftigt, sehr beschäftigt!" Sie eilte davon. Der Prinz traf eine Horde kleiner Äffchen aber sie waren viel zu verspielt, um ihm überhaupt zuzuhören. Der Prinz traf einen Elefanten, der versprach, darüber nachzudenken. Es sei eine interessante Frage. Dann stapfte er weiter.
Welche Tiere der Prinz auch immer traf, keines wusste eine Antwort. Und so machte er sich auf den Heimweg, verzweifelt darüber, dass ihm niemand sagte, wie er das Meditieren lernen könne.

Auf dem Wege lag ein Stein. Weil er sehr wütend war, holte er mit dem Bein aus und gab dem Stein einen mächtigen Stoß. Im hohen Bogen flog der Stein davon und landete an einem Baumstumpf am Rande der Lichtung. Als der wütende Prinz dem Stein nachblickte, sah er auf dem Baumstumpf eine weiße Katze sitzen. Sie hatte beide Vorderbeine zusammengelegt und ihren Schwanz um den Körper gelegt, so dass die Schwanzspitze grade sie Vorderpfoten bedeckte. Sie hatte die Augen geschlossen und schnurrte in der Abendsonne. "Verzeih', wenn ich dich störe, Katze", sagte der Prinz. "Aber was machst du denn da?" Die Katze öffnete ein Auge halb, blickte versunken den Prinzen an und sagte: "Ich meditiere." "Du meditierst", sagte der Prinz. "Katze, oh sage mir, wie machst du das? Ich versuche immerfort zu meditieren aber es will mir nicht gelingen und niemand konnte mir bisher eine Antwort darauf geben."

Die Katze sprang vom Baumstumpf und sagte: "Merke dir, was ich tue." Sie streckte sich voller Genuss ihre Vorderpfoten aus und bewegte die Krallen der ausgestreckten Pfoten. Dann stellte sie sich auf die Vorderpfoten und streckte die Hinterpfoten langsam und voller Genuss. Dann stellte sie Vorder- und Hinterpfoten zusammen und machte einen so krummen Buckel, dass es eine wahre Wonne war. Sie gähnte, groß und herzhaft. Dann warf sie sich auf den Rücken, streckte die Pfoten nach oben und rieb sich den Rücken auf dem Boden. Dabei warf sie den Kopf von links nach rechts und von rechts nach links und fegte mit dem Schwanz den Boden. Dann setzte sie sich vor den Prinzen und sagte: "Siehst du, so beginne ich zu meditieren. Indem ich alle meine Muskeln anspanne und entspanne, gähne und auf den Rücken werfe, einen Buckel mache oder meine Krallen aus- und einziehe, verschaffe ich mir ein Wohlbehagen, so dass kein körperliches Unbehagen mir mehr die Zeit nimmt, mich zu versenken."

"Danke Katze", sagte der Prinz. "Das will ich auch gleich versuchen." Und er streckte sich, wie die Katze, gähnte, wie die Katze, legte sich auf den Rücken, wie die Katze - allmählich wurde ihm so wohl, dass er entspannt die Augen schloss. Und zum ersten Mal in seinem bisher so traurigen Leben konnte er richtig meditieren.
Die Katze lobte ihn, indem sie ihren Kopf an seinem Knie rieb und dabei wohlig schnurrte. Und sie zeigte ihm noch, wie sie sich setzte, eine Hinterpfote kerzengrade aufrichtete und sie putzte. Und sie zeigte ihm alles, was ihr Wohlbehagen bereitete und sie schnurren machte. Der Prinz tat alles, was die Katze tat. So wurde er von seinem Trübsinn geheilt. Weil er so viel gelernt hatte, ging er hinaus in die Welt und lehrte andere Menschen, was ihn die Katze auf der Waldlichtung gelehrt hatte.

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Von dem Wolf und den Maushunden


"Am Meeresgestade war eine Schar Wölfe, darunter war einer besonders blutdürstig, der wollte zu einer Zeit sich einen besondern Ruhm unter seinen Gesellen erwerben und ging in ein Gebirge, wo viele und mancherlei Tiere sich aufhielten, da zu jagen. Aber dieses Gebirge war umfriedet, und die Tiere waren da sicher vor anderen Tieren und wohnten in Eintracht beieinander; darunter war auch eine Schar Maushunde oder Katzen, die hatten einen König.

Nun war der Wolf mit List durch das Gehege gekommen, verbarg sich und fing sich jeden Tag eine Katze und fraß sie. Das war den Katzen sehr leid und sie sammelten sich zur Beratung unter ihrem König und da waren in Sonderheit drei weise, einsichtsvolle Kater, die berief der König in seinen Rat und fragte den ersten um sein Votum gegen den schädlichen Wolf. Der erste Kater sprach: "Ich weiß keinen Rat gegen dieses große Ungeheuer, als uns in Gottes Gnade zu befehlen, denn wie möchten wir dem Wolf Widerstand tun?" Der König fragte den zweiten Kater, und dieser sprach: "Ich rate, dass wir gemeinschaftlich diesen Ort verlassen und uns eine andere ruhigere Stätte suchen, da wir hier in großer Trübsal, Leibes- und Lebensgefahr verweilen müssen." Der dritte Kater aber sprach auf des Königs Befragung: "Mein Rat ist, hier zu bleiben und des Wolfs halber nicht auszuwandern. Auch wüsste ich einen Rat, ihn zu überwinden."

"Sage ihn", gebot der König, und der Kater sprach weiter: "Wir müssen acht darauf haben, wenn der Wolf sich neuer Beute bemächtigt hat und wohin er sie trägt und verzehrt, dann musst du, o König, ich und unsere Stärksten ihm nahen, als wollten wir das essen, was er übrig lässt, so wird er sich für ganz sicher halten und von uns sich nichts befürchten. Dann will ich auf ihn springen und ihm die Augen auskratzen und dann müssen alle anderen über ihn herfallen, so dass er sich unserer nicht mehr erwehren kann und es darf uns dabei nicht irren, dass einer oder der andere von uns das Leben einbüßt oder Wunden davonträgt; denn wir erlösen dadurch uns und unsere Kinder von dem Feind, und ein Weiser scheidet nicht feig und furchtsam von seinem Vatererbe; nein, er verteidigt es mit Leibes- und Lebensgefahr."

Diesen Rat hieß der König gut. Darauf geschah es, dass der Wolf einen guten Fang getan hatte, den er auf einen Felsen schleppte und da führten die Katzen ihre Tat aus, die der tapfere weise Kater angeraten; und der Wolf musste schämlich unter ihren Krallen und zahllosen Bissen sein Leben enden."

 

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