Märchen Seite 6
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Der Fuchs und die Katze Gebrüder Grimm |
Costantino und seine Katze |
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Der gestiefelte Kater Gebrüder Grimm |
Der
giftige Fisch japanische Fabel |
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Der Fuchs und die Katze
Es trug sich zu, dass die Katze in einem Walde dem Herrn Fuchs begegnete, und
weil sie dachte: Er ist gescheit und wohl erfahren und gilt viel in der Welt, so
sprach sie ihm freundlich zu. "Guten Tag, lieber Herr Fuchs, wie geht's? wie
steht's? wie schlagt Ihr Euch durch in dieser teuren Zeit?" Der Fuchs, alles
Hochmutes voll, betrachtete die Katze von Kopf bis zu Füßen und wusste lange
nicht, ob er eine Antwort geben
sollte. Endlich sprach er: "0 du armseliger
Bartputzer, du buntscheckiger Narr, Hungerleider und Mäusejäger, was kommt dir
in den Sinn? Du unterstehst dich zu fragen, wie mir's gehe? Was hast du gelernt?
Wie viel Künste verstehst du?" - "Ich verstehe nur eine einzige", antwortete
bescheidendlich die Katze. "Was ist das für eine Kunst?" fragte der Fuchs. "So
die Hunde hinter mir her sind, kann ich auf einen Baum springen und mich
retten." - "Ist das alles?" sagte der Fuchs, "ich bin Herr über hundert Künste
und habe überdies noch einen Sack voll Liste.
Du jammerst mich, komm mit mir,
ich will dich lehren, wie man den Hunden entgeht." Indem kam ein Jäger mit vier
Hunden daher. Die Katze sprang behend auf einen Baum und setzte sich in den
Gipfel, wo Aste und Laubwerk sie völlig verbargen. "Bindet den Sack auf, Herr
Fuchs, bindet den Sack auf", rief ihm die Katze zu, aber die Hunde hatten ihn
schon gepackt und hielten ihn fest. "Ei, Herr Fuchs", rief die Katze, "Ihr
bleibt mit Euern hundert Künsten stecken. Hättet Ihr heraufkriechen können wie
ich, so wär's nicht um Euer Leben geschehen."
Es
lebte einmal in Böhmen eine ganz arme Frau, Soriana genannt. Die hatte drei
Söhne, von denen der eine Dusolino, der zweite Tesifone und der dritte
Costantino Fortunato hieß. Sie besaß auf der Welt nichts weiter von Wert als
drei Dinge:
einen
Backtrog, in dem die Frauen den Brotteig kneteten, ein Brotbrett, auf dem sie
das Brot formten, und eine Katze. Als nun Soriana, die schon im hohen Alter
stand, zum Sterben kam, vermachte sie in ihrem Letzten Willen dem ältesten Sohne
Dusolino den Backtrog, dem Tesifone das Brotbrett und dem Costantino die Katze.
Nachdem die Mutter gestorben und beerdigt war, kamen die Nachbarinnen oft und
borgten bald den Teigtrog, bald das Teigbrett, wenn sie sie brauchten. Weil sie
wussten, wie arm die drei Brüder waren, schenkten sie ihnen jedes Mal einen
Kuchen, den Dusolino und Tesifone miteinander aßen, ohne dem jüngsten Bruder
etwas abzugeben. Und wenn Costantino sie um etwas bat, so gaben sie ihm zur
Antwort, er solle zu seiner Katze gehen, die werde ihm schon etwas geben. Auf
diese Weise litt der arme Knabe mit seiner Katze große Not.
Die Katze, die über Zauberkraft verfügte, hatte Mitleid mit ihrem Herrn, ärgerte
sich über die beiden Brüder, die ihn so hartherzig behandelten, und sagte zu
ihm: "Gräme dich nicht, Costantino; ich werde schon für deinen und meinen
Unterhalt sorgen." Darauf ging sie hinaus aufs Feld, legte sich hin, als ob sie
schliefe, fing einen Hasen, der an ihr vorüberlief, und tötete ihn. Dann ging
sie damit zum königlichen Palast, sah dort einige Hofleute und sagte zu ihnen,
sie möchte gern den König sprechen. Als man dem König meldete, es sei eine Katze
draußen, die ihn sprechen wolle, ließ er sie vor sich kommen und fragte sie, was
sie wünsche. Sie sprach: "Costantino, mein Herr, sendet Euch diesen Hasen, den
er gefangen hat, zum Geschenk." Der König nahm die Gabe an und fragte, wer
dieser Costantino sei. Die Katze erwiderte: "Er ist ein Mann, wie es an
Herzensgüte, Schönheit und Macht keinen besseren gibt." Daraufhin erzeigte sich
der König ihr gegenüber sehr freundlich und ließ ihr gut zu essen und zu trinken
geben.
Als sich die Katze ordentlich gesättigt hatte, füllte sie mit ihrem Pfötchen auf
geschickte Weise, ohne von jemand gesehen zu werden, ihren Schnappsack, den sie
an der Seite trug, mit manchem guten Bissen, verabschiedete sich hierauf vom
König und brachte die Speisen ihrem Herrn. Die Brüder sahen, wie Costantino
triumphierend seine Mahlzeit verzehrte, und baten ihn, er solle sie mit ihnen
teilen. Aber er vergalt ihnen jetzt Gleiches mit Gleichem und gab ihnen nichts.
Darüber wurden sie so neidisch auf ihn, dass ihnen der Groll beständig am
Herzen nagte. Obwohl Costantino schön von Angesicht war, hatten ihm aber die
vielen Entbehrungen die Krätze und den Ausschlag verursacht, die ihn sehr
plagten. Da ging er mit seiner Katze an den Fluss, und sie wusch und leckte ihn
von Kopf bis zu Fuß und kämmte ihn, und in wenigen Tagen war er von seinem Übel
befreit.
Unterdessen hatte die Katze immer wieder Geschenke in den königlichen Palast
gebracht und auf diese Weise für den Unterhalt ihres Herrn gesorgt. Weil sie
aber des ständigen Hin- und Herlaufens müde war und zudem fürchtete, die Leute
des Königs könnten ihrer überdrüssig werden, sagte sie: "Mein Herr, wenn du tun
willst, was ich dir sage, so werde ich dich in kurzer Zeit reich machen." - "Und
wie willst du das anstellen?" fragte Costantino. "Komm mit mir und lass mich nur
machen. Du sollst reich werden, das habe ich mir vorgenommen.« Dann gingen sie
miteinander an den Fluss hinunter, und zwar an eine Stelle nahe beim königlichen
Palast. Hier zog die Katze ihrem Herrn die Kleider aus, warf ihn mit seinem
Einverständnis ins Wasser und fing laut an zu schreien: "Zu Hilfe! Zu Hilfe!
Herbei, herbei, Herr Costantino ist am Ertrinken!" Das hörte der König, gedachte
der zahlreichen Geschenke, die er von ihm empfangen hatte, und schickte sofort
seine Leute aus, um ihn zu retten. Die zogen ihn aus dem Wasser, legten ihm neue
Kleider an und führten ihn vor den König. Dieser empfing ihn sehr freundlich und
fragte ihn, wie er denn in den Fluss geraten sei. Weil er aber vor Schmerzen
nicht sprechen konnte, nahm die Katze, die ihm immer zur Seite war, das Wort und
sagte: "Wisse, o König, einige Spitzbuben hatten durch einen Spion erfahren,
dass sich mein Herr mit vielen Kostbarkeiten beladen hierher auf den Weg machte,
um sie dir zum Geschenk zu bringen. Da plünderten sie ihn völlig aus und warfen
ihn ins Wasser, damit er umkäme. Allein durch die Hilfe dieser wackeren Leute
ist er gerettet worden." Als der König dies vernahm, befahl er, Costantino solle
gut bewirtet und bedient werden. Und weil er so schön war und der König wusste,
dass er reich sei, beschloss er, ihm seine Tochter Elisetta zur Frau zu geben
und sie mit Gold, Edelsteinen und prachtvollen Kleidern auszustatten.
Nachdem die Hochzeit gefeiert und die Festlichkeiten vorüber waren,
ließ der König zehn Maultiere mit Gold und fünf mit kostbaren Gewändern beladen
und sandte seine Tochter nebst einem großen Gefolge in das Haus ihres
Mannes.
Costantino, der sich jetzt so geehrt und reich sah und doch nicht wusste, wohin
er seine Gemahlin führen sollte, beriet sich mit seiner Katze. "Sei nur ohne
Angst, mein Herr", erwiderte diese, "wir wollen schon für alles sorgen." Während
nun die ganze Gesellschaft vergnügt dahinritt, lief die Katze wie der Wind
voraus, und als sie von den andern eine große Strecke entfernt war, begegnete
sie einigen Reitern und sprach zu ihnen: "Was macht ihr hier, ihr
Unglückseligen? Macht, dass ihr fortkommt, denn es wird gleich ein gewaltiger
Trupp berittener Leute kommen, die werden euch festnehmen. Da schaut — sie sind
schon ganz nahe! Hört ihr das Wiehern der Pferde?" - "Was ist da zu tun?"
fragten die Reiter bestürzt. "Ihr müsst es so machen", antwortete die Katze.
"Wenn man euch fragt, wem ihr dient, so antwortet ganz dreist: Herrn Costantino,
dann wird man euch nichts antun."
Und damit lief die Katze weiter und traf eine große Herde Schafe und Kühe an und
sagte zu den Hirten das gleiche wie zu den Reitern. Und so verfuhr sie auch mit
allen, denen sie unterwegs begegnete. Als nun die Leute, die Elisetta
begleiteten, fragten: "Ihr Reiter, wem dient ihr? Und wem gehören diese schönen
Herden?" antworteten alle wie mit einer Stimme: "Herrn Costantino." - "Wir
fahren also schon auf Eurem Grund und Boden, Herr Costantino?" fragten die
Begleiter der Prinzessin. Und er bejahte es durch Kopfnicken, und so antwortete
er jedes Mal mit ja, wenn er solches gefragt wurde, weshalb ihn denn die
Gesellschaft für gewaltig reich hielt.
Die Katze war inzwischen zu einem herrlichen Schloss gekommen, in welchem sie
nur wenige Menschen fand. "Ihr guten Leute, was macht ihr da? Wisst ihr denn gar
nichts von dem Unheil, das euch droht?" - "Was für eins?" fragten die im
Schloss. "Es vergeht keine Stunde, so wird ein großer Haufen Soldaten hier sein,
die werden euch in Stücke hauen. Hört ihr nicht die Pferde wiehern? Seht ihr
nicht dort den Staub aufsteigen? Wollt ihr nicht umkommen, so folgt meinem Rat,
das wird euch alle retten. Wenn euch jemand fragt, wem dieses Schloss gehört, so
antwortet: Herrn Costantino Fortunato." Und so taten sie. Die edle Gesellschaft
langte bald darauf an dem schönen Schlosse an. Man fragte die Torhüter und
Wächter, wem es gehöre, und alle antworteten einstimmig: "Herrn Costantino
Fortunato", worauf alles eintrat und ehrenvolle Unterkunft fand.
Der Besitzer dieses Schlosses war der Ritter Valentino, ein tapferer Kriegsmann,
der kurz vorher ausgeritten war, um seine Frau, die er jüngst genommen hatte,
heimzuführen. Er hatte aber Unglück, denn ehe er den Aufenthaltsort seiner
lieben Frau erreichte, traf ihn unterwegs ein plötzlicher und trauriger Unfall,
an dem er augenblicklich starb. So blieb denn Costantino Herr des Schlosses.
Bald danach starb Morando, der König von Böhmen, und das Volk rief Costantino
Fortunato zum Nachfolger aus; denn er war der Gemahl Elisettas, der Tochter des
verstorbenen Königs, welcher das Reich als Erbin zufiel. Und so ward aus
Costantino, der arm wie ein Bettler gewesen, ein Herr und König, und er lebte
noch lange Zeit mit seiner Elisetta und hinterließ später seinen Söhnen das
Reich.
Der gestiefelte Kater
Ein Müller hatte drei Söhne, seine Mühle, einen Esel und einen Kater; die Söhne
mussten mahlen, der Esel Getreide holen
und Mehl forttragen und die Katz Mäuse
wegfangen. Als der Müller starb, teilten sich die drei Söhne die Erbschaft.
Der älteste bekam die Mühle, der zweite den Esel, der dritte den Kater, weiter
blieb nichts für ihn übrig. Da war er traurig und sprach zu sich selbst:
"Ich habe es doch am allerschlimmsten gekriegt. Mein ältester Bruder kann
mahlen, mein zweiter kann auf seinem Esel reiten, was kann ich mit einem Kater
anfangen? Lass ich mir ein paar Pelzhandschuhe aus seinem Fell machen, so ist's
vorbei.', ,,Hör", fing der Kater an, der alles verstanden, was Hans gesagt
hatte, ,,du brauchst mich nicht zu töten, um ein Paar schlechte Handschuhe aus
meinem Pelz zu kriegen. Lass mir nur ein Paar Stiefel machen, dass ich ausgehen
und mich unter den Leuten sehen lassen kann, dann soll dir bald geholfen sein."
Der Müllerbursch verwunderte sich, dass der Kater so sprach, weil aber eben der
Schuster vorbeiging, rief er ihn herein und ließ dem Kater ein Paar Stiefel
anmessen. Als sie fertig waren, nahm der Kater einen Sack, füllte den Boden mit
Korn, oben aber machte er eine Schnur daran, womit man ihn zuziehen konnte. Dann
warf er ihn auf den Rücken und ging auf zwei Beinen wie ein Mensch zur Türe
hinaus.
Dazumal regierte ein König in dem Land, der aß Rebhühner so gerne. Es
war aber eine Not, das keine zu kriegen waren. Der ganze Wald war voll, aber sie
waren so scheu, dass kein Jäger sie erreichen konnte. Das wusste der Kater und
gedachte, seine Sache besser zu machen. Als er in den Wald kam, machte er den
Sack auf, breitete das Korn auseinander, die Schnur aber legte er ins Gras und
leitete sie hinter eine Hecke. Da versteckte er sich, schlich herum und lauerte.
Die
Rebhühner kamen bald gelaufen, fanden das Korn und eins nach dem andern
hüpfte in den Sack hinein. Als eine gute Anzahl darin war, zog der Kater den
Sack zu, lief herzu und drehte ihnen den Hals um. Dann ging er mit dem Sack auf
dem Rücken geradewegs nach des Königs Schloss. Die Wache rief: ,,Halt?. Wohin?"
,,Zu dem König," antwortete der Kater kurzweg.,, Bist du toll? Ein Kater zum
König?" ,,Lass ihn nur gehen," sagte ein anderer, ,,der König hat doch so oft
Langeweile, vielleicht macht ihm der Kater mit seinem Brummen und Spinnen
Vergnügen." Als der Kater vor den König kam, machte er eine tiefe Verbeugung und
sagte: ,,Mein Herr, der Graf Carrabas, lässt sich dem Herrn König empfehlen und
schickt ihm hier Rebhühner, die er eben in Schlingen gefangen hat." Der König
staunte über die schönen, fetten Rebhühner, wusste sich vor Freude nicht zu
lassen und befahl, dem Kater so viel Gold aus der Schatzkammer in den Sack zu
tun, als er tragen könne. ,,Das Bring deinem Herrn und dank ihm noch vielmal für
sein Geschenk."
Der arme Hans aber saß zu Hause am Fenster, stützte den Kopf in die Hand und
dachte, dass er nun sein letztes Geld für die Stiefel des Katers weggegeben und
was werde der' ihm großes dafür bringen können. Da trat der Kater herein, warf
den Sack vom Rücken, schnürte ihn auf und schüttete das Gold vor den Müllerssohn
hin: ,,Da hast du was für die Stiefel, der König lässt dich auch grüßen und dir
viel Dank sagen." Hans war froh über den Reichtum, ohne dass er noch recht
begreifen konnte, wie es zugegangen war. Der Kater aber, während er sich die
Stiefel auszog, erzählte ihm alles, dann sagte er: ,,Du hast zwar jetzt Geld
genug, aber dabei soll es nicht bleiben. Morgen ziehe ich meine Stiefel wieder
an, du sollst noch reicher werden Dem König habe ich gesagt, dass du ein Graf
bist." Am andern Tag ging der Kater wie er gesagt hatte, wohl gestiefelt, wieder
auf die Jagd und brachte dem König einen reichen Fang.
So ging es alle Tage, und der Kater brachte alle Tage Geld heim. Beim König war
er so beliebt wie nur einer, so dass er aus- und eingehen durfte im Schloss und
herumstreichen, wo er wollte. Einmal stand der Kater in der Küche des Königs
beim Herd und wärmte sich, da kam der Kutscher und fluchte: ,,Ich wollt' der
König mit der Prinzessin wär' beim Henker!
Ich wollt' ins Wirtshaus gehen und
einmal trinken und Karten spielen, da soll ich sie spazieren fahren an den See."
Wie der Kater das hörte, schlich er nach Haus und sagte zu seinem Herrn:
,,Wenn du ein Graf werden willst und reich, so komm mit mir hinaus an den See
und bade dich darin." Hans wusste nicht, was er dazu sagen sollte, doch folgte
er dem Kater, ging mit ihm, zog sich aus und sprang ins Wasser. Der Kater aber
nahm seine Kleider, trug sie fort und versteckte sie. Kaum war er damit fertig,
da kam der König daher gefahren. Der Kater lief herzu und jammerte: ,,Ach!
Allergnädigster König, mein Herr, der Graf Carrabas' hat sich im See gebadet, da
ist ein Dieb gekommen und hat ihm die Kleider gestohlen, die am Ufer lagen. Nun
ist der Herr Graf im Wasser, und kann nicht heraus, und wenn er länger darin
bleibt, wird er sich erkälten und sterben." Wie der König das hörte, ließ er
gleich halten. Einer von den Leuten musste zurückjagen und von des Königs
Kleider holen. Der Graf zog die prächtigsten Kleider an, und weil ihm ohnehin
der König wegen der Rebhühner, die er meinte von ihm bekommen zu haben, dankbar
und gewogen war, musste er sich in die Kutsche setzen. Die Prinzessin war auch
nicht böse darüber, denn der Graf war jung und schön und gefiel ihr recht gut.
Der Kater aber war vorausgegangen und zu einer großen Wiese gekommen, wo über
hundert Leute waren und Heu machten. ,,Wem gehört die Wiese, ihr Leute?" fragte
der Kater. - ,,Dem großen Zauberer." - ,,Hört, jetzt wird bald der König
vorüberfahren, wenn er fragt, wem die Wiese gehört, so antwortet: dem Grafen von
Carrabas' und wenn ihr das nicht tut, werdet ihr alle totgeschlagen." Weil die
Leute von dem Zauberer ohnehin nichts Gutes erwarteten, so glaubten sie das.
Darauf ging der Kater und kam an ein Kornfeld, so groß, dass es niemand über
sehen konnte, da standen mehr als zweihundert Leute, die schnitten das Korn.
,,Wem gehört das Korn, ihr Leute?" - ,,Dem großen Zauberer." - ,,Hört, jetzt
wird der König vorbeifahren, und wenn er fragt, wem das Korn gehört, so
antwortet: dem Grafen von Carrabas' und wenn ihr das nicht tut, werdet ihr alle
totgeschlagen."
Endlich kam der Kater an einen prächtigen Wald, da standen mehr
als dreihundert Leute und fällten die großen Eichen und machten Holz. ,,Wem
gehört der Wald, ihr Leute?" - ,,Dem großen Zauberer." - ,,Hört, jetzt wird der
König vorbeifahren, und wenn er fragt, wem der Wald gehört, so antwortet, dem
Grafen von Carrabas. Wenn ihr das nicht tut, werdet ihr alle umgebracht." Der
Kater ging noch weiter, die Leute sahen ihm alle nach und weil er so wunderlich
aussah und wie ein Mensch in Stiefeln daherging, fürchteten sie sich vor ihm.
Der Kater kam bald an des Zauberers Schloss, trat kecklich hinein und vor ihn
hin. Der Zauberer sah ihn verächtlich an und fragte ihn, was er wolle. Der Kater
machte eine tiefe Verbeugung und sagte: ,,Ich habe gehört, dass du dich in jedes
Tier verwandeln kannst. Was einen Hund, Fuchs oder Wolf ,betrifft, da will ich
es gerne glauben, aber dass du dich auch in einen Elefanten verwandeln kannst,
das scheint mir ganz unmöglich. Deshalb bin ich gekommen, um mich selbst zu
überzeugen." Der Zauberer sagte stolz: ,,Das ist mir eine Kleinigkeit", und war
im gleichen Augenblick in einen Elefanten verwandelt. ,,Das ist viel, aber auch
in einen Löwen?" - ,,Das ist auch nichts", sagte der Zauberer und stand als ein
Löwe vor dem Kater.
Der Kater stellte sich erschrocken und rief: ,,Das ist unglaublich und unerhört,
an dergleichen hätte ich nicht einmal im Träume gedacht, aber noch mehr als
alles andere wäre es, wenn du dich auch in ein so kleines Tier wie etwa eine
Maus verwandeln könntest. Du kannst gewiss mehr als irgend ein Zauberer auf der
Welt, aber das wird auch dir zu schwer sein." Der Zauberer ward ganz freundlich
bei den süßen Worten und sagte: ,,0 ja, liebes Kätzchen' das kann ich auch" und
sprang als Maus im Zimmer umher. Der Kater sprang hinter ihm her, fing die Maus
und fraß sie auf.
Der König aber war mit dem Grafen und der Prinzessin weiter spazieren gefahren
und kam zu der ,großen Wiese. ,,Wem gehört das Heu?" fragte der König." - ,,Dem
Herrn Grafen von Carrabas", riefen alle, wie ihnen der Kater befohlen hatte.
,,Ihr habt da ein schönes Stück Land, Herr Graf", sagte er. Danach kamen sie an
das große Kornfeld. ,,Wem gehört das Korn, ihr Leute?" - ,,Dem Herrn Grafen von
Carrabas." - ,,Ei, Herr Graf, große, schöne Ländereien!" Darauf zu dem Wald:
,,Wem gehört das Holz, ihr Leute?" - ,,Dem Herrn Grafen von Carrabas." Der König
verwunderte sich noch mehr und sagte: "Ihr müsst ein reicher Mann sein, Herr
Graf. Ich glaube nicht, dass ich einen so prächtigen Wald habe."
Endlich kamen sie an das Schloss, der Kater stand oben an der Treppe, und als
unten der Wagen hielt, sprang er herab, machte die Türe auf und sagte: ,,Herr
König, Ihr kommt hier in das Schloss meines Herrn, des Grafen von Carrabas den
diese Ehre für sein Leben glücklich machen ,wird." Der König stieg aus und
verwunderte sich über das stattliche Gebäude, das fast größer und schöner war
als sein Schloss. Der Graf aber führte die Prinzessin die Treppe hinauf in den
Saal, der ganz von Gold und von Edelsteinen flimmerte. Da ward die Prinzessin
dem Grafen verlobt und als der König starb, wurde er König, der gestiefelte
Kater aber erster Minister.
Der giftige Fisch
Ein
Mann hatte einstmals einen Fisch gefangen, den man Stachelbauch oder Fugu nennt
und für giftig hält. Er kannte dessen besondere Eigenschaften nicht recht und
begann, ihn zum Mahle herzurichten, obwohl er doch nicht ohne alle Besorgnis
war. Während er mit dem Zubereiten des Fischs beschäftigt war, kam eine hungrige
Katze, ergriff ein Stück von dem Fisch und lief damit davon. Der Mann verfolgte
sie; sie lief deshalb in einen engen Spalt zwischen zwei Häuser, wo sie in
Sicherheit war; das Stück Fisch hielt sie fortwährend im Maul.
Der Mann dachte nun, als er von der Verfolgung der Katze zu seiner früheren
Beschäftigung zurückgekehrt war, dass seine Besorgnis wohl unbegründet gewesen
sein müsse, denn wenn die schlaue Katze den Fisch nicht verschmähe, könne er ihm
unmöglich schaden. Als sein Mahl fertig war, begann er daher, ruhig den Fisch zu
verspeisen.
Die Katze aber hatte, nachdem sie ihre Beute in Sicherheit gebracht, doch auch
einige Bedenken gehabt. Sie kam daher aus ihrem Versteck wieder hervor und sah
zu, ob der Mann den Fisch auch wirklich verzehrte. Als sie nun sah, dass er ihn
wirklich aß, da zögerte sie nicht länger und fraß ihr Stück ebenfalls.
Beide, Mann und Katze, starben elendiglich. So täuschen sich die schlauesten oft
am allerleichtesten.
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