Märchen Seite 7

Die Bremer Stadtmusikanten
Gebrüder Grimm
Vom Kater Mizpuf
Verfasser nicht bekannt
Das Mäuseungeheuer
Heidrun Gemähling
Der Katzenkönig
englische Fabel

Die Bremer Stadtmusikanten

Es hatte ein Mann einen Esel, der schon lange Jahre die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so dass er zur Arbeit immer untauglicher wurde. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen; aber der Esel merkte, dass kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen; dort, meinte er, könnte er ja Stadt Musikant werden.

Als er ein Weilchen fortgegangen war, fand er einen Jagdhund auf dem Wege liegen, der jappte wie einer, der sich müde gelaufen hat. "Nun, was jappst du so, Packan?" fragte der Esel. "Ach", sagte der Hund, "weil ich alt bin und jeden Tag schwächer werde, auch auf der Jagd nicht mehr fort kann, hat mich mein Herr wollen totschlagen, da hab' ich Reißaus genommen; aber womit soll ich nun mein Brot verdienen?" - "Weißt du was", sprach der Esel, "ich gehe nach Bremen und werde dort Stadtmusikant, geh' mit und lass' dich auch bei der Musik annehmen. ich spiele die Laute, und du schlägst die Pauke. Der Hund war's zufrieden, und sie gingen weiter.

Es dauerte nicht lange, so saß eine Katze am Weg und machte ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. "Nun, was ist dir in die Quere gekommen, alter Bartputzer?" fragte der Esel. - "Wer kann da lustig sein, wenn's einem an den Kragen geht?" antwortete die Katze. "Weil ich nun zu Jahren komme, meine Zähne stumpf werden und ich lieber hinter dem Ofen sitze und spinne, als nach Mäusen herumjage, hat mich meine Frau ersäufen wollen; ich habe mich zwar noch fortgemacht aber nun ist guter Rat teuer; wo soll ich hin?" - "Geh' mit uns nach Bremen; du verstehst dich doch auf die Nachtmusik, da kannst du ein Stadtmusikant werden" Die Katze hielt das für gut und ging mit.

Darauf kamen die drei Landesflüchtigen an einem Hofe vorbei, da saß auf dem Tor der Haushahn und schrie aus Leibeskräften "Du schreist einem durch Mark und Bein", sprach der Esel, "was hast du vor?" - "Da hab' ich gut Wetter prophezeit", sprach der Hahn, "weil Unserer Lieben Frauen Tag ist, wo sie dem Christkindlein die Hemdchen gewaschen hat und sie trocknen will; aber weil morgen zum Sonntag Gäste kommen, so hat die Hausfrau doch kein Erbarmen und hat der Köchin gesagt, sie wollte mich morgen in der Suppe essen, und da soll ich mir heute Abend den Kopf abschneiden lassen. Nun schrei' ich aus vollem Halse, solang ich noch kann." "Ei, was, du Rotkopf", sagte der Esel, "zieh' lieber mit uns fort, wir gehen nach Bremen, etwas Besseres als den Tod findest du überall; du hast eine gute Stimme, und wenn wir zusammen musizieren, so muss es eine Art haben." Der Hahn ließ sich den Vorschlag gefallen, und sie gingen alle viere zusammen fort.

Sie konnten aber die Stadt Bremen in einem Tag nicht erreichen und kamen abends in einen Wald, wo sie übernachten wollten. Der Esel und der Hund legten sich unter einen großen Baum, die Katze und der Hahn machten sich in die Äste, der Hahn aber flog bis in die Spitze, wo es am sichersten für ihn war. Ehe er einschlief, sah er sich noch einmal nach allen vier Winden um; da deuchte ihn, er sähe in der Ferne ein Fünkchen brennen, und rief seinen Gesellen zu, es müsste nicht gar weit ein Haus sein, denn es scheine ein Licht. Sprach der Esel: "So müssen wir uns aufmachen und noch hingehen, denn hier ist die Herberge schlecht." Der Hund meinte, ein paar Knochen und etwas Fleisch dran täten ihm auch gut. Also machten sie sich auf den Weg nach der Gegend, wo das Licht war, und sahen es bald heller schimmern, und es ward immer größer, bis sie vor ein hell erleuchtetes Räuberhaus kamen.

Der Esel, als der größte, näherte sich dem Fenster und schaute hinein. "Was siehst du, Grauschimmel?' fragte der Hahn. - "Was ich sehe?" antwortete der Esel; ,,einen gedeckten Tisch mit schönem Essen und Trinken, und Räuber sitzen daran und lassen sich's wohl sein." - "Das wäre was für uns", sprach der Hahn. "Ja, ja, ach, wären wir da!" sagte der Esel. Da ratschlagten die Tiere, wie sie es anfangen müssten, um die Räuber hinauszujagen, und fanden endlich ein Mittel. Der Esel musste sich mit den Vorderfüßen auf das Fenster stellen, der Hund auf des Esels Rücken springen, die Katze auf den Hund klettern, und endlich flog der Hahn hinauf und setzte sich der Katze auf den Kopf. Wie das geschehen war, fingen sie auf ein Zeichen insgesamt an, ihre Musik zu machen: der Esel schrie, der Hund bellte, die Katze miaute, und der Hahn krähte; dann stürzten sie durch das Fenster in die Stube hinein, dass die Scheiben klirrten. Die Räuber fuhren bei dem entsetzlichen Geschrei in die Höhe, meinten nicht anders, als ein Gespenst käme herein, und flohen in größter Furcht in den Wald hinaus. Nun setzten sich die vier Gesellen an den Tisch, nahmen mit dem vorlieb, was übrig geblieben war, und aßen, als wenn sie vier Wochen hungern sollten.

Wie die vier Spielleute fertig waren, löschten sie das Licht aus und suchten sich eine Schlafstätte, jeder nach seiner Natur und Bequemlichkeit. Der Esel legte sich auf den Mist, der Hund hinter die Tür, die Katze auf den Herd bei der warmen Asche, und der Hahn setzte sich auf den Hahnenbalken; und weil sie müde waren von ihrem langen Weg, schliefen sie auch bald ein. Als Mitternacht vorbei war und die Räuber von weitem sahen, dass kein Licht mehr im Haus brannte, auch alles ruhig schien, sprach der Hauptmann: ,,Wir hätten uns doch nicht sollen ins Bockshorn jagen lassen", und hieß einen hingehen und das Haus untersuchen. Der Abgeschickte fand alles still, ging in die Küche, ein Licht anzuzünden, und weil er die glühenden, feurigen Augen der Katze für lebendige Kohlen ansah, hielt er ein Schwefelhölzchen daran, dass es Feuer fangen sollte. Aber die Katze verstand keinen Spaß, sprang ihm ins Gesicht, spie und kratzte. Da erschrak er gewaltig, lief und wollte zur Hintertür hinaus, aber der Hund, der da lag, sprang auf und biss ihn ins Bein; und als er über den Hof an dem Miste vorbeirannte, gab ihm der Esel noch einen tüchtigen Schlag mit dem Hinterfuß; der Hahn aber, der vom Lärmen aus dem Schlaf geweckt und munter geworden war, rief vom Balken herab "kikeriki"

Da lief der Räuber, was er konnte, zu seinem Hauptmann zurück und sprach: "Ach in dem Hause Sitzt eine gräuliche Hexe, die hat mich angehaucht und mir mit ihren langen Fingern das Gesicht zerkratzt. Und vor der Tür steht ein Mann mit einem Messer, der hat mich ins Bein gestochen, und auf dem Hofe liegt ein schwarzes Ungetüm, das hat mit einer Holzkeule auf mich losgeschlagen; und oben auf dem Dache, da sitzt der Richter, der rief: bringt mir den Schelm her! Da machte ich, dass ich fortkam." Von nun an getrauten sich die Räuber nicht weiter in das Haus; den vier Bremer Stadtmusikanten gefiel's aber so wohl darin, dass sie nicht wieder heraus wollten. Und der das zuletzt erzählt hat, dem ist der Mund noch warm.

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Vom Kater Mitzpuf

Eine arme Frau hatte nichts als eine Katze; das war ein Kater, den nannte sie Mitzpuf. Da sie ihm nun nichts mehr zu essen geben konnte, sprach sie: "Mein lieber Mitzpuf, es zerschneidet mir das Herz, wenn ich sehe, wie du so mager wirst, und ich kann dir nicht helfen; gehe du in den Wald und suche dir zu essen." Mitzpuf ließ sich das nicht zweimal sagen, denn er war sehr hungrig und wollte auch gerne einmal den Wald sehen.

Als er nun in den Wald kam, lag da ein totes Pferd, und sogleich sprang er auf das Pferd und fing an zu reißen und zu beißen. Es währte nicht lange, siehe, da zeigte sich der Fuchs von weitem. Als er die Katze erblickte, entsetzte er sich sehr, kehrte still um, nahm den Zagel zwischen die Beine und ging zuerst langsam, und als er glaubte, dass man ihn nicht mehr sehe, lief er in einem fort wie der Wind, so dass er ganz außer Atem kam. Da begegnete ihm der Bär. "Gevatter, was ist Euch? Warum macht Ihr so lange Beine?" - "Fraget nicht lange, kommt nur schnell mit", rief der Fuchs, "wenn Euch Euer Leben lieb ist! Dort sitzt ein kleines Ungeheuer auf einem dreimal größeren Wesen als Ihr seid, hat es umgebracht und frisst es!"- "Das muss ich doch sehen!" sprach der Bär neugierig, brummte sich Mut in den Bart und ging langsam näher; der Fuchs blieb jetzt stehen und sah zu.

Bald kam der Bär in vollem Lauf zurück. "Nur fort!" rief er zum Fuchs, "es ist die höchste Gefahr!" Beide liefen nun, dass ihnen Sehen und Hören verging. Da trafen sie auf den Wolf. "Was gibt es denn, warum so eilig? Was zappt und schnappt ihr so ängstig?" fragte der Wolf. Da sprachen der Fuchs und der Bär: "Unglücklicher, fraget nicht, rettet Euch mit uns, wenn Euch Euer Leben lieb ist. Dort sitzt ein kleines Ungeheuer auf einem fünfmal größeren Wesen, als Ihr seid, hat es umgebracht und frisst es!" - "Was, ich mich fürchten?" sprach trotzig der Wolf, "das soll man von mir nicht sagen!" und lief nach der bezeichneten Gegend. Der Fuchs und der Bär standen und sahen. Plötzlich kam der Wolf wie ein abgeschossener Pfeil hergerannt und hatte kein Leben. "Nur schnell, rettet euch, wie ihr wisst und könnt!" rief er.

Nun liefen alle drei wie in die Wette. Da stießen sie auf das Wildschwein. "Was ist das? Was ist das? Habt ihr Feuer unterm Zagel?" fragte dieses. "Fraget nicht lange, rettet Euch mit uns, wenn Euch Euer Leben lieb ist; dort sitzt ein kleines Ungeheuer auf einem fünfmal größeren Wesen, als Ihr seid, hat es umgebracht und frisst es!" - "Ihr feigen Memmen!" schrie das Wildschwein, "gleich will ich es umbringen", schnaubte fürchterlich ro, ro und rannte blindlings auf das tote Pferd los und stieß mit seinen Hauern ihm in den Bauch, noch ehe sich die Katze versehen konnte. Diese war nicht wenig erschreckt, machte einen großen Buckel, sträubte die Haare, schnurrte und sah mit wilden Augen das Schwein an. Dieses konnte nicht gleich mit seinen Hauern freiwerden und glaubte jetzt, der Kater Mitzpuf habe es gepackt; endlich kam es los, kehrte um und schoss wie der Blitz von dannen. Die Katze war mutig geworden und lief ihm nach. Das Schwein war bald bei den andern: "Es kommt das grausige Ungeheuer, wehe uns, wir sind verloren, rette sich jedes, wie es kann!" Da lag ein dicker Baumstamm, der war hohl; das Wildschwein rannte hinein und barg sich; nur die Zagelspitze reichte heraus; der Bär, Fuchs und Wolf hatten sich schnell auf je einen Baum geflüchtet.

Der Kater Mitzpuf kam lustig herbeigesprungen, hüpfte auf den Baumstamm und packte die hervorstehende Zagelspitze vom Wildschwein. "Jetzt frisst es dich!" dachte dieses und grunzte einmal in seiner Todesangst so fürchterlich, dass jene vor Schrecken vom Baum herunterplumpsten. Dem Fuchs war nichts geschehen; er lief leicht fort; der Bär hatte sich ein Bein gebrochen und hinkte nach; der Wolf aber war in ein spitzes Holz gefallen und hatte sich gespießt; sein Rachen stand weit offen und wies die Zähne. Das sah der Fuchs: "Ei, Gevatter, warum lacht Ihr uns aus? Das Laufen ist doch keine Schande, wenn es gilt, das Leben zu retten!" Aber der Wolf antwortete nicht, denn er war schon steif und starr. Das Wildschwein getraute sich vor Angst nicht herauszukommen und verreckte in dem Baumstamm. Der Fuchs und der Bär aber laufen noch immer, und aus ist es auch mit ihnen, wenn der Kater Mitzpuf sie bekommt; er zerreißt und zerbeißt ihnen den Bauch wie dem toten Pferd.

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Das Mäuseungeheuer


Dicht an der Niederländischen Grenze wohnte eine alte Katze, die auch fast jeder kannte. Sie hatte ein rötliches Fell mit weißen und schwarzen Flecken und war ein Kater. Als sie noch jung an Jahren war, lief sie täglich bei Nacht zu einer nahe gelegenen Käsefabrik. Ganz am Ende war eine alte Holztür, dessen unterer Teil schon etwas morsch und ein Teil des Holzes herausgebrochen war. Durch diese kleine Öffnung gelangte sie in einen Raum, wo viele Käseabfälle lagerten, die von Zeit zu Zeit weggebracht wurden. Kater Mirko, so nannten ihn seine Bauersleute, wurde zum Freund der Mäuse, da er sich nur mit Käse vollfraß. Milch bekam er in ein Schälchen auf dem Bauernhof und die Kinder der Umgebung waren seine Spielgefährten. Doch eines Tages bemerkten sie, dass die Mäuse sich sehr vermehrten und wollten nicht mehr mit ihm spielen und herumtoben. Überall liefen große und kleine Mäuse herum, im Stroh, in den Ställen, im Heu und unter den Geräten durch und sogar bis in die Küche im Haus.

Das gefiel der Bauersfrau überhaupt nicht und sie schimpfte tagelang mit dem Kater Mirko, denn zum Mäusefangen hatten sie ihn auf den Hof geholt. Doch hatte er inzwischen vergessen, wie man Mäuse fängt, denn er ging ja täglich zu der Käsefabrik über die Grenze. Die vielen Mäusefreunde hörten das Geschrei der Frau und hatten Mitleid mit dem bunten Kater, der durch das Alter nicht mehr so richtig sehen konnte und jetzt vom Hof gejagt wurde. Eines Tages umzingelten sie Mirko und machten ihm einen Vorschlag und sagten zu ihm: „Lieber guter Kater Mirko, Du hast uns nie etwas zu zuleidegetan und wir konnten über Jahre uns sehr vermehren und miteinander leben. Damit Du aber nicht verhungerst und weiter Deinen Käse bekomme kannst, wollen wir Dir helfen“. „Wie wollt ihr mir denn helfen, so kleine graue Mäuschen?“ „Das ist kein Problem“ sagte stolz die Obermaus und kam dem Kater näher.

Sie winkte bestimmte aus der Gruppe zu sich und machte ihnen vor, wie sie an das Fell der Katze springen und sich daran festhalten sollten. Flink und ohne ein Wort sprangen die benannten an an den Kater, hielten sich mit den kleinen Mäusezähnchen im Fell fest und verschlangen die Schwänze ineinander. „Nun“, frohlockte die Obermaus „jetzt kann die Reise los gehen. Wir haben ein altes verlassenes Holzhaus weit draußen auf dem Feld entdeckt, dort können wir alle zusammen wohnen und gemeinsam zur Käsefabrik gehen“.

„Aber warum hängen all die Mäuse an meinem Fell“, fragte Mirko verwundert und wollte sich die Mäuseschar wieder abschütteln. „Die sind schon alt und können nicht mehr richtig sehen, genau wie Du, haben Hunger, genau wie Du“, sagte ganz empört eine mittelgroße Maus, die einen besonders langen Schwanz hatte. Eine andere Maus fiel ihr ins Wort und meinte: „Solange ich lebe und zurückdenken kann, warst Du immer gut zu uns allen, hast nie einen von uns gefressen, und darum wollen wir Dir jetzt helfen“. „Ach so“, jetzt verstehe ich „solange ich noch sehen kann, soll ich Euch den Weg zur Käsefabrik zeigen“. „Ja, ja, ja“, riefen alle anwesenden Mäuse im Chor und stellten sich freudig auf die Hinterbeine. Diesen Anblick fand Kater Mirko so ergreifend, dass ihm die Tränen aus den Augen kullerten und er allen Umstehenden versprach für ihr Wohl zu sorgen. „Dein Augenlicht wird immer schwächer und das vieler Mäuse auch, darum müssen wir uns gegenseitig beistehen“, sagte die Obermaus und verschwand im Gebüsch.


Als die Dämmerung kam, versammelten sich alle an der gleichen Stelle, marschierten zuerst zum verlassenen Holzhaus, sahen sich ihre neue Unterkunft an, und weiter gings über die Grenze zum ersehnten Käsehaus. Die blinden und fast blinden Mäuse hingen am Fell der Katze, bedeckten so ihren ganzen Leib. Es sah schon recht ungewöhnlich aus , der Marsch der Mäusekatze und Anhang in der Abenddämmerung. Als sie von weitem den Käse rochen, hielt Kater Mirko inne, legte die Ohren nach vorne und befahl: „Halt, nicht weiter, die machen heute noch Überstunden, da müssen wir noch geduldig warten, bis die Menschen verschwunden sind!“

Dann war es soweit, und der Kater ging in die Richtung der alten Holztür, zwängte sich mit seiner Last durch das Loch und alle andern Begleiter hinter ihm her. Freudig piepsten die Mäusekinder durcheinander, denn sie hatten noch nie Käse gegessen und waren ganz aufgeregt. Viele Sorten lagen in dem Raum und an allen wurde probiert. Plötzlich wurde alles still, sie waren voll mit Käse und wurden müde. Die Obermaus gab das Kommando zur Rückkehr und sorgte dafür, dass keiner zurückblieb. Sie prägten sich den Weg in der Dunkelheit genau ein. Es kam der Tag, dass der Kater nichts mehr sah und ausgewählte Mäuse gingen ihm voran und piepsten in bestimmter Weise. Bei Hindernissen machten sie andere Töne und die Katze erkannte die Gefahr. Manchmal kraulten die blinden Mäuse dem Mirko im Fell und wollten so ihre Dankbarkeit zeigen. Einer half dem anderen in Alter und Schwachheit.


Eines Tages sah der Revierförster durch sein Fernglas, entdeckte voller Angst dieses fremde Ungeheuer. Abend für Abend sah er das selbe Schauspiel, wie es sich über die Grenze schlich. Seinem Hund befahl er strengstens an seiner Seite zu bleiben, damit dieses unbekannte Wesen ihn nicht angreifen könnte. Bald sprachen die Leute der ganzen Grenzregion von dem unheimlichen „Grenzungeheuer“, das man nur von ferne beobachten darf, damit kein Unheil über die Menschen entlang der Grenze komme. So sah man die Mäusekatze noch viele Jahre, umgeben von einer Riesenschar kleiner, lustiger, dicker Käsefresser. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann kann man sicherlich noch das „Grenzungeheuer“ an der niederländischen Grenze in der Dämmerung entdecken.

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Der Katzenkönig

Vor vielen Jahren, lange ehe das Jagen in Schottland so zur Mode geworden war, wie es das jetzt ist, verbrachten zwei junge Männer den Herbst weit im Norden. Sie wohnten in einer Jagdhütte, die weit entfernt war von den anderen Häusern, und eine alte Frau kochte für sie. Ihr Kater und die Hunde der jungen Männer bildeten den ganzen übrigen Haushalt.

Eines Nachmittags sagte der ältere der beiden jungen Männer, er wolle nicht ausgehen, und der jüngere ging allein, er hatte vor, dem Pfad ihrer Jagd vom Tag vorher zu folgen und nach verloren gegangenen Vögeln auszuschauen. Er hatte die Absicht, vor dem Sonnenuntergang nach Hause zurückzukommen. Er kam jedoch nicht zurück, und der ältere wurde sehr unruhig, als er so wachte und bis lange nach ihrer üblichen Essenszeit vergebens wartete. Zuletzt kehrte der junge Mann zurück, er war nass und erschöpft, und er erklärte auch seine ungewöhnliche Verspätung nicht, bis sie nach dem Essen vor dem Feuer saßen, ihre Pfeifen im Mund und die Hunde zu ihren Füßen. Der schwarze Kater der alten Frau saß ernsthaft mit halbgeschlossenen Augen zwischen ihnen auf dem Herdstein.

Da begann der junge Mann so: "Du musst dich gewundert haben, warum ich so spät dran war. Ich habe heute ein seltsames Abenteuer gehabt. Ich weiß kaum, was ich davon halten soll. Wie ich dir gesagt hatte, ging ich unserem gestrigen Weg entlang. Gerade als ich dabei war, nach Hause umzukehren, fiel ein Bergnebel ein, und ich verlor vollständig meinen Weg. Lange Zeit wanderte ich umher und wusste nicht, wo ich war, bis ich schließlich ein Licht sah und darauf zuhielt, weil ich hoffte, Hilfe zu bekommen. Als ich nahe kam, verschwand es, und ich sah, dass ich vor einem mächtigen alten Eichbaum stand. Ich kletterte in die Äste hinauf, um so besser nach dem Licht ausschauen zu können, und da! - es war unter mir, innen in dem hohlen Stamm des Baumes. Es war, als sähe ich in eine Kirche hinunter, in der eben ein Begräbnis stattfand. Ich hörte Singen und sah einen Sarg, der war von Fackeln umgeben, die alle getragen wurden von - aber ich weiß, du wirst es mir nicht glauben, wenn ich es sage!"

Sein Freund bat ihn eifrig weiterzuerzählen und legte seine Pfeife nieder, um besser zuzuhören. Die Hunde schliefen friedlich, aber der Kater saß aufrecht da und hörte offensichtlich geradeso aufmerksam zu wie der Mann, und unwillkürlich richteten beide jungen Männer ihre Augen auf ihn. "Ja", fuhr der Jüngere fort, "es ist wirklich wahr. Der Sarg wie die Fackeln wurden von Katzen getragen, und auf dem Sarg waren eine Krone und ein Szepter abgebildet!" Weiter kam er nicht; der Kater fuhr auf und kreischte: "Beim Jupiter! Der alte Peter ist tot! Und ich bin der König der Katzen!" Und er schoss den Kamin hinauf und ward nie mehr gesehen.

Autorin Heidrun Gemähling
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