Märchen Seite 5

Katze und Maus in Gesellschaft
Gebrüder Grimm
Der Kobold und die Madame
Hans Christian Andersen
   
Drei weiße Bällchen
französisches Märchen
Der arme Müllerbursch und das Kätzchen
Gebrüder Grimm

Katze und Maus in Gesellschaft

Eine Katze hatte Bekanntschaft mit einer Maus gemacht und ihr so viel von der großen Liebe und Freundschaft vorgesagt, die sie zu ihr trüge, dass die Maus endlich einwilligte, mit ihr zusammen in einem Hause zu wohnen und gemeinschaftliche Wirtschaft zu führen. "Aber für den Winter müssen wir Vorsorge tragen, sonst leiden wir Hunger", sagte die Katze, "du, Mäuschen, kannst dich nicht überall hinwagen und gerätst mir am Ende in eine Falle." Der gute Rat ward also befolgt und ein Töpfchen Fett angekauft. Sie wussten aber nicht, wo sie es hinstellen sollten, endlich nach langer Überlegung sprach die Katze: "Ich weiß keinen Ort, wo es besser aufgehoben wäre als die Kirche, da getraut sich niemand etwas wegzunehmen; wir stellen es unter den Altar und rühren es nicht eher an, als bis wir es nötig haben." Das Töpfchen ward also in Sicherheit gebracht, aber es dauerte nicht lange, so trug die Katze Gelüsten danach und sprach zur Maus: "Was ich dir sagen wollte, Mäuschen, ich bin von meiner Base zu Gevatter gebeten: sie hat ein Söhnchen zur Welt gebracht, weiß mit braunen Flecken, das soll ich über die Taufe halten. Lass mich heute ausgehen, und besorge du das Haus allein." - "Ja, ja", antwortete die Maus, "geh in Gottes Namen, wenn du was Gutes issest, so denk an mich: von dem süßen roten Kindbetterwein tränk ich auch gerne ein Tröpfchen." Es war aber alles nicht wahr, die Katze hatte keine Base und war nicht zu Gevatter gebeten. Sie ging geradewegs nach der Kirche, schlich zu dem Fetttöpfchen, fing an zu lecken und leckte die fette Haut ab. Dann machte sie einen Spaziergang auf den Dächern der Stadt, besah sich die Gelegenheit, streckte sich hernach in der Sonne aus und wischte sich den Bart, sooft sie an das Fetttöpfchen dachte. Erst als es Abend war, kam sie wieder nach Haus. "Nun, da bist du ja wieder", sagte die Maus, "du hast gewiss einen lustigen Tag gehabt." - "Es ging wohl an", antwortete die Katze. "Was hat denn das Kind für einen Namen bekommen?" fragte die Maus. "Hautab", sagte die Katze ganz trocken. "Hautab", rief die Maus, "das ist ja ein wunderlicher und seltsamer Name, ist der in eurer Familie gebräuchlich?" - "Was ist da weiter", sagte die Katze, "er ist nicht schlechter als Bröseldieb, wie deine Paten heißen."

Nicht lange danach überkam die Katze wieder ein Gelüsten. Sie sprach zur Maus: "Du musst mir den Gefallen tun und nochmals das Hauswesen allein besorgen, ich bin zum zweitenmal zu Gevatter gebeten, und da das Kind einen weißen Ring um den Hals hat, so kann ich's nicht absagen." Die gute Maus willigte ein, die Katze aber schlich hinter der Stadtmauer zu der Kirche und fraß den Fetttopf halb aus. "Es schmeckt nichts besser", sagte sie, "als was man selber isst", und war mit ihrem Tagewerk ganz zufrieden. Als sie heimkam, fragte die Maus: "Wie ist denn dieses Kind getauft worden?" - "Halbaus", antwortete die Katze. "Halbaus! was du sagst! den Namen habe ich mein Lebtag noch nicht gehört, ich wette, der steht nicht in dem Kalender."

Der Katze wässerte das Maul bald wieder nach dem Leckerwerk. "Aller guten Dinge sind drei", sprach sie zu der Maus, "da soll ich wieder Gevatter stehen, das Kind ist ganz schwarz und hat bloß weiße Pfoten, sonst kein weißes Haar am ganzen Leib, das trifft sich alle paar Jahre nur einmal: du lassest mich doch ausgehen?" - "Hautab! Halbaus!" antwortete die Maus, "es sind so kuriose Namen, die machen mich so nachdenksam." - "Da sitzest du daheim in deinem dunkelgrauen Flausrock und deinem langen Haarzopf", sprach die Katze, "und fängst Grillen: das kommt davon, wenn man bei Tage nicht ausgeht." Die Maus räumte während der Abwesenheit der Katze auf und brachte das Haus in Ordnung, die naschhafte Katze aber fraß den Fetttopf rein aus. "Wenn erst alles aufgezehrt ist, so hat man Ruhe", sagte sie zu sich selbst und kam satt und dick erst in der Nacht nach Haus.

Die Maus fragte gleich nach dem Namen, den das dritte Kind bekommen hätte. "Er wird dir wohl auch nicht gefallen", sagte die Katze, "er heißt Ganzaus." - "Ganzaus!" rief die Maus, "das ist der allerbedenklichste Namen, gedruckt ist er mir noch nicht vorgekommen. Ganzaus! was soll das bedeuten?" Sie schüttelte den Kopf, rollte sich zusammen und legte sich schlafen.

Von nun an wollte niemand mehr die Katze zu Gevatter bitten, als aber der Winter herangekommen und draußen nichts mehr zu finden war, gedachte die Maus ihres Vorrats und sprach: "Komm, Katze, wir wollen zu unserm Fetttopfe gehen, den wir uns aufgespart haben, der wird uns schmecken." - "Jawohl", antwortete die Katze, "der wird dir schmecken, als wenn du deine feine Zunge zum Fenster hinausstreckst." Sie machten sich auf den Weg, und als sie anlangten, stand zwar der Fetttopf noch an seinem Platz, er war aber leer. "Ach", sagte die Maus, "jetzt merke ich, was geschehen ist, jetzt kommt's an den Tag, du bist mir die wahre Freundin! aufgefressen hast du alles, wie du zu Gevatter gestanden hast: erst Haut ab, dann halb aus, dann..." - "Willst du schweigen", rief die Katze, "noch ein Wort, und ich fresse dich auf." - "Ganz aus", hatte die arme Maus schon auf der Zunge, kaum war es heraus, so tat die Katze einen Satz nach ihr, packte sie und schluckte sie hinunter. Siehst du, so geht's in der Welt.

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Der Kobold und die Madame

Den Kobold kennst du; kennst du aber die Madame, die Gärtnersfrau? Sie besaß Bildung, wusste Gedichte auswendig, sie konnte mit Leichtigkeit selber welche schreiben; nur die Reime, "das Klingelingeling", wie sie es nannte, machten ihr ein wenig Mühe. Sie besaß Schreibtalent und Rednertalent, sie hätte sehr gut Pastor sein können oder doch wenigstens Pastorin.

"Die Erde ist herrlich in ihrem Sonntagskleide!" sagte sie, und den Gedanken hatte sie in Verse und "Klingeling" gebracht, hatte ein schönes, langes Lied darüber gemacht. Der Seminarist, Herr Kisserup, der Name tut nichts zur Sache, des Gärtners Schwestersohn, war zu Besuch im Gärtnerhaus. Er hörte das Gedicht der Madame, und es tue ihm wohl, sagte er, so recht innerlich wohl. "Sie haben Geist, Madame", sagte er. "Unsinn!" sagte der Gärtner. "Setz ihr nicht so was in den Kopf! Eine Frau soll Körper sein, anständiger Körper, und auf ihren Kochtopf achtgeben, damit die Grütze nicht anbrennt!" "Das Angebrannte nehme ich mit einer Holzkohle weg!" sagte die Madame. "Und die Verstimmung bei dir nehme ich mit einem kleinen Kuss weg. Man sollte glauben, du dächtest nur an Kohl und Kartoffeln, und doch liebst du die Blumen." Und dann küsste sie ihn. "Die Blumen sind der Geist!" sagte sie. "Paß auf deinen Kochtopf auf!" sagte er und ging in den Garten. Der war sein Kochtopf, und auf den gab er acht.

Aber der Seminarist saß bei der Madame und redete mit der Madame. Über ihre schönen Worte "Die Erde ist herrlich" hielt er ihr gleichsam eine ganze Predigt auf seine Weise. "Die Erde ist herrlich; machet sie euch untertan, ward gesagt, und wir wurden die Herrschaft. Einer ist es durch den Geist, der andere durch den Körper; der eine ward in die Welt gesetzt als Verwunderungs-Ausrufezeichen, ein anderer als Gedankenstrich, so dass man wohl fragen kann, was soll der hier? Einer wird Bischof, ein anderer nur ein armseliger Seminarist, aber alles ist weise eingerichtet. Die Erde ist herrlich, und sie ist immer im Sonntagskleide. Ihr Gedicht, Madame, war gedankenerweckend, voll Gefühl und Geographie." "Sie haben Geist, Herr Kisserup", sagte die Madame, "viel Geist, das versichere ich Ihnen! Man bekommt Klarheit über sich selber, wenn man mit Ihnen redet!"

Und dann redeten sie weiter, ebenso schön und ebenso gut; aber draußen in der Küche, da redete auch jemand, nämlich der Kobold, der kleine, graugekleidete Kobold mit der roten Mütze; du kennst ihn! Der Kobold saß in der Küche und war Topfgucker; er redete, aber niemand hörte ihn, außer der großen, schwarzen Mietzekatze, dem "Sahnedieb", wie die Madame sie nannte.

Der Kobold war so böse auf die Madame, denn sie glaubte nicht an sein Vorhandensein, das wusste er; sie hatte ihn freilich niemals gesehen, aber bei all ihrer Belesenheit musste sie doch wissen, dass er existierte, und ihm dann eine kleine Aufmerksamkeit erweisen. Es fiel ihr niemals ein, am Weihnachtsabend auch nur einen Löffel voll Grütze für ihn hinzusetzen, das hatten alle seine Vorfahren bekommen, und zwar von lauter Madams, die gar keine Gelehrsamkeit besaßen. Die Grütze hatte in Butter und Sahne geschwommen. Der Katze wurde ganz feucht um den Bart, wenn sie nur davon hörte.

"Sie nennt mich einen Begriff", sagte der Kobold, "Das geht wirklich über meine Begriffe. Sie verleugnet mich ja! Das hab ich ihr abgelauert, und nun habe ich wieder gelauert. Sie sitzt da und säuselt dem Seminaristen, diesem Büchsenspanner, was vor. Ich sage mit Vatern: "Pass du auf deinen Kochtopf auf!" Das tut sie aber nicht, und nun will ich dafür sorgen, dass er überkocht!" Und der Kobold blies ins Feuer, dass es aufflackerte und brannte. "Surre-rurre-rug!", da kochte der Kochtopf über.

"Jetzt will ich hineingehen und Löcher in Vaters Socken zupfen!" sagte der Kobold. "Ich will ein großes Loch in den Hacken und in die Zehe bohren, dann hat sie was zu stopfen, wenn sie nicht dichten muss. Dicht-Madame, stopf Vaters Strümpfe!"

Die Katze musste niesen; sie war erkältet, obwohl sie immer mit einem Pelz ging.

"Ich habe die Speisekammertür aufgemacht", sagte der Kobold, "da steht aufgekochte Sahne, so dick wie Mehlpaps. Willst du nicht naschen, so werde ich es tun!" "Wenn ich doch die Schuld und die Prügel bekomme, so will ich doch auch wenigstens von der Sahne schlecken!" sagte die Katze.

"Erst die Sahne, dann die Haue!" sagte der Kobold. "Aber nun will ich in des Seminaristen Stube gehen, seine Tragbänder über den Spiegel hängen und seine Socken in die Waschschüssel legen, dann glaubt er, dass der Punsch zu stark gewesen ist und dass ihm wirr im Kopfe ist. Über Nacht saß ich auf dem Holzstapel neben der Hundehütte; es ist mein größtes Vergnügen, den Kettenhund zu necken; ich ließ meine Beine herabhängen und baumelte damit. Der Hund konnte sie nicht erreichen, wie hoch er auch sprang; das ärgerte ihn. Er kläffte und kläffte, ich baumelte und baumelte; es war ein Spektakel. Der Seminarist erwachte davon; er stand dreimal auf und guckte, aber er sah mich nicht, obwohl er eine Brille aufhatte; er schläft immer mit der Brille!"

"Sag miau, wenn die Madame kommt!" sagte die Katze. "Ich höre nicht gut, ich bin heute krank."

"Du bist nur schleckkrank!" sagte der Kobold. "Schleck drauflos, schleck die Krankheit weg! aber trockne dir den Bart, damit keine Sahne daran hängen bleibt! Ich will jetzt hingehen und lauschen."

Und der Kobold stand an der Tür, und die Tür stand angelehnt, da war niemand im Zimmer als die Madame und der Seminarist. Sie sprachen über das, was man, wie sich der Seminarist schön ausdrückte, in jedem Hause über Kochtöpfe und Kessel setzen sollte: über die Gaben des Geistes.

"Herr Kisserup", sagte die Madame, "nun will ich Ihnen in bezug hierauf etwas zeigen, was ich bisher noch keiner menschlichen Seele, am allerwenigsten aber einem Manne, gezeigt habe, nämlich meine kleinen Dichtungen, einige sind ja freilich ein wenig lang. Jetzt sollen Sie sie hören." Und sie entnahm der Schublade ein Schreibheft mit hellgrünem Umschlag und zwei Tintenklecksen.

"Es steht viel Ernst in dem Buch!" sagte sie. "Ich habe am meisten Sinn für das Traurige. Da ist "Der Seufzer in der Nacht", "Mein Abendrot" und "Als ich Klemmensen bekam", Das letztere können Sie überschlagen, obwohl viel Gefühl und tiefe Gedanken darin sind. "Hausfrauenpflichten" ist das beste! Aber alle Gedichte sind traurig, darin liegt nun einmal meine Begabung. Nur eins ist in scherzendem Ton gehalten, das sind einige muntere Gedanken, wie man sie ja auch haben kann - Sie müssen nicht über mich lachen! - Gedanken darüber - wenn man Dichterin ist. Das kenne nur ich selber und meine Schublade, und nun kennen Sie es, Kerr Kisserup! Ich liebe die Poesie, sie kommt so über mich, sie neckt mich, sie beherrscht, regiert mich. Ich habe das in dem Gedicht "Der kleine Kobold" zum Ausdruck gebracht. Sie kennen ja den alten Volksglauben von dem Hauskobold, der stets sein Spiel im Hause treibt. Ich habe mir gedacht, dass ich selber das Haus bin und dass die Poesie, die Gefühle in mir, der Kobold sind, der Geist, der regiert; seine Macht, seine Gewalt habe ich in "Der kleine Kobold" besungen. Aber Sie müssen mir geloben, dass sie das niemals an meinen Mann oder an sonst jemand verraten. Lesen Sie es laut, damit ich hören kann, ob sie meine Schrift lesen können."

Und der Seminarist las, und die Madame hörte zu, und der kleine Kobold hörte zu; er horchte, wie du ja weißt, und war gerade in dem Augenblick gekommen, als die Überschrift "Der kleine Kobold" gelesen wurde. "Das betrifft mich ja!" sagte er. "Was kann sie nur über mich geschrieben haben? Ja, ich will sie schon zwicken; ich nehme ihr die Eier weg, nehme ihr die Küchlein weg, jage dem Fettkalb das Fett ab. Sie sollen mich schon kennenlernen, Madame!"

Und er lauschte mit spitzem Mund und langen Ohren; aber je mehr er von der Herrlichkeit und Macht des Kobolds, von seiner Gewalt über die Madame hörte - damit meinte sie ja, wie du wohl weißt, die Dichtkunst, aber der Kobold hielt sich wörtlich an die Überschrift -, um so heller wurde sein Lächeln, um so mehr strahlten seine Augen vor Freude, es kam etwas Vornehmes in seine Mundwinkel; er hob seine Fersen in die Höhe, stand auf den Zehenspitzen, wurde einen ganzen Zoll größer als sonst; er war entzückt über alles, was von dem kleinen Kobold gesagt wurde.

"Die Madame hat Geist und große Bildung! Wie hab ich der Frau doch unrecht getan! Sie hat mich in ihre Dichtung eingereiht, ich werde gedruckt und gelesen werden! Von nun an soll die Katze nicht mehr Erlaubnis haben, ihre Sahne zu trinken, das werde ich selber tun! Einer trinkt weniger als zweie, das ist immer eine Ersparnis, und die will ich einführen, und die Madame will ich achten und ehren."

"Er ist ja der reine Mensch, dieser Kobold!" sagte die Katze. "Nur ein süßes Miau von der Madame, ein Miau über ihn selber, und dann ist er gleich andern Sinnes. Sie ist schlau, die Madame!"

Aber die Madame war gar nicht schlau, aber der Kobold war so, wie sonst die Menschen sind.

Wenn du diese Geschichte nicht verstehen kannst, so darfst du fragen; aber den Kobold muss du nicht fragen und die Madame auch nicht.

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Drei weiße Bällchen

(aufgeschrieben von Nick Barkow)

Wie ein König und eine Königin zu einem Kind kamen und drei Kätzchen für das Glück der Prinzessin sorgten:

Ein König und seine Frau lebten glücklich miteinander. Sie hatten nur einen Wunsch, der sich nie zu erfüllen schien - sie wollten so gerne ein Kind, ein Mädchen. Jahre vergingen und das Königspaar wurde immer trauriger, weil sie keine Tochter bekamen.

Da kam eines Tages eine ältere Fee an den Hof und als das Königspaar ihr sein Leid klagte, da dachte die Fee lange nach und sagte: "Ich glaube, Euch kann geholfen werden. Übers Jahr werdet Ihr eine Tochter haben aber die Erfüllung dieses Wunsches ist mit einer Bedingung verknüpft." "Sag uns nur, welche Bedingung das ist", sagten der König und die Königin wie aus einem Mund, "wir erfüllen sie." "Wenn da so ist", sagte die Fee, "dann will ich sie Euch verkünden. Ihr werdet eine Tochter haben aber sie darf niemals einen Prinzen lieben und heiraten, denn sonst muss sie sterben." "Oh Gott", sagten der König und die Königin. "Aber", sagte die Fee, "wenn Ihr Eurer Tochter drei schneeweiße Kätzchen gebt, werdet Ihr immer erkennen, ob Gefahr droht oder nicht. Gebt den Katzen sechs Bällchen zum Spielen, drei aus Leinen und drei aus Gold. Solange die Kätzchen mit den weißen Bällchen spielen, ist alles in Ordnung. Sobald sie aber anfangen, mit den goldenen Bällchen zu spielen, droht Gefahr."

Diese Bedingung erfüllten der König und die Königin trotz aller Bedenken. Übers Jahr hatten sie eine entzückende Tochter und sie hatten auch drei schneeweiße Kätzchen, die drei goldene Bälle zum Spielen hatten und drei weiße aus Leinen. Die Kätzchen spielten stets mit den weißen Bällchen und das Kind wuchs heran und wurde allmählich ein schönes junges Mädchen. Die Schönheit des Mädchens sprach sich in vielen Königreichen herum und immer häufiger kamen junge Prinzen, um ihr den Hof zu machen. Es war eine Zeit, in der die Eltern fast vergessen hatten, dass die drei weißen Kätzchen eines Tages auch mit den goldenen Kugeln spielen könnten.

Dann aber, an einem Frühlingstag, kam ein junger, schöner Prinz vorbei. Er blieb ein paar Tage, ritt weg, kam aber bald wieder. Und die schöne Prinzessin begann, sich Gedanken um den jungen Mann zu machen. Sie fand seine Gegenwart sehr angenehm, sie freute sich , wenn er da war und sie war betrübt, wenn er davon ritt.
Nach einem halben Jahr gestand sie ihm, dass sie ihn liebe. Der Prinz gestand ihr, dass er sie vom ersten Tag an geliebt habe, dass er aber zu schüchtern gewesen sei, es ihr zu sagen.

Am Abend dieses Tages begannen die drei weißen Kätzchen zum allerersten Mal, mit den goldenen Bällchen zu spielen. Die Prinzessin war sehr erschrocken, sie lief zu ihren Eltern und erzählte, was die Kätzchen plötzlich taten. Da waren auch die Eltern sehr erschrocken und machten sich große Sorgen. Eigentlich erwarteten sie jeden Tag, dass ein großes Unglück geschehen würde, aber nichts geschah, gar nichts.

Es wurde Herbst und da erfuhren sie, dass der junge Prinz, den die Prinzessin liebte, krank geworden sei. Viele Ärzte waren zum Krankenbett des jungen Prinzen gerufen worden aber keiner konnte ihm helfen. Eine solche Krankheit, so stellten die Ärzte fest, habe es noch nie gegeben und so gaben sie auf. Der Prinz wurde immer schwächer und schwächer.

Und weil auch die Prinzessin mit den drei weißen Kätzchen immer betrübter und nachdenklicher wurde, entschlossen sich ihre Eltern, den Rat jener Fee einzuholen, die ihnen einst zu dem Kind verholfen hatte. Sie suchten die Fee auf, schilderten ihr, was geschehen sei und baten um Hilfe. Die Fee dachte sehr lange nach, dann sagte sie: "Heute ist der siebenundzwanzigste Tag vor Weihnachten. Wenn die Prinzessin bis zum Weihnachtsabend um Mitternacht zehntausend weiße Leinentücher gesponnen hat, dann wird die Krankheit vom Prinzen weichen, er wird wieder gesunden. Aber merkt Euch eins: Keine andere Hand als die der Prinzessin darf die Tücher gesponnen haben, sonst muss der Prinz sterben."

Das Königspaar bedankte sich für den Rat und eilte heim, dort berichteten sie der Prinzessin, die sofort anfing, kleine Tücher zu spinnen. Sie spann den ganzen Tag und die ganze Nacht aber sie schaffte nur zehn Tücher. Da weinte sie sehr, schluchzte und wusste, dass sie den Prinzen wohl niemals würde retten können. Während sie sich die Tränen aus den Augen rieb, setzten sich ihre drei weißen Kätzchen um sie herum und schauten sie an. Schließlich sagte eines: "Warum weinst Du, schöne Prinzessin? Können wir Dir helfen?" - "Ach Kätzchen", sagte die Prinzessin, "ich muss bis Weihnachten zehntausend Leinentücher spinnen, damit mein Liebster am Leben bleibt aber ich schaffe nur zehn Stück am Tag." Sie berichtete den Kätzchen auch, dass die Tücher von keiner fremden Hand gemacht werden dürften. Da sagten die Kätzchen: "Prinzessin, wir werden dir spinnen helfen. Mach dir keine Sorgen und schau - wir haben ja keine Hände, sondern Pfoten. Darum gilt auch in unserem Falle, was die Fee gesagt hat, dass nämlich keine andere Hand als deine die Tücher gesponnen haben muss.

Die Kätzchen ließen sich Spinnräder bringen und Garn und begannen fleißig zu arbeiten und Tag für Tag, Nacht für Nacht wuchsen die Stapel feiner Leinentücher. Die Prinzessin schöpfte wieder Hoffnung für den Geliebten.

So wurde es Weihnachten und eine Stunde vor Mitternacht waren die zehntausend Leinentücher fix und fertig gesponnen und lagen in Stapeln gebündelt in der Schlosshalle. Von Mitternacht des Weihnachtstages an ging es dem jungen Prinzen Stunde um Stunde besser und bald war er wieder ganz gesund. Er besuchte seine Prinzessin mit den drei weißen Kätzchen, die Punkt Mitternacht aufgehört hatten, mit den goldenen Bällchen zu spielen und längst wieder nach den weißen haschten.

Bald danach, als der Prinz und die Prinzessin heirateten, wurden an der Festtafel auch drei Gedecke für die weißen Kätzchen aufgelegt aber gleich nach dem Festmahl rollten sich die Kätzchen auf den Kissen ihrer Stühle zusammen und begannen zu schnurren, wie die Spinnräder, die sie sechsundzwanzig Tage betätigt hatten. In diesen sechsundzwanzig Tagen hatten die Kätzchen das Schnurren gelernt, was seither alle Katzen der Welt tun. Wenn sie sich wohl fühlen, denken sie an die drei Vorfahren aus dem Schloss in der Bretagne, die dem Schicksal einst durch schnurriges Spinnen ein Schnippchen geschlagen hatten.

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Der arme Müllerbursch und das Kätzchen

In einer Mühle lebte ein alter Müller, der hatte weder Frau noch Kinder, und drei Müllerburschen dienten bei ihm. Wie sie nun etliche Jahre bei ihm gewesen waren, sagte er eines Tages zu ihnen: "Ich bin alt und will mich hinter den Ofen setzen; zieht aus, und wer mir das beste Pferd nach Hause bringt, dem will ich die Mühle geben, und er soll mich dafür bis an meinen Tod verpflegen."

Der dritte von den Burschen war aber der Kleinknecht, der ward von den andern für albern gehalten, dem gönnten sie die Mühle nicht; und er wollte sie hernach nicht einmal. Da zogen sie alle drei miteinander aus, und wie sie vor das Dorf kamen, sagten die zwei zu dem albernen Hans: "Du kannst nur hier bleiben, du kriegst dein Lebtag keinen Gaul." Hans aber ging doch mit, und als es Nacht war, kamen sie an eine Höhle, da hinein legten sie sich schlafen. Die zwei Klugen warteten, bis Hans eingeschlafen war, dann standen sie auf, machten sich fort und ließen Hänschen liegen, und meinten's recht fein gemacht zu haben; ja, es wird euch doch nicht gut gehen!

Wie nun die Sonne kam, und Hans aufwachte, lag er in einer tiefen Höhle; er guckte sich überall um und rief: "Ach Gott, wo bin ich?" Da erhob er sich und krabbelte die Höhle hinauf, ging in den Wald und dachte.. "Ich bin hier ganz allein und verlassen, wie soll ich nun zu einem Pferde kommen?" Indem er so in Gedanken dahinging, begegnete ihm ein kleines, buntes Kätzchen, das sprach ganz freundlich: "Hans, wo willst du hin?" - "Ach, du kannst mir doch nicht helfen", antwortete Hans. - "Was dein Begehren ist, weiß ich wohl", sprach das Kätzchen' "du willst einen hübschen Gaul haben. Komm mit mir und sei sieben Jahre lang mein treuer Knecht, so will ich dir einen geben, schöner als du dein Lebtag einen gesehen hast." - "Nun, das ist eine wunderliche Katze", dachte Hans, "aber sehen will ich doch, ob das wahr ist, was sie sagt." Da nahm sie ihn mit in ihr verwünschtes Schlösschen und hatte da lauter Kätzchen, die ihr dienten; die sprangen flink die Treppe auf und ab, waren lustig und guter Dinge. Abends, als sie sich zu Tisch setzten, mussten drei Musik machen; eins strich den Bass, das andere die Geige, das dritte setzte die Trompete an und blies die Backen auf, so sehr es nur konnte. Als sie gegessen hatten, wurde der Tisch weggetragen, und die Katze sagte: "Nun komm, Hans, und tanze mit mir." - "Nein", antwortete er, "mit einer Miesekatze tanze ich nicht, das habe ich noch niemals getan." - "So bringt ihn ins Bett", sagte sie zu den Kätzchen. Da leuchtete ihm eins in seine Schlafkammer, eins zog ihm die Schuhe aus, eins die Strümpfe, und zuletzt blies eins das Licht aus.

Am andern Morgen kamen sie wieder und halfen ihm aus dem Bett; eins zog ihm die Strümpfe an, eins band ihm die Strumpfbänder, eins holte die Schuhe, eins wusch ihn, und eins trocknete ihm mit dein Schwanz das Gesicht ab. "Das tut recht sanft", sagte der Hans. Er musste aber auch der Katze dienen und alle Tage Holz klein machen; dazu kriegte er eine Axt von Silber, und die Keile und Säge von Silber, und der Schläger war von Kupfer. Nun, da machte er's klein, blieb da im Haus, hatte sein gutes Essen und Trinken, sah aber niemand als die bunte Katze und ihr Gesinde. Einmal sagte sie zu ihm: "Geh' hin und mähe meine Wiese und mache das Gras trocken", und gab ihm von Silber eine Sense und von Gold einen Wetzstein, hieß ihn aber auch alles wieder richtig abliefern. Da ging Hans hin und tat, was ihm geheißen war; nach vollbrachter Arbeit trug er Sense, Wetzstein und Heu nach Haus und fragte, ob sie ihm noch nicht seinen Lohn geben wollte. "Nein", sagte die Katze, "du sollst mir erst noch einerlei tun; da ist Bauholz von Silber, Zimmeraxt, Winkeleisen und was nötig ist, alles von Silber, daraus baue mir erst ein kleines Häuschen." Da baute Hans das Häuschen fertig und sagte, er hätte nun alles getan und hätte noch kein Pferd.

Doch waren ihm die sieben Jahre herumgegangen wie ein halbes. Fragte die Katze, ob er ihre Pferde sehen wollte. "Ja", sagte Hans. Da machte sie ihm das Häuschen auf, und wie sie die Tür so aufmacht, da stehen zwölf Pferde, ach, die waren ganz stolz gewesen, die hatten geblänkt und gespiegelt, dass sich sein Herz im Leibe darüber freute. Nun gab sie ihm zu essen und zu trinken und sprach: "Geh' heim, dein Pferd geb' ich dir nicht mit, in drei Tagen aber komm' ich und bringe dir's nach." Also machte sich Hans auf, und sie zeigte ihm den Weg zur Mühle. Sie hatte ihm aber nicht einmal ein neues Kleid gegeben, sondern er musste sein altes, lumpiges Kittelchen behalten, das er mit gebracht hatte, und das ihm in den sieben Jahren überall zu kurz geworden war.

Wie er nun heimkam, waren die beiden andern Müllerburschen auch wieder da; jeder hatte zwar sein Pferd mitgebracht, aber des einen seins war blind, des andern seins lahm. Sie fragten: "Hans, wo hast du dein Pferd?" - "In drei Tagen wird's nachkommen", antwortete er. Da lachten sie und sagten: "Ja, du Hans, wo willst du dein Pferd herkriegen, das wird was Rechtes sein!" Hans ging in die Stube, der Müller sagte aber, er sollte nicht an den Tisch kommen, er wäre so zerrissen und zerlumpt; man müsste sich schämen, wenn jemand hereinkäme. Da gaben sie ihm ein bisschen Essen hinaus, und wie sie abends schlafen gingen, wollten ihm die zwei andern kein Bett geben, und er musste endlich ins Gänseställchen kriechen und sich auf ein wenig hartes Stroh legen.

Am Morgen, wie er aufwacht, sind schon die drei Tage herum, und es kommt eine Kutsche mit sechs Pferden, ei, die glänzten, dass es schön war, und ein Bedienter, der brachte noch ein siebentes, das war für den armen Müllerbursch. Aus der Kutsche aber stieg eine prächtige Königstochter und ging in die Mühle hinein, und die Königstochter war das kleine, bunte Kätzchen, dem der arme Hans sieben Jahre gedient hatte. Sie fragte den Müller, wo der Mahlbursch, der Kleinknecht wäre. Da sagte der Müller: "Den können wir nicht in die Mühle nehmen, der ist so abgerissen und liegt im Gänsestall" Da sagte die Königstochter, sie sollten ihn gleich holen. Also holten sie ihn heraus, und er musste sein Kittelchen zusammenpacken, um sich zu bedecken. Da schnallte der Bediente prächtige Kleider aus und musste ihn waschen und anziehen, und wie er fertig war, konnte kein König schöner aussehen. Danach verlangte die Jungfrau die Pferde zu sehen, die die andern Mahlburschen mitgebracht hatten, eins war blind, das andere lahm. Da ließ sie den Bedienten das siebente Pferd bringen. Wie der Müller das sah, sprach er, so eins wär' ihm noch nicht auf den Hof gekommen; "und das ist für den dritten Mahlbursch", sagte sie. "Da muss er die Mühle haben", sagte der Müller; die Königstochter aber sprach, da wäre das Pferd, er sollte seine Mühle auch behalten. Und sie nimmt ihren treuen Hans, setzt ihn in die Kutsche und fährt mit ihm fort. Sie fahren zuerst nach dem kleinen Häuschen, das er mit dem silbernen Werkzeug gebaut hat, da ist es ein großes Schloss, und alles darin ist von Silber und Gold; und da hat sie ihn geheiratet, und nun war er reich, so reich, dass er für sein Lebtag genug hatte. Darum soll keiner sagen, dass wer albern ist, deshalb nichts rechtes werden könne.

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