Ragdoll

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Blauäugige "Kuschelkinder" auf vier Pfoten: die kalifornischen Ragdolls
von Hannelore Büchner
Diese liebenswerten Katzen verdanken ihre Entstehung den finanziellen Bedürfnissen einer einzigen Frau: Ann Baker aus Riverside in Kalifornien. Sie traf zufällig auf den außergewöhnlichen Nachwuchs einer weißen Langhaarkatze und war so davon beeindruckt, dass sie beschloss, der Natur ein wenig nachzuhelfen und eine ganz neue Katzenrasse zu "kreieren". Der Überlieferung nach handelte es sich bei der weißen Kätzin - ihr Name war Josephine - um eine Angorakatze, wie man damals die Perser nannte. Allerdings sahen diese derzeit noch ganz anders aus als heute.

Ann Baker stellte fest, dass Josephines Jungtiere sehr groß und ausgesprochen sanftmütig waren. Ihre Körper waren ungewöhnlich weich, nahezu schlaff, wenn man sie hochnahm. Und sie liebten es, auf den Armen herumgetragen zu werden. Sie erinnerten an die "Lumpenpuppen" (Ragdolls), die arme Leute ihren Kindern aus Stoffresten nähten, und von denen sie dann auch den Namen bekamen. Baker war zwar arm, aber unerhört geschäftstüchtig, und so kam ihr schnell der Gedanke, aus diesen bezaubernden kleinen Schmusepäckchen Bares herauszuholen. Natürlich nicht durch den Verkauf eines oder einiger Würfe, nein, sie plante, eine ganz neue Art Katze zu "erfinden". Grosse blaue Kinderaugen sollten sie haben, die man über das Maskengen leicht in den Genpool einbringen konnte. Ob es ein Birma-Kater oder ein Birma-ähnlicher Kater war, mit dem sie Josephine verpaarte, ist nicht mehr nachvollziehbar und umstritten, auf jeden Fall zog sie sich einen gepointeten Sohn Josephines als Stammvater der neuen Rasse heran, den sie "Daddy Warbuck" nannte. Daddy Warbuck hatte weiße Abzeichen an den Pfoten wie die Heiligen Birmas, außerdem einen weißen Streifen auf der Nase und eine weiße Schwanzspitze. Letztere findet man manchmal heute noch, allerdings stellt sie - im Gegensatz zu dem weißen Nasenstreifen - einen groben Farbfehler dar. Der Name, den Ann Baker ihrer Cattery gab, spiegelt deutlich wider, welcher Gesellschaftsschicht sie sich selbst zuordnete: "Raggedy Ann" bedeutet übersetzt "zerlumpte Ann".

Eine zweite Mutterlinie wurde - so heißt es wiederum in der Überlieferung - unter Hinzunahme einer schwarzen Burmesin aufgebaut. Natürlich gibt es keine schwarzen Burmesen, doch könnte hier die Erklärung darin liegen, dass die Farbe Seal in der Genetik als "Black" = Schwarz bezeichnet wird. Die Tiere, die aus Josephine stammten, wurden der sogenannten light side, also der hellen Seite, die aus der Burmesin der dark side, der dunklen Seite, zugeordnet. In den ersten Generationen wurden grundsätzlich nur Tiere der light side mit Abkömmlingen der dark side verpaart, light x light oder dark x dark durfte nicht zusammenkommen. Um eine neue Rasse zu züchten, braucht man sehr viele Katzen, so dass Ann Baker bald an ihre Grenzen stieß und sich gezwungen sah - sicher auch aus finanziellen Gründen - andere Züchter mit in ihr Programm einzubeziehen. Diesen machte sie genaue Vorschriften und pochte unnachgiebig auf Einhaltung derselben

Um möglichst schnell einen hohen Bekanntheitsgrad zu erlangen, erfand die streitbare kleine Dame allerlei spektakuläre Besonderheiten, die die neuen Katzen angeblich besäßen. Damit schadete sie sich jedoch in erster Linie selbst, denn sie lieferte damit den Beweis, dass sie von Biologie und Genetik wenig verstand. Ihre Behauptung, Ragdolls seien schmerzunempfindlich, war völlig aus der Luft gegriffen und schadete den Katzen sehr. Bis heute hält sich dieses unglückliche Gerücht ebenso hartnäckig wie die (schöne) These, Ragdolls haarten nicht. Beides ist erfundener Unsinn. Zwei Züchterpaare aus der Anfangszeit sagten sich schließlich von Baker los, um ihren eigenen Zuchtvorstellungen nachzugehen. Mit der "Blossom Time" Cattery und "Ragnarok" legten das Ehepaar Dayton sowie die Eheleute Chambers den Grundstein für unsere heutigen Ragdolls. Danny Dayton arbeitete eine Genetik-Karte aus, in die er in akribischer Feinarbeit Katze für Katze eintrug. So ergab sich ein riesiger Stammbaum, der von Josephine bis in unsere heutige Zeit reicht. Vor einigen Jahren übernahm Charlie Myers von der Cattery "C.P. Rags" diese Arbeit.

Erst zwanzig Jahre nach ihrer Entstehung kamen die ersten Ragdolls nach Europa. Führend in Sachen Katzenzucht machten auch hier die Engländer die ersten Schritte. Bedingt durch die Quarantänebestimmungen bewegte man sich dort lange Zeit in einem sehr engen Genpool. Mit den Mitte der 80er Jahre von England nach Deutschland gelangten Raggys startete man auf dem Festland teilweise mit erheblichen Schwierigkeiten, da durch zu enge Verpaarungen Schwächen im Immunsystem auftraten. Sicherlich wäre es um die Zucht dieser blauäugigen Schönen schlecht bestellt gewesen, wenn sich nicht eine Idealistin mit eisernem Willen zu ihrer Schirmherrin ernannt hätte: Karin Hughes-Dentler aus Nürnberg gründete 1986 die Interessengemeinschaft Ragdoll und führte die Rasse, die keiner kannte und die viele nicht wollten, in 12jähriger Arbeit zur vollen FIFe-Anerkennung. Dabei beschritt sie einen dornen- und arbeitsreichen Weg, der ihr keineswegs nur Freude einbrachte. Unter dem Leitsatz "alles für die Rasse" übernahm sie so manche unangenehme Aufgabe. Zu diesen gehörte auch die teilweise sehr herbe Auseinandersetzung mit Züchtern, die auf unseriöse Art und zum Schaden der Tiere versuchten, mit geringem Aufwand schnelles Geld zu machen. Dieser Frau verdanken die heutigen europäischen Ragdolls zum großen Teil die mittlerweile überwiegend gesunde Zuchtbasis.

Die engagierte Nürnbergerin, von Insidern "Frau Ragdoll" genannt, leitet bis heute in ihrer Freizeit die Interessengemeinschaft, die den drei existierenden Zeichnungsvarianten zur Anerkennung verhalf. Die Bicolour erreichte dieses Ziel als erste, nämlich 1992. Drei Jahre später folgte die Colourpoint, und wie am 29. Mai 1998 in Bad Kissingen während der FIFe-Generalversammlung von 32 stimmberechtigten Ländern einstimmig beschlossen wurde, erhielt auch die Mitted ab 1999 den begehrten CAC-Status.

Mourningdove Tueschi
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Snuggling Joker Lassiter
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Snuggling Joker Nikki
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Ragdoll-Impressionen Ragdoll-Impressionen Ragdoll-Impressionen

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Fell:
Lang, voll und von seidiger Beschaffenheit. Die seidenweiche Textur erinnert ein wenig an Kaninchenfell. Wie alle lang- und halblanghaarigen Katzen sind die Ragdolls in der kalten Jahreszeit am schönsten, denn dann zeigen sie sich in voller Haarpracht. Das Fell ist im Gesicht kurz, wird am Rücken etwas länger, seitlich halblang und am Bauch und dem hinteren Beinbewuchs (Höschen) lang. An den Vorderbeinen ist es kurz bis mittellang. Die eigentliche Zierde ist jedoch das üppige Lätzchen, das oft im ersten Winter noch nicht voll in Erscheinung tritt. Grannenhaare und Unterwolle sollten nicht zu viel vorhanden sein, denn das Fell sollte leicht am Körper anliegen und in der Bewegung "aufbrechen". Bei zuviel Unterwolle steht das Fell nahezu rechtwinkelig zum Körper, und die Katze wirkt "mopsig".

Kopf:
Der Kopf stellt einen modifizierten Keil dar mit einer sanft gerundeten Schnauze.

Ohren:
Mittelgroß, mit abgerundeten Spitzen und weit auseinandersitzend.

Augen:
Groß und leicht oval, weit auseinander stehend, die Farbe sollte blau sein.

Körper:
Lang gestreckt, muskulös und stämmig, mit von hinten nach vorne leicht abfallender Rückenlinie.

Schwanz:
Lang und flauschig.

Beine und Pfoten:
Die Beine sind mittellang, wobei die Hinterbeine etwas länger sind als die Vorderbeine. Die Pfoten groß und rund, mit zwischen den Zehen und Ballen befindlichen Fellbüscheln. Die Ballen sind dunkelbraun oder schwarz.

Wesen:
Es ist ganz selbstverständlich, dass sich alles um die Ragdoll dreht. Das steht ihr von Geburt an zu, und nichts kann sie in dem Glauben erschüttern, dass sie der Nabel der Welt ist. Es gibt für sie beispielsweise nicht den geringsten Zweifel, dass ein Wischlappen nur deshalb auf dem Fußboden hin- und herbewegt wird, damit sie ihn fangen kann. Sie brauchen den ständigen Kontakt, die Ansprache und viele, viele Streicheleinheiten. Sie sind anhänglich und verschmust und würden seelisch verkümmern, wenn man sie tagtäglich acht oder mehr Stunden sich selbst überließe. Berufstätige sollten deshalb wenigstens ein zweites Tier (Katze oder Hund) dazunehmen, wenn es unbedingt eine Ragdoll sein muss. Bedingung ist aber dabei, dass man sich in der verbleibenden Zeit intensiv um sie kümmert. Dabei reicht einfaches Schmusen meistens nicht aus, sie wollen spielen, oft bis ins hohe Alter hinein. Eigentlich werden sie nie richtig erwachsen. Besonders beliebt ist bei vielen Vertretern dieser Gattung das Apportierspiel. Sie lernen es fast alle, wenn man sich nur ein wenig Mühe gibt. Das hat den Vorteil, dass man selbst dabei sitzen bleiben kann...
 

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Hannelore Büchner für die Bereitstellung der Fotos und die Zusammenarbeit bedanken.

 

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